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Rügen Mönchgut-Granitz: Feuerwehren brauchen Millionen
Vorpommern Rügen Mönchgut-Granitz: Feuerwehren brauchen Millionen
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07:57 27.07.2019
Die Wehren sind in der Hochsaison fast täglich im Einsatz: Am Dienstag war am Friedhof von Sellin ein Starkast von einem Baum abgebrochen, wobei vier Pkw beschädigt wurden. An den Fahrzeugen entstand ein wirtschaftlicher Totalschaden. Quelle: Feuerwehr Sellin
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Baabe

Da kommt auf die Gemeinden des Amtes Mönchgut-Granitz ein finanzieller Kraftakt zu: Sie müssen in den nächsten Jahren millionenschwer in den Brandschutz investieren. „Die Feuerwehren sind am Limit“, sagt Arne Fründt, amtierender Leitender Verwaltungsbeamter und Amtswehrführer. Das zeigen die Brandschutzbedarfsplanungen, die derzeit für die Gemeinden erstellt werden. Nun steht schwarz auf weiß, wo dringend nachgebessert werden muss: neue Technik und Gerätehäuser, viel größere Löschwasservorräte und mehr Einsatzkräfte.

„Die Situation ist momentan zwar nicht dramatisch, aber sie kann nicht so bleiben, sonst gibt es in einigen Bereichen zukünftig große Probleme. Dann können die Gemeinden keine Sicherheit mehr gewährleisten“, so Fründt.

Löschwasserteiche im schlechten Zustand

So müssen die Feuerwehrhäuser in Baabe, Göhren, Thiessow, Groß Zicker und Zirkow saniert oder neu gebaut werden, weil sie den Sicherheitsanforderungen nicht mehr entsprechen. Die Wehren von Sellin, Lancken-Granitz, Thiessow, Göhren und Zirkow benötigen neue Löschfahrzeuge und Sellin bis 2025 eine neue Drehleiter (Kosten: rund eine Million Euro). Dringender Handlungsbedarf besteht bei der Bereitstellung von Löschwasser auf den Feuerwehrautos und in den Gemeinden. „Ein einfacher Dorfteich reicht nicht, er entspricht nicht den gesetzlichen Anforderungen“, so Fründt. Im Bereich Lancken-Granitz müssen von den sechs Teichen fünf erneuert werden. Kostenpunkt: rund 150000 Euro. Die Ostseebäder seien besser aufgestellt, weil sie ein Hydrantensystem haben. „Aber wenn die Baaber Heide brennt, hätten wir ein richtiges Problem“, so Fründt.

Mehr Bürger in die Wehren

Auch beim Personal müsse aufgestockt werden. Es werden dringend Männer und Frauen für den aktiven Feuerwehrdienst gebraucht. Wichtig sei dabei die Ausbildung zum Atemschutzgeräteträger. Denn: „Sie haben die Lizenz, das Feuer zu töten. Wir haben Differenzen an den verschiedenen Standorten“, so Fründt.“

Amtswehrführer Arne Fründt Quelle: Gerit Herold

Die Städte und Gemeinden in MV müssen die seit 2016 gesetzlich vorgeschriebene Brandschutzbedarfsplanung spätestens in diesem Jahr erarbeitet haben. Diese soll den Ist-Zustand des örtlichen Brandschutzes feststellen und diesen mit dem ermittelten Bedarf vergleichen. Dabei sind die Ausrüstungen der Feuerwehren der Nachbargemeinden in die Betrachtungen einzubeziehen. Erfasst werden dabei auch die Gebäudeklassen und somit die Schwerpunktobjekte wie Häfen, große Hotels, Campingplätze, Kliniken und Schulen. Daraufhin werden Maßnahmen zum Erreichen der Schutzziele festgeschrieben. Denn: Zehn Minuten nach Alarmierung soll das erste Feuerwehrfahrzeug vor Ort sein. Dieser Wert muss in 80 Prozent der Einsätze nachgewiesen werden. Vorgeschrieben ist eine Mindesteinsatzstärke, die die Anzahl der benötigten Kräfte mit den erforderlichen Qualifikationen sowie geforderte Technik notwendig macht. Bei einem Wohnungsbrand mit Menschenrettung über eine tragbare Leiter sind das beispielsweise neun Kameraden. Damit das klappt, muss die Tagesbereitschaft sichergestellt werden.

Tagesbereitschaft ist beschränkt

Und hier liegt das Manko: „Die Tagesbereitschaft ist beschränkt“, weiß Arne Fründt. Die Wehr in Sellin habe mit 50 Prozent den höchsten Wert. Im Land liege er durchschnittlich bei 30 bis zu 40 Prozent. Viele freiwillige Feuerwehrmänner und -frauen arbeiten nicht in ihrem Wohnort. Inzwischen werden deshalb meist gleich zwei Wehren angepiepst. „Der Trend geht dahin, dass die Brandschützer Mitglied in zwei Wehren sind“, sagt Max Krohn, seit Januar Sachbearbeiter Brandschutz im Amt Mönchgut-Granitz. Der 20-Jährige ist in der Wehr von Baabe und auch noch in der von Lancken-Granitz aktiv.

Mit der Bedarfsplanung werde auch eine neue Alarm- und Ausrückeordnung erarbeitet. Aber es gebe Gebiete wie das Reddevitzer Höft oder Neu Reddevitz, wo die zehn Minuten Utopie sind, betont Fründt.

Deutliche Zunahme an Einsätzen

Verkehrsunfälle, Sturmschaden, Wohnungs- und Bahndammbrände, Baumsperren, Tierrettungen, Türöffnungen – die freiwilligen Feuerwehren im Amtsbereich werden gerade im Hochsommer fast täglich alarmiert. Die Einsätze haben in den letzten Jahren enorm zugenommen. 89 mal musste die Feuerwehr Sellin 2018 ausrücken, 70 mal im Jahr davor. Vor fünf Jahren waren es im Schnitt noch 40 Einsätze in zwölf Monaten. Mit neuen Hotels, Ferienquartieren und Wohnungen steigen auch die potenziellen Gefahrenquellen. „Es werden aber immer nur die Einwohnerzahlen gesehen, nicht die Touristen, von denen wir hier 3,5 Millionen im Jahr haben“, so Fründt

In den kommenden Jahren will das Land insgesamt 50 Millionen Euro in die Ausstattung der Wehren investieren. Trotzdem: „Für die Gemeinden wird es ein großes finanzielles Problem“, weiß Fründt. Der Brandschutzbedarfsplan ist auch Grundlage für die Beantragung von Fördermitteln. Was nicht drin steht, wird auch nicht bezuschusst. Zuwendungsbescheide oder Zusagen dafür gibt es bereits für drei Löschfahrzeuge. Mit den neuen Autos können die Wehren in Sellin, Lancken-Granitz und Thiessow dann mit bis zu 3000 Liter zum Teil drei mal so viel Löschwasser mitnehmen.

„Ein wichtiger Schritt, aber das Wasser ist nur für den Erstangriff. Eine zweite unabhängige Löschwasserversorgung muss da sein“, so Fründt. Dafür müssten auch Eigentümer größerer Objekte mitsorgen.

Idee einer Zentral- oder Amtsfeuerwehr

Um den Brandschutz sicherzustellen, müssen künftig neue Modelle gefunden werden. So wäre eine Zusammenarbeit mit dem Zweckverband bei der Löschwasserversorgung eine Idee. Auch könnte eine Zentralfeuerwehr bestimmt oder Amtswehr geschaffen werden mit einem Stamm von hauptamtlichen Einsatzkräften. Oder Kurverwaltungen und Gemeinden stellen in ihren Bauhöfen dafür Personal ein, so Fründt.

Gerit Herold

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