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Rügen Mönchguter Heimatabend: historische Hochzeit auf der Bühne in Baabe
Vorpommern Rügen Mönchguter Heimatabend: historische Hochzeit auf der Bühne in Baabe
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19:13 30.09.2019
Steffi Besch und Tilo Looks mimen das Brautpaar beim Mönchguter Heimatabend. Quelle: Gerit Herold
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Baabe

„Juchhe, Hochtied is hüt!“, schallt es im Chor über die Bühne im Baaber Haus des Gastes. Die Probe für den 4. Mönchguter Heimatabend ist in vollem Gange. In neun Bildern zeigen rund 80 Mitwirkende, wie vor rund 150 Jahren bei den Poken Hochzeit gefeiert wurde und lassen dabei in Wort, Musik, Tanz, Schauspiel und Gesang Traditionen lebendig werden.

Am 23. November um 19 Uhr ist die historische Mönchguter Hochzeit im Baaber Haus des Gastes zu erleben. „Wegen der großen Nachfrage bieten wir nun zusätzlich eine weitere Vorstellung an. Wir haben schon über 60 Vorbestellungen“, informiert Christian Pisch, Leiter der veranstaltenden Mönchguter Trachtengruppe. Die Matinee beginnt am 24. November um 14 Uhr ebenfalls im Haus des Gastes in Baabe, wo es auch ab sofort Karten (10 Euro) für die beiden Aufführungen gibt. Jeweils 170 Zuschauer sind dazu willkommen.

Bis zur Premiere ist es für alle Beteiligten noch ein hartes Stück Arbeit. Gilt es doch, alle Sänger, Musiker und Tänzer, die ihre Parts seit Monaten in eigenständigen Proben einstudieren, zu einem großen Ganzen zusammenzufügen. Neu ist für Tänzerinnen und Tänzer das darstellende Spiel. Dabei sind die Texte auf Plattdeutsch. Zudem singen sie auch Choräle und tanzen Walzer. Neben der Trachtengruppe wirken „De Plattsingers ut Sellin“ und die Musiker der Sassnitzer Blasmusik mit. Die Klasse 4 der Grundschule „Mönchgut“ in Gager sowie die Mönchguter Kindertrachtengruppe gestalten den ersten Teil mit der „Mönchguter Grillenhochzeit“, plattdeutschen Sketchen und Mönchguter Tänzen.

Ein „Hochzeitsgast“ ist auch Plattfoot Klaus Lass aus Warnemünde. Die Regie für das aufwendige Stück führt Otto Urbach. Der Selliner hatte auch die Idee zu dieser Inszenierung – und wie schon bei den vorherigen drei Heimatabenden das Drehbuch geschrieben. An seiner Seite als Inspizientin ist Maria Müller, frühere Leiterin der Mönchguter Museen. Ihr Mann Wolfgang begleitet das Programm am Akkordeon.

„Eine Hochzeit war eines der bedeutendsten Feste im Leben eines Mönchguters. Weil man dafür das ganze Dorf dabei haben wollte, gab man buchstäblich sein letztes Hemd und hat sich auf Jahre verschuldet“, sagt Margot Mandelkow, die zusammen mit Wolfgang Pisch als Erzähler durch den Heimatabend führt. 120 bis 300 Leute kamen seinerzeit zu einem Hochzeitsfest auf Mönchgut, das über drei Tage andauerte und mit allen Vorbereitungen neun Tage zählte. Gemeinsam wurde viel getanzt, gesungen, gegessen und getrunken. Bittersch, Brautputzerin, Ausschenker, Köchinnen, Straßenmusikanten spielten wichtige Rollen.

Neu im Stück dazu gekommen ist der Auftritt des Pfarrers, den das Brautpaar abholt, bevor sich der Hochzeitszug unter Glockengeläut zur Kirche aufmacht. Kein geringerer als der für Sellin und Mönchgut zuständige Pfarrer Olav Metz übernimmt diesen Part.

Gisela Eichsteadt (r.) und Brigitta Saathoff fertigen den historisch identischen Hochzeitsschmuck an. Quelle: Maria Müller

Dass auch Einzelteile für die Requisite und Accessoires, wie Hochzeitskrone, Bittstock, „Brüdgamsdauk“ und „de Rück“ möglichst authentisch aussehen, dafür haben die Selliner Handarbeitsfrauen Hedwig Schönsee, Gisela Eichsteadt und Brigitta Saathof gesorgt. Sie gehören zum Zirkel „Textiles Gestalten“, den es schon seit den 80er Jahren gibt, und treffen sich wöchentlich bei Hedwig Schönsee. „Nach dem Ausbreiten der Körbe voller bunter Seidenbänder, Blütenranken, Stoffpäckchen, Perlen, Buchsbaumgirlanden, Spitzenborten aller Art, Nadeln und Garnrollen ist von ihrer guten Stube kaum noch etwas zu sehen“, weiß Maria Müller. In vielen Stunden bastelten und nähten die Damen mit viel Liebe zum Detail den Hochzeitsschmuck und Zubehör. „Der Anspruch an historisch identisch gearbeiteten, einhundert kleinen Dingen war hoch“, so Müller.

Kreativer Kopf und fleißige Hände: Hedwig Schönsee näht und bastelt seit Jahrzehnten. Quelle: Maria Müller

„Wenn eine besondere Spitze, ein besonderes Stück Stoff fehlten, dann gab es großzügige Spenden aus Privatbeständen, die sorgfältig verarbeitet wurden“, weiß Maria Müller und ist entzückt: „Wenn aber ein Material doch noch fehlte, eine Farbe nicht passte, ein Gegenstand nicht 100-prozentig allen Anforderungen genügte, dann setzten blitzgescheite Ideen ein, dann wurde improvisiert, getüftelt und so lange probiert, bis mir vor Begeisterung nichts anderes übrig blieb, als Beifall zu klatschen.“

Mehr zum Thema:

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https://www.ostsee-zeitung.de/Vorpommern/Ruegen/Und-los-Probenstart-fuer-Heimatabend

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Von Gerit Herold

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