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Rügen Momente, länger als ein Jahr
Vorpommern Rügen Momente, länger als ein Jahr
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00:00 24.07.2018
Volkmar Herre (li.) hatte seine Lochkamera für diese Aufnahme der Kirche von Altenkirchen 375 Tage am Haus von Susanne und Wolf Karnagel befestigt. Quelle: Foto: Maik Trettin
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Altenkirchen

Was macht eine gute Kamera aus? Verkäufer in Foto-Fachgeschäften und viele ihrer Kunden würden sich bei der Aufzählung der technischen „Features“ vermutlich gegenseitig zu übertrumpfen versuchen. Volkmar Herre hält sich aus solchen Debatten raus. Ein Kasten mit einem 0,2 Millimeter großem Loch und ein bisschen Papier – das genügt ihm meistens. Diese einfache „Camera obscura“ fängt Abbilder der Welt ein, die manchmal eher an Malerei erinnern. Seit diesem Wochenende ist eine Auswahl der Bilder des Stralsunder Fotografen in der Pfarrkirche Altenkirchen zu sehen. „Heimat“ lautet der Titel der Ausstellung, die bis zum 30. September auf Wittow zu sehen ist.

„Ist das nicht . . . ?“ Ja, das ist sie. Gleich neben der Eingangstür hängt eine „Herrographie“ vom Altenkirchener Gotteshaus. Wann die Aufnahme entstand, wissen Susanne und Wolf Karnagel genau: vom 16. Mai 2015 bis zum 25. Mai 2016. 375 Tage lang fiel das Licht durch das winzige Loch in dem Kasten, den Volkmar Herre fest unterm Dach des gegenüber der Kirche gelegenen Hauses des Paares montiert hatte. Die Sonne hat auf dem Fotopapier ihre Spuren hinterlassen, ein Jahresbild von der Kirche und dem Glockenturm gezeichnet und Lichtbänder entstehen lassen, die wie ein der Geometrie unterworfenes Polarlicht erscheinen. Physikalisch, sagt Wolf Karnagel, lasse sich das alles erklären. Das Grundprinzip: Wo Licht hinfällt, wird es auf dem Fotopapier hell, wo keines hinkommt, bleibt das Papier dunkel. Und doch hätten die dabei entstehenden Ergebnisse immer etwas Rätselhaftes. Sie hielten die „Zeit jenseits des Augenblicks“ fest, ganz gleich, ob die Belichtung weniger als eine Sekunde lang oder aber länger als ein Jahr erfolgte.

Volkmar Herre hat mit diesen unterschiedlichen Belichtungszeiten experimentiert und dabei das altbekannte Prinzip der „Camera obscura“ weiterentwickelt. Der Weg, den Herre dabei gegangen ist, können die Besucher seiner Ausstellung im Wortsinne abschreiten. An jeder der vier Ausstellungswände in der Kirche hängen Arbeiten, die in einer bestimmten Schaffensperiode entstanden sind. Darunter sind auch einige der frühen Bilder, die Volkmar Herre am Anfang seiner Beschäftigung mit der Camera obscura gemacht hat. Den „Übergang vom Technischen der Fotografie zum Natürlichen“, nannte es Pfarrer Christian Ohm am Wochenende bei der Ausstellungseröffnung. Damals waren es noch die Momentaufnahmen. Heute arbeitet der Stralsunder vorzugsweise mit sehr langen Belichtungszeiten. Die Lochkameras werden dabei wetterfest montiert. Verdeckt doch mal ein Regentropfen die winzige Öffnung des Kastens, könne das unter Umständen auch sehr interessante Auswirkungen auf das Bild haben, sagt Volkmar Herre.

Menschen sind auf seinen Fotografien nicht zu sehen – oder doch? Manche Formen, die Herre in der Natur entdeckt hat, wirken auf seinen Bildern wie ein menschlicher Körper oder Teile davon. Früher, sagt Volkmar Herre, sei er ein leidenschaftlicher Porträtfotograf gewesen. „Aber von den Menschen als Thema habe ich mich weitgehend verabschiedet.“ Da ist der Stralsunder konsequent: Es gibt keine Handy-Schnappschüsse aus dem Urlaub und auch bei Familienfeiern kann man ihn nicht zum „Knipsen“ überreden.

„Jahresringe aus Licht“ seien die Fotos, die anlässlich des bevorstehenden 75. Geburtstages von Volkmar Herre in diesem Jahr noch bis Ende September in Altenkirchen gezeigt werden. Für Christian Ohm und viele andere haben sie auch eine philosophische Dimension: Kann der Mensch die Welt um sich erkennen oder sieht er sie immer nur im Spiegel der Erkenntnis? Herre hat sich für seine Bilder Zeit genommen. Das werden auch die meisten Besucher der Schau tun. „Daran geht man nicht schnell vorbei“, weiß Christian Ohm. „Es sind stille Bilder, und doch erzählen sie uns Geschichten.“

Ein Faible für die linsenlose Fotografie

1943 wurde Volkmar Herre im sächsischen Freiberg geboren. Bereits im Alter von zehn Jahren beschäftigte er sich unter der Anleitung seines Vaters mit der Fotografie. Der Urgroßvater war der berühmte Fotograf August Kotzsch aus Dresden-Loschwitz.

Mit dem Diplom als Fotografiker schließt Herre 1968 sein Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig ab.

Seit 1997 fasziniert den Stralsunder die linsenlose Fotografie.

Maik Trettin

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