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Rügen „Müssen uns mit Verlust abfinden“
Vorpommern Rügen „Müssen uns mit Verlust abfinden“
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14:48 07.06.2018
Sassnitz

Seit Monaten wird auf Jasmund eine Diskussion um den Verlust der Treppe vom Königsstuhl geführt. Dabei wurde der Ton gelegentlich rau. Die OSTSEE-ZEITUNG sprach mit Mark Ehlers vom Info-Zentrum am Königsstuhl.

Die Erwartung an einen neuen Abstieg ist leider illusorisch. Mark Ehlers, Geschäftsführer Nationalpark-Zentrum Königsstuhl

Hand aufs Herz: Die Menschen können zum Mond fliegen, und sollen keinen Abstieg am Königsstuhl herstellen können?

Ehlers: Es geht dabei ja nicht allein um technische Fragen. Bis zum letzten Abrutsch, bei dem auch ein großer Baum in die Tiefe gerissen wurde, hofften wir selber, dass der Abstieg wieder hergestellt werden könnte. Pläne dafür lagen vor und Geld hatte das Umweltministerium zur Verfügung gestellt. Nach dem Absturz wurden dann allerdings Geologen und andere Fachleute beauftragt, die Küste zu bewerten. Mit dem bekannten Resultat: Die Abbruchkante ist mittlerweile zu steil und der verbliebene Strand zu schmal, um eine Treppen-Konstruktion anzubringen. Mit einer Leiter wäre eine zu große Distanz zu überwinden und selbst wenn: Sobald da ein Brett angebracht wird, gilt das in Deutschland rechtlich als Bauwerk. Dafür kann und darf niemand die Haftung übernehmen. Wir bedauern, dass keine Lösung gefunden werden konnte, denn das bedeutet auch für uns eine schmerzliche Einschränkung des Angebots.

Die Kritiker der Entscheidung weisen darauf hin, dass Todesfälle nicht durch Abbrüche verursacht wurden und der letzte Mensch am Strand im Jahr 1936 verschüttet worden wäre.

Das Nationalparkamt weiß aus seismographischen Aufzeichnungen, dass die Abbrüche zunehmen. Außerdem werden die Strandabschnitte nicht nur immer schmaler und die Wand steiler, sondern auch die Überhänge stärker und damit die Abbrüche größer. Hinzu kommt, dass Rutschungen an einer Kreideküste binnen zwei Sekunden vorüber sind. Da bleibt keine Chance auszuweichen. Der Strand ist aber nicht gesperrt und es bleibt immer noch die Möglichkeit, am Kieler Bach oder bei Sassnitz abzusteigen und das Strandpanorama aufzunehmen. Von einer Strandwanderung raten wir aber aus den genannten Gründen ab.

Ein anderes Argument lautet, dass das Wandern in unwegsamem Gelände wie den Alpen oder Mittelgebirgen immerhin auch nicht untersagt sei. Trifft das nur auf das Ausland zu?

Ich finde das deutsche Haftungsrecht auch etwas sehr rigide. Auf der dänischen Insel Møn beispielsweise steht vor schwierigen Stellen ein Schild mit der Aufschrift „Betreten auf eigene Gefahr“ und damit hat es sich. In Deutschland ist die Rechtslage dagegen offenbar komplizierter.

Manche der Kritiker machen offenbar sogar eine Art Verschwörung aus, wonach Politik, Verwaltung und WWF möglichst viele Besucher aus dem Nationalpark in das Info-Zentrum lenken wollten?

Der Vorwurf ist komplett absurd. Von den jährlich rund 700 000 Besuchern kommt etwas mehr als ein Drittel in unser Nationalpark-Zentrum. Acht Ranger kümmern sich um Besucherbetreuung und Infrastruktur. Auch wird in Kürze ein neuer Fahrradweg gebaut. Dass die Menschen den Nationalpark und sein Wahrzeichen besuchen, ist ausdrücklich erwünscht. Nur wer die Natur kennen und lieben lernt, wird sie auch schützen wollen. Das ist unser gemeinsames Anliegen. Davon profitiert am Ende die ganze Insel und die aktuelle, teils polemisch geführte Diskussion gefährdet diesen Schatz.

Dann ist auch der von einzelnen Kritikern geäußerte Vorwurf, es ginge mal wieder nur um den schnöden Mammon, ungerechtfertigt? Stichwort „9,50 Euro für den Gang zum stillen Örtchen“?

Komplett. Zum einen bleibt die Kreideküste ja erlebbar und die genannten Angebote sind ebenso entgeltlos wie der Besuch des Welterbezentrums in der ehemaligen „Waldhalle“. Und letztendlich ist auch der Besuch des Königsstuhls außerhalb der Öffnungszeiten entgeltlos möglich. Seit Jahren setzen wir uns überdies für den Bau einer öffentlichen Toilette ein, weil unsere hausinterne Anlage dafür nicht ausgelegt ist. Der scheitert bisher nicht an uns, sondern am Baurecht.

Weiter heißt es, der geplante „Königsweg“, eine neue Verbindung zum Königsstuhl, solle den Verlust der Treppe ersetzen?

Das wäre wenig logisch. Die Entscheidung, auf den Bau einer Treppe zu verzichten, fiel wie erwähnt nach dem letzten großen Abbruch vor zwei Jahren. Die Planungen für den „Königsweg“ stammen aber aus dem Jahr 2011. Beide Entscheidungen haben also nichts miteinander zu tun. Vielmehr ist die Entscheidung für den „Königsweg“ aufgrund der Erkenntnis gewachsen, dass auch dort die Erosion arbeitet. Und zwar am Übergang zum eigentlichen Königsstuhl, so dass es passieren könnte, dass der mittelfristig nicht mehr begehbar ist. Wir betreiben also Vorsorge, damit die Erlebbarkeit des Königsstuhls für Insulaner und Gäste nicht vollständig verlorengeht. Dieser Verlust wäre für die Insel nicht hinnehmbar.

Gegner des „Königswegs“ starteten ein Bürgerbegehren, weil sie um Natur und Landschaftsbild fürchten.

Die geplante Variante wurde nach intensiver Suche ausgewählt, weil sie den geringsten Eingriff in die Natur darstellt und die bisherigen Aussichten erhält. Das war uns neben der technischen Machbarkeit wirklich wichtig. Eine Animation mit der seeseitigen Ansicht wird derzeit erstellt und dann veröffentlicht. Die Konstruktion ist so zurückhaltend geplant, dass sie aus der Distanz kaum gesehen wird. Leider wird dafür tatsächlich neben kleineren Gehölzen auch eine große Buche fallen müssen.

Wie wollen Sie einen Teil der Kritiker von Ihrer Sicht überzeugen?

Wir führten Einwohnerversammlungen und ein Bürgerforum durch und hoffen, dass künftig von einer Kultur der polemischen Anfeindungen zu einer zielführenden Kommunikation zurückgekehrt wird. Den Dialog werden wir auch weiterhin suchen und gemeinsam die Attraktivität des Nationalparks steigern. Informationen zum Vorhaben gibt es auch im Internet unter koenigsweg.Koenigsstuhl.com.

Interview: Uwe Driest

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