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Rügen Sphärische Klänge in Müthers „Ufo“
Vorpommern Rügen Sphärische Klänge in Müthers „Ufo“
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19:18 23.09.2019
Künstlerin Carolina Eyck eröffnete die Müther-Themenwoche in Binz vor rund 150 Zuschauern mit sphärischen Klängen des Theremins. Quelle: Holger Vonberg
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Binz

Die sphärischen Klänge dringen aus dem illuminierten „Ufo“ am Binzer Strand: Künstlerin Carolina Eyck lässt ihre Hände auf und ab gleiten und entlockt dem elektronischen Musikinstrument ganz ohne Berührung hypnotische Klänge. Dabei wiegt das Dünengras im Laserlicht wie das Meer. „Müther hätte dieser außergewöhnliche Abend bestimmt gefallen“, ist sich Holger Vonberg, verantwortlich für Presse und Öffentlichkeitsarbeit in Binz, sicher.

Rettungsturm beliebteste Außenstelle des Standesamtes

Auch dem Publikum gefällt die Darbietung: Es spendet großzügig Applaus. Rund 150 Menschen sind gekommen, darunter auch mehrere Ehepaare, die sich im Müther-Turm das Ja-Wort gegeben haben. Das „Ufo“ ist beliebteste Außenstelle des Binzer Standesamtes.

Noch bis Freitag ehrt Binz Ulrich Müther (1934-2007), den wohl berühmtesten Sohn des Ortes, mit Kreativkursen, Vorträgen und geführten Touren zu seinen Werken in Binz und auf der gesamten Insel.

„Wir freuen uns, dass sich eine Sonder-Bustour mit 51 Personen angekündigt hat. Die Reisegruppe besteht aus Ingenieuren vom Verein Deutscher Ingenieure, die die Bezirksgruppe Westmecklenburg sowie Studenten der Hochschule Wismar organisiert haben“, informiert Marikke Behrens von der Kurverwaltung.

Wie schon bei der 1. Müther-Themenwoche im letzten Jahr, zeigt eine Sonderausstellung im Haus des Gastes die Lebensstationen und Werke Ulrich Müthers. Texte und Fotos dokumentieren die weltweite Verbreitung seiner Bauprojekte und erläutern die außergewöhnlichen Fertigungsverfahren des Hyparschalen-Spezialisten. Zudem sind neun 3D-Modelle von Müthers Bauten zu sehen.

Zur Themenwoche Müther in Binz wird der wohl berühmteste Sohn des Ortes gewürdigt

Neues Bewusstsein geschaffen

Wer im wahrsten Sinne des Wortes „begreifen“ will, wofür Müther berühmt wurde, kann am Kreativkurs „Geht nicht, gibt’s nicht – wie aus Geraden doppelt gekrümmte Flächen werden“ teilnehmen. „Wir setzen hier mit Zahnstochern um, was Müther entwickelt hat: Er war der Hyparschalen-Visionär. Seine Bauten sind – wie der Rettungsturm an der Strandpromenade – nur wenige Zentimeter dick, aber extrem tragfähig. Er ist sozusagen der Vater der modernen hyperbolischen Paraboloide – vom Stadion bis zur Tribünenüberdachung wird damit gearbeitet. Nur heute eben nicht mehr aus Spritzbeton, sondern aus Kunststoff“, so Holger Vonberg.

Eine Jury begutachtet an der Hochschule Wismar die vorgestellten Projektideen zur Neugestaltung des Müther-Platzes: Professor Henning Schellhorn, Prof. Matthias Ludwig und Binz’ Kurdirektor Kai Gardeja (v.l.) Quelle: Kurverwaltung Binz

Dass der international renommierte Architekt bis heute den Respekt seiner Zunft genießt, zeigen die Vorschläge für einen Müther-Informationspunkt in Binz von Studenten der Hochschule Wismar. Einige davon sind am Müther-Platz ausgestellt.

Seit 2005 trägt der kleine Platz an der Strandpromenade unweit des „Ufos“ den Namen des Baumeisters – auf Initiative des Fördervereins „Museum Ostseebad Binz“. Das etwa zehn mal acht Meter große Areal soll aufgewertet werden, wenn auch die Promenade neu gestaltet wird. Dazu wurde vor zwei Jahren ein Projekt mit der Wismarer Hochschule angeschoben, wo seit dem Jahre 2006 das Müther-Archiv betreut wird.

Aus dem studentischen Ideen-Wettbewerb im letzten Jahr ist ein Sieger-Entwurf ausgewählt worden, informiert Kurdirektor Kai Gardeja. Dieser beziehe sich nicht nur auf die Umgestaltung des Müther-Platzes, sondern habe die 14 Müther-Standorte auf der Insel im Blick. „Ausgehend vom Müther-Platz sollen vierzehn Stelen, die der Kubatur des jeweiligen Bauwerkes nachempfunden sind, als bereisbare Route an den einzelnen Orten erbaut werden“, so Gardeja. Ganz im Erbe von Müther sollen die Stelen in Beton und mit digitalen Elementen errichtet werden.

Müther-Infopoint auf dem Klünderberg

In diesem Jahr folgte ein weiterer Wettbewerb. Hierbei ging es darum, die Hyparschale am Kreisverkehr (Bushaltestelle) zu nutzen, um einen Müther-Infopoint auf dem Klünderberg zu realisieren, so Gardeja. Der Sieger-Entwurf ist von Felix Görissen und wurde bereits vom Bund deutscher Innenarchitekten prämiert. Er verfolgt die Idee eines touristischen Zentrums mit Aussichtsplattform und Fahrradleihstation. Die Ausstellungsflächen aus weißem Spritzbeton sollen piktografisch die Gebäude Müthers auf Rügen zeigen. Zusammen mit der „Müther App“ und den „Müther Bikes“ könnten diese Bauten dann hautnah erlebt werden. Mit der App werde jedes Piktogramm gescannt und eine personalisierte Fahrradtour erstellt, heißt es in dem Entwurf.

Ulrich Müther

Ulrich Müther, geboren und gestorben in Binz (1934 –2007), entwickelte nach seiner Ausbildung zum Zimmermann und dem Studium zum konstruktiven Ingenieurbau eine besonders leichte, fast schwebende Bauart: Aus doppelt gekrümmten Geraden wurden hyperbolische Paraboloide, sogenannte Hypar-Schalen, die trotz ihrer Dünnwandigkeit eine enorme Tragkraft hatten. Über 50 Bauwerke setzte Müther weltweit um und wurde zum Exportschlager der DDR. Viele seiner Bauten sind heute aber wegen fehlender Sanierungen nicht mehr erhalten. Auf Rügen zählen der Rettungsturm 1 in Binz, die Ostseeperle in Glowe, das Inselparadies in Baabe und die Schwimmbäder des Cliff- und Rügen-Hotel zu den bekanntesten Müther-Bauten.

Mehr zum Thema:

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https://www.ostsee-zeitung.de/Mecklenburg/Fotostrecken-Mecklenburg/Forscher-gegen-Abrissbagger-Schalen-Bauten-von-Muether-in-Gefahr

https://www.ostsee-zeitung.de/Nachrichten/Kultur/Glaskunst-bringt-neues-Leben-in-Muethers-Ostseeperle

https://www.ostsee-zeitung.de/Mecklenburg/Bad-Doberan/Ulrich-Muether-1934-bis-2007

https://www.ostsee-zeitung.de/Mecklenburg/Rostock/Teepott-in-Warnemuende-wird-historisches-Wahrzeichen

Von Gaia Born und Gerit Herold

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