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Rügen Hafen Mukran: Endlich Anschluss für Fußgänger
Vorpommern Rügen Hafen Mukran: Endlich Anschluss für Fußgänger
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07:06 25.07.2019
Seit dieser Saison fahren die Busse des VVR mehrere Haltestellen im Hafen Mukran an.
Seit dieser Saison fahren die Busse des VVR mehrere Haltestellen im Hafen Mukran an. Quelle: Maik Trettin
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Mukran

Eine Seefahrt mag ganz lustig sein. Doch auch der schönste Törn ist mal zu Ende und es geht wieder an Land. Inge und Wolfgang Heinssen kamen per Schiff von Schweden, als sie im Mukraner Hafen ihre Füße wieder auf festen Boden setzten. Doch an die Ankunft auf der größten deutschen Insel erinnern sie sich nicht allzu gern. „Wir haben wirklich gedacht, dass wir am Ende der Welt sind“, formulieren sie in einem Brief an den Sassnitzer Bürgermeister Frank Kracht ihren ersten Eindruck von Rügen. Nachdem die Fußgänger den Terminal in Mukran verlassen hatten, standen sie mitten im Hafen im Dunkeln. „Keine Beleuchtung und kein Hinweis, wie man aus dem Hafengelände herauskommen kann.“

Kein Taxi in Sicht

Schließlich ist der Hafen so gut wie nie das Ziel eines Fährreisenden. Auch das Hamburger Ehepaar wollte weiter, und zwar nach Sassnitz. Bis zum dortigen Rügen-Hotel sind es nur wenige Kilometer. Aber zu Fuß mit dem Gepäck durch die Dunkelheit? Gegen 22 Uhr waren sie mit der Fähre angekommen. Eine Busverbindung suchten sie vergebens, fanden aber nach einigem Umherirren das Schild einer Taxizentrale. Doch auch dort konnte den Reisenden niemand weiterhelfen – jedenfalls nicht in absehbarer Zeit. „Wir haben dort angerufen“, so Wolfgang Heinssen, „und man sagte uns dann tatsächlich, dass man nicht wüsste, wann ein Taxi dorthin kommen könnte.“

Helfer wurden von Polizisten gestoppt

Trampen? Die Nacht am oder im Terminal auf dem Boden verbringen? Die Urlauber waren schon am Verzweifeln, als andere Passagiere auf sie aufmerksam wurden. Sie hätten offenbar bemerkt, „dass wir dort wie blöd rumstanden“, erzählt Wolfgang Heinssen. Auch diese Reisenden waren als Fußgänger auf der Fähre gewesen. Sie hatten allerdings auf der Hinfahrt ihr Auto auf dem Parkplatz am Abfertigungsgebäude abgestellt. Die Passagiere boten den Hamburgern an, sie zum Rügen-Hotel nach Sassnitz mitzunehmen. Was den Gästen wie Rettung aus letzter Not erschien, muss den Polizisten verdächtig erschienen sein. Die Beamten stoppten den Wagen auf dem Weg nach Sassnitz und kontrollierten die Ausweise aller Insassen. „Vielleicht haben die vermutet, dass es sich um Schlepper handelt“, spekuliert Heinssen – schließlich sei die Ehefrau des freundlichen Autofahrers eine Afrikanerin aus Kenia gewesen.

Fünf Kilometer Fußmarsch zum Schiff?

Sassnitz gibt sich nicht zuletzt wegen seines Hafens gern weltoffen. Doch was nützten die besten Fährverbindungen, wenn man anschließend an Land nicht weiterkomme? „Für die Stadt, in der es zwei ganzjährige Fährverbindungen gibt, ist es wirklich keine Werbung, dass keine Zubringer zu den Ankünften und Abfahrten der Schiffe angeboten werden“, ärgern sich die Heinssens in ihrem Brief. „Es kann doch nicht sein, dass man fünf Kilometer mit Gepäck an der Landstraße laufen muss, um ein Fährschiff zu erreichen!“ Diesbezüglich sei es in der Vergangenheit besser gewesen, als es noch zu jeder Abfahrt und Ankunft eine Busverbindung gab.

Buslinie mit Schwenk in den Hafen

Bürgermeister Frank Kracht kann die Verärgerung verstehen. Wie den Heinssens sei es auch vielen anderen Passagieren gegangen, die als Fußgänger von den Fähren im Mukraner Hafen kamen. Die Situation sei unbefriedigend gewesen. „Den Hafen über den Öffentlichen Personennahverkehr besser an die Stadt anzubinden, war deshalb seit langem unser Ziel.“ Fürs Erste habe man das auch erreicht: Als die Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Rügen zu Beginn der Saison vom Winter- auf den Sommerfahrplan umstellte, wurde die Linie 22 um einen „Schwenk“ in den Hafen erweitert. Und zwar nicht nur, um den Fährpassagieren entgegenzukommen. „Der Bus fährt durch bis zum Fischwerk Euro-Baltic“, sagt Kracht. Denn schließlich gebe es im Hafen nicht nur reisende Urlauber. Dort arbeiten mittlerweile auch wieder viele Insulaner. Auch die sollen ohne Auto zur Arbeit und wieder nach Hause kommen, weshalb es auf dem Areal mehrere Haltestellen und nicht nur die am Fährterminal gebe.

„Seit dieser Saison klappt das eigentlich prima“, bestätigt auch Elisa Bissendorf vom Hafen Mukran. Selbst wer mit der zweiten Schwedenfähre aus Trelleborg gegen 22 Uhr ankommt, hat noch Anschluss an einen Bus. Außerhalb der Saison könnte das schon schwerer zu garantieren sein, vermutet Frank Kracht. „Dann wird eine zweite Fährankunft in der Nacht die Ausnahme sein.“ Dadurch, dass die Reederei sie nicht kontinuierlich anbiete, sei der Bedarf schlecht abzuschätzen. Die Passagiere sollten sich am besten schon an Bord informieren. „Man kann bei Bedarf auch schon vom Schiff aus ein Taxi ordern, das dann bei der Ankunft im Hafen bereitsteht“, weiß Elisa Bissendorf.

Maik Trettin