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Rügen Mission Menschlichkeit: Seemannsclub feiert Geburtstag
Vorpommern Rügen Mission Menschlichkeit: Seemannsclub feiert Geburtstag
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17:49 21.08.2019
Im Seemannsclub in Mukran stehen auf einem Wegweiser neben der Entfernung zu verschiedenen Häfen der Welt auch die ins benachbarte Sassnitz. Quelle: Maik Trettin
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Mukran

Zwei Billardtische stehen in dem riesigen Raum, vor einer Wand steht ein selbst gezimmerter Tresen, um die Ecke hängt eine Dartscheibe, es gibt eine Tischtennisplatte und dazwischen Sofas zum Lümmeln. Es wirkt wie ein Luxus-Jugendklub mit Blick auf die Mukraner Fähranleger. Nur sind es keine Minderjährigen, die sich hier die freie Zeit vertreiben, sondern gestandene Seeleute. Der Seemannsclub im Fährterminal ist das Herz der Sassnitzer Seemannsmission. Die feiert am Freitag ihren 25. Geburtstag.

Peter Leukroth ist selbst jahrzehntelang unter anderem als Bootsmann der Handelsflotte zur See gefahren und arbeitet heute bei der Reederei Stena-Line. In seiner Freizeit kümmert er sich gemeinsam mit anderen Helfern um seine Berufsgenossen aus aller Welt. Rund 40 Männer und Frauen sind als Mitglieder des Seemanns-Vereins registriert; etwa 13 von ihnen ab arbeiten aktiv bei der Betreuung der Seeleute in Mukran mit. Dabei geht es nicht darum, die Besatzungsmitglieder im religiösen Sinne zu missionieren, wie es vielleicht der Name des Vereins Glauben machen könnte. „Ob jemand an diesen oder jenen oder gar keinen Gott glaubt, ist und bleibt Privatsache“, sagt Leukroth.

Ikonen, Gebetsteppich und kleine Buddhas

Dann öffnet er die Tür zu einem hellen Zimmer, dessen Fenster nach Süden zeigt. „Unser Raum der Stille“, sagt er und erzählt von einem Praktikanten, der diesen Rückzugsort für die Seeleute in drei Monaten geschaffen hat. Bibeln liegen hier in verschiedenen Sprachen, Ikonen stehen auf einem Altar für orthodoxe Christen, kleine Buddha-Statuen für die Buddhisten gegenüber und an einer Wand findet sich der Koran nebst Gebetsteppich für die Moslems. So zahlreich wie die Herkunftsländer der Besucher sind auch die Religionen, denen sich die Seeleute zugehörig fühlen.

Weihnachten im Hafen Mukran für ausländische Seeleute - die Feier haben Peter Leukroth und seine Mitstreiter von der Seemannsmission organisiert. Quelle: Peter Leukroth

Warum kommen die Besatzungsmitglieder hierher? Warum erkunden sie die Insel nicht auf eigene Faust, wenn sie hier an Land gehen? Peter Leukroth winkt ab. Früher, sagt er, fuhr man noch zur See, um etwas von der Welt zu sehen. Davon sein nicht mehr viel übrig geblieben. „Zeit ist Geld, vor allem in der Seefahrt.“ Mit einem Schiff lasse sich nur Geld verdienen, wenn es unterwegs sei. Also würden die Liegezeiten in den Häfen auf ein Minimum reduziert, die Ladung – zumeist Container – so schnell es gehe gelöscht. „Manche Frachter legen gar nicht mehr an, sondern werden schon draußen vor der Küste geleichtert“, weiß Leukroth. Die Besatzungen hätten kaum Gelegenheit, an Land zu gehen. „Die sehen oft maximal das Hafengelände – wenn überhaupt.“

Ausflug oftmals nur mit teurem Visum

Denn aufgrund der immer strengeren Sicherheitsbestimmungen dürften sich die Seeleute selbst dort nicht mehr uneingeschränkt bewegen. Viele von ihnen stammen außerdem aus Ländern, von deren Einwohnern beispielsweise die EU-Staaten ein Visum verlangen. Abgesehen vom bürokratischen Aufwand ist das teuer für die ohnehin nicht üppig bezahlten Fahrensleute, die mit ihrem Geld ihre Familien in der Heimat unterstützen. „Da sind die meisten froh, solche Anlaufstellen wie die Seemannsmissionen zu haben.“

Deutsche Schokolade ist Verkaufsschlager

Hier kann man zum Beispiel das kostenlose Internet nutzen und Nachrichten nach Hause schicken. Oder ein Bierchen trinken und einen kleinen Happen essen. Im Regal hinterm Tresen stehen Fertiggerichte aus aller Herren Länder. Sehr beliebt sind die asiatischen Tütennudeln – und die Schokolade. Die deutsche Markenware ist in den Heimatländern vieler Matrosen eine teure Rarität. Mancher packt da gleich 30 Tafeln ein. Aber auch Currygewürze, Zahnpasta oder Nivea-Creme gehen hier über den Ladentisch, wenn sich die Gäste im Club für die nächste große Reise eindecken.

Viel Blues-Rock, wenig Seemannsgarn

Zum Erzählen kommen die Wenigsten hierher. Seemannsgarn hören die Mitarbeiter der Seemannsmission eher selten. Dafür sehr viel Blues-Rock. „Diese Musikrichtung ist bei den Seeleuten der verschiedenen Nationen ziemlich beliebt“, hat Peter Leukroth erfahren. Ab und an sorgen die Matrosen auch selbst für ein paar Klänge. Ein Akkordeon steht im Musikzimmer neben zwei Gitarren und der Karaoke-Anlage. „Wir hatten hier auch schon eine exotische Weihnachtsfeier“, erinnert sich Leukroth lachend. Ghanaer, die auf den Zubringerschiffen zu den Windpark-Baustellen in der Ostsee vor Rügen arbeiten, hatten afrikanische Volkslieder angestimmt.

Von Mukran aus mit der fernen Heimat telefonieren

Nach einem festen Dienstplan arbeiten die ehrenamtlichen Vereinskollegen im Seemannsclub. Geöffnet ist fast täglich in der Zeit zwischen 17 und 22 Uhr. Wenn die Kreuzfahrer anlegen, schließen die Mitarbeiter die Räume auch zwischen 11 und 15 Uhr auf. „Auf den Schiffen stammt der Großteil der Besatzungsmitglieder von den Philippinen. Sie nutzen tagsüber die Gelegenheit, mit ihren Familien zu Hause zu telefonieren.“ Abends ginge das nicht, erinnert Leukroth an die Zeitverschiebung. „Da ist in ihrer Heimat schon tiefe Nacht.“

Abstecher in den Baumarkt

Von Rügen bekommen die Seemänner (weibliche Fahrensleute sind eher die Ausnahme) aus den genannten Gründen nicht allzuviel zu sehen. Wenn doch einmal Zeit sein sollte, bietet die Seemannsmission kleine Ausflüge in die Umgebung an. Peter Leukroth erinnert sich an Asiaten, die sich im zeitigen Frühjahr nicht satt sehen konnten an dem weiß-grünen Annemonenteppichen in Jasmunds Wäldern. Ein beliebtes Ausflugsziel ist aber auch der Baumarkt. Deutsches Werkzeug gilt im Ausland als Qualitätsware, selbst wenn vieles mittlerweile auch im Fernen Osten produziert wird.

Tausende Seeleute betreut

1994 wurde die Sassnitzer Seemannsmission auf Initiative der damaligen Pastorin Thurid Pörksen gegründet. Anfangs traf man sich zum Seemannsstammtisch im Grundtvighaus. Die dort etablierte Begegnungsstätte des Vereins musste 2013 geschlossen werden, weil das Geld fehlte. Mit der Unterstützung des Mukraner Hafens wurde ein neues Domizil im Fährterminal gefunden. Der Seemannsclub ist erst in diesem Jahr in neue Räume gezogen, in denen zuvor der Wiking-Shop zu Hause war.

40 Vereinsmitglieder können das Jubiläum am Freitag feiern. 13 von ihnen kümmert sich aktiv und ehrenamtlich um die Seeleute. Allein in den zurückliegenden drei Jahren wurden 9000 Seemänner durch die Mission in Mukran betreut.

Von Maik Trettin

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