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Rügen Schiffbruch auf Rügen vor Alt Reddevitz: Diese Urlauber wurden zu Helden
Vorpommern Rügen Schiffbruch auf Rügen vor Alt Reddevitz: Diese Urlauber wurden zu Helden
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20:34 26.07.2019
Alexander Baronjan (43, v. l.), Alina Mann (39) und Philipp Kadelbach (45) aus Berlin haben einem Mann das Leben gerettet. Quelle: Mathias Otto
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Alt Reddevitz

„Boot, Boot, Schwiegervater.“ Das waren die ersten Worte eines 34-Jährigen, nachdem er am Donnerstag von Berliner Urlaubern gerettet wurde. Mit letzter Kraft schwamm er auf das Schlauchboot zu. Sein Schwiegervater, ein 63 Jahre alter Mann von der Insel Rügen, hatte es nicht mehr geschafft. Er trieb regungslos im Wasser. Wiederbelebungsmaßnahmen der Ersthelfer und Rettungssanitäter brachten keinen Erfolg. Der Notarzt konnte nur noch den Tod des Mannes feststellen.

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So schnell wandelte sich für die Berliner Alexander Baronjan (43), Alina Mann (39) und Philipp Kadelbach (45) Spaß in Ernst. Sie verbringen derzeit mit Freunden ihren Urlaub in Alt Reddevitz auf Rügen. Mit den Kindern baden gehen, die Sonne genießen und am Lagerfeuer sitzen – so sahen die vergangenen Tage der Freunde aus. „Wir haben am Donnerstagabend unser Schlauchboot startklar gemacht und sind Wasserski und Wakeboard gefahren. Auf einmal pfiff jemand mit der Trillerpfeife“, sagt Alexander Baronjan.

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In wenigen Minuten am Unglücksort

Spaziergänger haben von Land aus gesehen, wie ein Boot in der Hagenschen Wiek gekentert ist. Später stellt sich heraus, dass es sich dabei um einen 63 Jahre alten Rüganer und seinen Schwiegersohn (34) handelt. Nachdem der Motor ausgefallen war, füllt sich laut Polizei das knapp vier Meter lange Kunststoffboot mit Wasser und sank. Beide Männer sprangen ins Wasser und versuchten an Land zu schwimmen.

Die Spaziergänger liefen zum benachbarten Café Moccavino. Die Besitzer des Gastronomiebetriebes sahen, dass die Nachbarn mit dem Schlauchboot unterwegs waren. Mit Rufen, Winken und der Pfeife machten sie auf sich aufmerksam. „Wir haben dem Freund auf den Skiern gesagt, er soll loslassen und sind an Land gefahren, um zu erfahren, was los ist. Als wir von der Notlage erfahren haben, sind wir unverzüglich losgefahren“, sagt der 43-Jährige. Der Wasserski-Fahrer wurde derweil von einem anderen Freund mit einem Surfbrett abgeholt und an Land gebracht.

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Mit dem 60 PS starken Motor konnten die Freunde die vermutete Unglücksstelle schnell ausfindig machen. „Wir haben das Wasser abgesucht. Es dauerte keine zwei bis drei Minuten, bis wir den ersten Mann im Wasser entdeckten“, berichtet Philipp Kadelbach. Wie die drei Urlauber schilderten, habe sich der 34-Jährige nur noch knapp über Wasser halten können. „Es schien, als sei er am Ende seiner Kräfte gewesen. Wir haben ihn ins Schlauchboot gezogen“, so Alexander Baronjan. Dann habe er auf eine Boje gezeigt. Die Stelle, an der er seinen Schwiegervater zuletzt gesehen hatte.

Schweigeminute für verstorbenen Mann

„Wir sind intuitiv in diese Richtung gefahren, wo wir ihn vermutet haben. Sehen konnte man eine schwimmende Person zu diesem Zeitpunkt nicht. Bei langsamer Fahrt hat Alina dann den vermissten Mann entdeckt. Er war bewusstlos und trieb kurz unter der Wasseroberfläche“, sagt Alexander Baronjan. An Bord des Schlauchbootes begannen sie, den Mann zu reanimieren. Die Freunde im Ferienhaus alarmierten zeitgleich den Notarzt. „Es ist ein unangenehmes Gefühl, eine leblose Person aus dem Wasser zu ziehen. Aber in dem Moment denkt man nicht darüber nach, blendet alles aus und ist auf die Erste Hilfe konzentriert“, sagt Alexander Baronjan.

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An Land war ihre Arbeit als Ersthelfer beendet, als Rettungssanitäter mit der Wiederbelebung fortsetzten. „Erst am Abend ist uns bewusst geworden, was wir an diesem Tag erlebt haben. Wir sind Wassersportler und haben deshalb oft Szenarien wie ,Mann über Bord’ durchgespielt. Dieses Training kam uns heute zugute. Leider war die Rettungsaktion nur für eine Person erfolgreich“, sagt Alexander Baronjan. Am Lagerfeuer haben die Freunde eine Schweigeminute für den verstorbenen Mann eingelegt.

Das gekenterte Boot soll in den nächsten Tagen geborgen werden, teilt Robert Stahlberg, Sprecher des Landeswasserschutzpolizeiamtes MV, mit. „Es handelt sich dabei um ein sogenanntes GFK-Boot, das also aus glasfaserverstärktem Kunststoff besteht. Es liegt in einer Tiefe von drei bis vier Metern“, sagt er. Die Kriminalpolizei hat mit den Ermittlungen begonnen. Neue Erkenntnisse soll es Anfang kommender Woche geben. Dann werde auch der Bergungseinsatz beginnen.

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Mathias Otto

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