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Rügen Nationalparkamt soll nach Sassnitz ziehen
Vorpommern Rügen Nationalparkamt soll nach Sassnitz ziehen
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00:00 29.06.2016
Wichtigstes Argument für den Umzug: Wir müssen näher ran an den Menschen.“Dr. Ingolf Stodian, Dezernent Nationalpark Jasmund
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Sassnitz

Daran hat kaum noch jemand geglaubt: Die Wächter in Deutschlands kleinstem Nationalpark auf Rügen können sich nun doch auf das Packen von Umzugskartons einstellen. Das Nationalparkamt Jasmund soll vom Königsstuhl nach Sassnitz umziehen, die ehemalige Förderschule an der Stubbenkammerstraße in der Hafenstadt der neue Amtssitz werden. Das kündigte Till Backhaus, Umweltminister von MV, anlässlich der Geburtstagsfeier zum 5. Jubiläum des Unesco-Welterbes der Alten Buchenwälder am Königsstuhl an. Den voraussichtlichen Umzugstermin datierte der Minister ins Jahr 2018.

Die ehemalige Förderschule an der Stubbenkammer- straße soll neuer Amtssitz werden / Umzug für 2018 vorgesehen

„Mit großer Freude nehme ich zur Kenntnis, dass die Kommune Sassnitz und das Finanzministerium wichtige Voraussetzungen für die von mir mit Hochdruck angestrebte Unterbringung des Nationalparkamtes Standort Sassnitz geschaffen haben“, sagte Backhaus. Die Stadt habe sich bereit erklärt, dem Land das denkmalgeschützte Gebäude mit der Hausnummer 1 an der Stubbenkammerstraße für diese Zwecke zur Verfügung zu stellen. Die Immobilie im Eigentum der Kommune, die zuletzt als Schule fungierte, aber schon seit Jahren leer steht, soll saniert werden und das Nationalparkamt danach als Mieter einziehen, zeigt Eva Klaußner-Ziebarth, Sprecherin des Ministeriums, den Weg auf, der jetzt beschritten werden soll.

„Es hat lange gedauert. Es geht endlich los. Und das ist das Allerwichtigste“, kommentiert Dr. Ingolf Stodian, Dezernatsleiter für den Nationalpark Jasmund die Ankündigung des Ministers. Ingolf Stodian erinnert, dass seit Jahren Umzugspläne für das Nationalparkamt geschmiedet werden. Ein neues Domizil hält er auch für notwendig, denn zurzeit müssen die 18 Mitarbeiter des Nationalparkamtes unter seiner Führung zum Beispiel den Kopf einziehen, wenn sie die Diensträume im Kellergeschoss ihres aktuellen Amtssitzes aufsuchen. Denn die Durchgangshöhe beträgt nur 1,65 Meter. Die Verwaltung des Nationalparks Jasmund hat ihren Arbeitsplatz mitten in den alten Buchenwäldern, in einem alten Gebäude, das sich unterhalb des Nationalpark-Zentrums befindet und nur einen Steinwurf vom Königsstuhl entfernt liegt. „Hat zwar Charme, ist aber schon mehr als 100 Jahre alt“, beschreibt der Nationalpark-Dezernent die Zustände im aktuellen Amtssitz: „Der ist nicht barrierefrei, die Ausstattung nicht zeitgemäß. Es herrscht Platzmangel und enormer Sanierungsbedarf.“ Das wundert Ingolf Stodian nicht. Schließlich sei das Gebäude, das heute dem Land gehört, mal als Wohnhaus für Leuchtturmwärter erbaut worden, sagt er und betont: „Wichtigstes Argument für den Umzug ist aber ein anderes: Wir müssen näher ran an den Menschen.“ Damit seien nicht die Insel-Gäste gemeint, die es in das Nationalpark-Zentrum ziehe. „Sondern die Einheimischen. Für die sitzen wir hier, mitten im Nationalpark, zu weit ab vom Schuss.“

Das findet auch Frank Kracht. „Herzlich willkommen der Landesbehörde in Sassnitz“, sagt der Bürgermeister und breitet symbolisch schon mal die Arme zum Empfang aus. „Seit 2011 wird geredet, geplant und durch das Finanzministerium wieder verworfen“, erinnert er, dass vom Land bereits vor fünf Jahren das Gebäude der ehemaligen Förderschule als möglicher Sitz für das Nationalparkamt ins Visier genommen wurde. Doch was vom Umweltminister eigenen Angaben zufolge „mit Hochdruck angestrebt“, führte bislang bei Untersuchungen des Finanzministeriums immer zu einem Ergebnis: Das ehemalige Schulgebäude ist für den avisierten Zweck doch eine Nummer zu groß oder zu teuer (die OZ berichtet). An der Stadt habe es nicht gelegen, dass die Umzugspläne bisher nicht umgesetzt wurden, so Kracht.

„Ich gehe davon aus, dass die Befindlichkeiten zwischen Umwelt- und Finanzministerium jetzt ausgeräumt sind“, schlussfolgert der Rathauschef nach der Ministerankündigung.

„Die Unternehmensgruppe Sassnitz wird den Hut für die Sanierung des Schulgebäudes aufbekommen“, sagt Frank Kracht. Zur Gruppe dieser kommunalen Unternehmen, die die Immobilie künftig auch vermieten wird gehören die Hafenbetriebs- und Entwicklungsgesellschaft (HBEG), der Städtischen Wohnungsgesellschaft mbH (WoGeSa) und der Wärmeversorgung Rügen GmbH (WVR). Der Entwurf für einen Mietvertrag werde derzeit vom Betrieb für Bau- und Liegenschaften MV und der Stadt Sassnitz erarbeitet, kündigt Eva Klaußner-Ziebarth an. Wann mit den Sanierungsarbeiten begonnen wird, lässt die Sprecherin des Ministeriums offen: „Das ist erst nach Prüfung und haushaltsrechtlicher Zustimmung möglich.“

Ranger im ehemaligen Wohnhaus der Nebelsignalstation

18 Mitarbeiter sind beim Nationalparkamt Jasmund aktuell beschäftigt. Davon arbeiten sechs Angestellte in der Verwaltung und 12 Ranger im Gelände. Letztere übernehmen zum Bespiel die Führungen bei Wanderungen durch den Nationalpark, sind in dem unterwegs, um Wege und Besucherleiteinrichtungen instand zu setzen. Laut Personalentwicklungskonzept wird sich die Mitarbeiterzahl in den nächsten Jahren auf 12 Beschäftigte reduzieren.

1903 ordnete der Minister der öffentlichen Arbeiten per Erlass die Errichtung einer Nebelsignalstation bei Stubbenkammer und in dem Zusammenhang den Bau eines Wohnhauses für zwei Wärter, eines Stalls und Maschinenhauses an. Dieses Wohnhaus in unmittelbarer Nähe des Königsstuhls ist seit Gründung der Nationalparkämter am 1. Januar 1996 das Domizil für die Amtsverwaltung des Nationalparks Jasmund.

116 Jahre Schulgeschichte wurden in Sassnitz an der Stubbenkammerstraße 1 geschrieben. 1892 wurde dort der erste Schulneubau mit zwei Klassenräumen errichtet. 1900 erfolgte ein Anbau. 1959 wurde es eine Polytechnische Oberschule, 1974 eine Sonderschule eingerichtet. 2008 endete die Schul-Ära mit dem Umzug der Allgemeinen Förderschule in die Mukraner Straße. Jetzt soll das Schulgebäude Sitz des Nationalparkamtes werden.

Udo Burwitz

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