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Rügen Nationalparkamt verlässt die Stubnitz
Vorpommern Rügen Nationalparkamt verlässt die Stubnitz
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00:00 27.02.2018
In voller Rüstung: Das denkmalgeschützte, mehr als 100 Jahre alte Schulhaus wird zum Sitz der Nationalparkverwaltung umgebaut. Quelle: Foto: Maik Trettin
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Sassnitz

Zehn Jahre lang stand eines der prächtigsten Sassnitzer Gebäude leer. Nun soll in die ehemalige Schule an der Stubbenkammerstraße wieder Leben einziehen. Das Land hat das Haus langfristig von der kommunalen Wärmeversorgung Rügen gemietet – für die Jasmunder Verwaltung des Nationalparkamtes. Die wird dort ab Ende des Jahres zu finden sein.

Die Verwaltung des Nationalparks Jasmund zieht aus dem Wald in die Schule an der Stubbenkammer- straße.

Geplant ist das schon lange. Nachdem 2008 die damalige Förderschule in das Gebäude an der Mukraner Straße umgezogen war, hatte der Kreis als Schulträger keine Verwendung mehr für den historischen Bau und gab ihn an den Eigentümer, die Stadt, zurück. Dort wusste man anfangs gar nicht, was man mit dem großen Gebäude anfangen sollte. Es sollte eine öffentliche Einrichtung bleiben und nicht privatisiert werden. Verwaltung und Politik hatten verschiedene Ideen, darunter die, es dem Nationalparkamt oder dem -zentrum für eine Ausstellung oder als Verwaltungsgebäude zur Verfügung zu stellen. Auch die Eröffnung einer Touristeninformation im Erdgeschoss war mal im Gespräch.

„Wir waren schon mal ziemlich weit“, sagt Siegfried Adelsberger mit einem Anflug von Ironie. Er ist der Geschäftsführer der kommunalen Unternehmensgruppe Sassnitz, zu der neben der Wohnungsgesellschaft WoGeSa auch die Hafenbetriebs- und Entwicklungsgesellschaft (HBEG) und eben die Wärmeversorgung Rügen gehören. Letztere hatte das Gebäude von der Stadt erworben – zum beiderseitigen Nutzen, wie Adelsberger sagt: Die Kommune war um eine Last ärmer und um die Erlössummer reicher, die Wärmeversorgung habe mit der Immobilie ihre Kreditwürdigkeit verbessern können.

Ganz so einfach wurde die Umsetzung dann aber doch nicht. Das Nationalparkzentrum konnte kein Personal für eine weitere Ausstellung an der Stubbenkammerstraße stellen und der wichtigste Mietinteressent begann zu zögern. „Wir hatten schon 2012 alle Pläne nach den Wünschen der Landesbehörde fertiggestellt“, sagt Adelsberger. Dass es weitere vier Jahre dauern sollte, bis mit der Umsetzung begonnen wurde, schiebt er nicht zuletzt auf das Schweriner Finanzministerium. Das grätschte plötzlich dazwischen und bestand darauf, Alternativen zu prüfen. Letztendlich scheinen auch die nicht günstiger gewesen zu sein als die ehemalige Förderschule an der Stubbenkammerstraße.

1,3 Millionen Euro wird die Sanierung kosten, mit der im neuen Jahr begonnen wurde. Es ist ein aufwändiges Vorhaben, sagt Adelsberger: „Die Schwierigkeit ist, ein denkmalgeschütztes Gebäude nach historischem Vorbild wieder herzustellen und gleichzeitig den bau- und sicherheitstechnischen Vorschriften, die es heutzutage für ein öffentliches Gebäude gibt, gerecht zu werden.“

Äußerlich wird das Haus sich so wie zur Entstehungszeit präsentieren: Die Fenster sollen wieder sechs- statt wie bisher vierflügelig sein und ihr Holz wird – wie historisch überliefert – außen rotbraun gestrichen. Innen bleiben die Rahmen weiß. Die Fassade bekommt einen leicht hellgrauen Anstrich. Erhalten werden auch die aufwändig gearbeiteten Eingangstüren. Inwieweit alte Innentüren wiederverwendet werden können, müsse im Einzelfall mit den strengen Brandschutzauflagen abgeglichen werden, sagt Siegfried Adelsberger.

Durch den langen Leerstand ist das ohnehin stellenweise marode Gebäude weiter verfallen. „Viele Schäden waren auf den ersten Blick gar nicht zu erkennen“, sagt der WVR-Geschäftsführer. Unter den Verkleidungen der Balken im Dachgeschoss hatte sich der Schwamm eingenistet. Dort mussten Holzelemente ausgetauscht werden. Auch der Putz hat kräftig gelitten. „Den werden wir an vielen Stellen erneuern müssen“, weiß Adelsberger spätestens seit der letzten Bestandsaufnahme. Das Dach wurde bereits neu eingedeckt, das Treppenhaus jetzt durch ein neues Oberlicht erhellt und die Fertigung der Fenster läuft ebenso wie die Ausschreibung für weitere Gewerke zur Sanierung des einstigen Schulhauses. Von der Arbeit der Handwerker hängt ab, wann die Jasmunder Nationalparkverwaltung aus ihrem jetzigen Domizil in der Stubnitz nahe des Königsstuhls an den Stadtrand zieht.

Der Dezernent und Leiter des Jasmunder Amtes, Dr. Ingolf Stodian, freut sich schon auf den neuen Dienstsitz – wie wohl fast alle Mitarbeiter. Die gesamte untere Etage wird der Öffentlichkeitsarbeit dienen. Hier wird ein Ausstellungsraum eingerichtet, ein Archiv, Toiletten und Platz für die Kollegen aus dem Bereich der Umweltbildung. Die Büros, Beratungsräume und Plätze für die Praktikanten sind in der ersten Etage geplant.

Stodian hofft auf viele Besucher am neuen Standort. Das sei ja – neben der Verbesserung der Raumsituation – der Sinn des Umzugs. „Wir sind dann da, wo wir hingehören – bei den Menschen.“ Das Nationalparkamt könne dann noch bürgernäher agieren und mit Einwohnern und Besuchern leichter ins Gespräch kommen. Bisher müssen die sich auf den Weg zum Königsstuhl machen. Der entfällt dann auch für die betreffenden Verwaltungsmitarbeiter, „was noch einmal weiteren Verkehr aus dem sensiblen Bereich des Nationalparks zieht“, so Stodian. Platz für die Parkwächter, die so genannten Ranger, ist in dem Haus an der Stubbenkammerstraße nicht vorgesehen. Sie bleiben in dem vorerst unsanierten Altbau in der Stubnitz.

POS und Sonderschule

1892 entstand zunächst der südliche Teil des Schulgebäudes mit zwei Klassenräumen und zwei Lehrerwohnungen. Acht Jahre später wird er um einen Anbau erweitert.

In den 30 Jahren wird die Einrichtung zur Gemeindeschule mit insgesamt 21 Klassen und 739 Schülern. Dazu zählt auch die Waldschule, drei Baracken, die 1929/30 am Rande der Stubnitz errichtet werden.

1959 wird das Haus zur Polytechnischen Oberschule. Als diese 1974 in den Neubau an der Bergstraße zieht, verlegt man die Sonderschule von den Baracken in das Haupthaus an der Stubbenkammerstraße.

Maik Trettin

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