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Rügen Hiddensee wurde für Palucca zum Ort der Ruhe
Vorpommern Rügen Hiddensee wurde für Palucca zum Ort der Ruhe
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17:09 07.08.2019
Tanzpädagogin Gret Palucca (1902-1993) steht vor ihrem Sommerhaus in Vitte auf Hiddensee (Foto von 1985). Quelle: Ilse Ebel/Archiv der Palucca Schule
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Hiddensee

„Die Insulaner mögen Palucca, weil sie zurückhaltend und bescheiden auftritt. Und Palucca mag die Insel, weil man sie hier in Ruhe lässt. Das haben in der Geschichte der Insel viele Prominente genossen, die hier ihre Feriendomizile errichteten, wie Gerhart Hauptmann, Henny Porten, Asta Nielsen, Walter Felsenstein oder Inge Keller. Doch auch die vielen, die nur zu Besuch kamen, haben sich meist sofort in das Eiland verliebt.“ – Wenn der Autor Ralf Stabel in seinem neuen Buch „Palucca – ihr Leben, ihr Tanz“ bei diesen Zeilen ankommt, hat er ihre halbe Lebensgeschichte bereits erzählt. 1960 erwarb die Tänzerin und Tanzlehrerin nämlich ein 15 000 Quadratmeter großes Grundstück in der Gemeinde Vitte, das sie vom Geld des ihr gerade verliehenen Nationalpreises der DDR bezahlte.

Viele Fragen gestellt

Dr. Ralf Stabel ist studierter Theaterwissenschaftler und Choreograf. Und an der „Palucca Schule Dresden“ lehrte er als Tanzwissenschaftler, war Tanzkritiker und ist Professor für Tanzdramaturgie und Tanzgeschichte. Ein Spezialist also, der sich der 1902 geborenen Margarethe Paluka nicht nur über ihre Vita nähert, sondern sie ganz explizit über ihre Leidenschaft zum Tanz analysiert. Das gelingt Stabel prinzipiell. Vor allem auch, weil er er sich einer einfachen Sprache bedient, die nicht gleich von vornherein all jene ausschließt, die mit Tanz weniger am Hut haben. Allerdings stellt der Autor zu viele Fragen. Als dosiert eingesetztes Stilmittel ist es sicher machbar, beim Leser die Aufmerksamkeit zu erhöhen, wenn plötzlich eine Frage in den Raum gestellt wird. Dieser erwartet im selben Augenblick aber, eine Antwort zu erhalten, die Stabel aber meist schuldig bleibt. In solchen Momenten macht er deutlich, dass ihm für das ein oder andere Ereignis einfach Informationen fehlen.

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Außerordentlich unterhaltsam

Fragen stellt Stabel aber auch, wenn er für sich selbst sinniert. Was mag der oder die wohl in diesem oder jenem Moment gedacht haben? Und war der Grund für ein bestimmtes Verhalten wirklich der von der entsprechenden Person geäußerte? – Während der Leser anfangs den Fragen mit Interesse folgt, werden sie mit der Zeit der Lektüre zu Floskeln.

Historische Aufnahmen der Künstlerin und Impressionen von den Palucca-Wochen

Es wäre aber eine falsche Fährte, an dieser Marotte des Autors die Qualität des Textes festzumachen. Dieser ist nämlich in seiner Gesamtheit außerordentlich unterhaltsam. Ralf Stabel hat nicht nur alle Phasen im Leben Paluccas so faktenreich wie möglich beleuchtet, sondern vor allem ihre Entwicklung von einer einzigartigen Tänzerin zu einer prägenden Tanzlehrerin und Tanzschulbegründerin dargestellt. Besonders interessant ist dabei, wie sie sich mit den wechselnden politischen Verhältnissen in Deutschland arrangierte oder ganz eigene Wege fand, um sich als Künstlerin zu verwirklichen.

Palucca-Woche auf Hiddensee

Paluccas Zeit auf Hiddensee, wo sie 1993 auch begraben wurde, nimmt einen bedeutenden Teil von Stabels Buch ein. Es deshalb Hiddensee-Fans zu empfehlen, die mit Tanz bisher wenig in Berührung gekommen sind, klingt im ersten Moment trotzdem weit hergeholt. Ist es aber gar nicht. Dafür steht, dass Stabel es dem Leser so leicht macht, einfach mal etwas auszuprobieren. Am Ende bleibt die Erkenntnis, eine außergewöhnliche Frau kennengelernt und kurzweilige Lesestunden erfahren zu haben.

Vor knapp einem Monat ging auf Hiddensee die traditionelle Palucca-Woche mit Tänzerinnen der Dresdener Palucca-Hochschule zu Ende. Dabei werden jedes Jahr Themen gesetzt. Diesmal mussten die Mädchen das Motiv „Siehst du mich?“ tänzerisch umsetzen und wurden dabei angeleitet von der amerikanischen Professorin Jenny Coogan. In dieser Tanzwoche wurden den internationalen Studentinnen auch der Dokumentarfilm „Palucca – Ich will nicht hübsch und niedlich tanzen“ von Ralf Stabel und Konrad Hirsch gezeigt. Der Autor stellte zugleich seine Palucca-Biografie über die Begründerin des Neuen Künstlerischen Tanzes vor.

Von Jens-Uwe Berndt

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07.08.2019
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