Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rügen Binzer Schilderwildwuchs soll verschwinden
Vorpommern Rügen Binzer Schilderwildwuchs soll verschwinden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:40 30.01.2019
Die Binzer Bauamtsleiterin Romy Guruz (r.) hatte am Montag zum offenen Dialog eingeladen. Quelle: Gerit Herold
Binz

Müssen die Schriftzüge von Hotels und die Beleuchtung von den Häuserwänden sowie alle Fahnen und Flaggen im Ort verschwinden? Welche und wie viele Werbeschilder darf ich noch aufstellen oder aufhängen? Was ist genehmigungspflichtig, was illegal, was noch erlaubt? Die neue Werbeanlagen-Satzung sorgt seit Tagen für reichlich Diskussionsstoff in Binz. Die Unsicherheit ist groß. Die Aufregung auch. Dementsprechend üppig war der Andrang bei der Informationsveranstaltung am Montag im Haus des Gastes. Bauamtsleiterin Romy Guruz hatte zum offenen Dialog eingeladen, zu dem rund 100 Einwohner, Vermieter, Gastronomen und Gewerbetreibende gekommen waren. Drei  Stunden lang diskutierten sie über den ersten Entwurf der Satzung. Dieser liegt derzeit und nun verlängert bis zum 11. Februar in der Gemeindeverwaltung für die Öffentlichkeit aus.

Gegen den Entwurf hatte sich im Vorfeld der Versammlung schon eine breite Front gebildet. Letzten Mittwoch trafen sich rund 60 Binzer im Hotel „Rugard“, um einen Sammelwiderspruch gegen den „unverhältnismäßigen Vorstoß aus dem Binzer Bauamt“ einzulegen und sich gegen „die drastischen Einschränkungen und Verbote zu wehren“.

Es gehe weder um Verbote noch um eine Bevormundung, stellte Romy Guruz klar. Die Satzung sei als Angebot zu verstehen. Sie sei ein Steuerungselement für die Ortsentwicklung und könne viele Probleme im Ort korrigieren. Werbung dürfe den von der Bäderarchitektur geprägten Ort nicht erschlagen. Ziel sei eine stilvolle, dezente und den Ortsteilen angepasste Werbung sowie eine Wettbewerbsgleichheit. Soll heißen: einladend statt aufdringlich abstoßend. Qualität statt Quantität. Die nötige Satzung dafür soll von allen mitgetragen und umgesetzt werden. Die Zeitschiene dafür müsse ebenso gemeinsam erarbeitet werden.

Es habe viele Beschwerden über zu große und zu viele Aufsteller, Plakate und Schilder gegeben, so am Binzer Ortseingang aus Richtung Prora, in der Hauptstraße, in der Jasmunder Straße und in Prora. Zudem gebe es stellenweise mit Werbung so zugeklebte und mit Warenständern zugestellte Schaufenster, dass man den Laden dahinter nicht mehr erkenne. Und: „Es gibt jede Menge ungenehmigten Wildwuchs“, so Guruz. Die bisherige Werbeanlagen-Satzung berücksichtige bestimmte Bereiche bisher gar nicht, die neue soll nicht nur für die Ortslage Binz, sondern auch für den sich rasant entwickelnden Erholungsort Prora und den Bereich rund um das Jagdschloss Granitz in Kraft treten. In Prora gebe es zudem – auch durch den Denkmalschutz – Werbe-Varianten, die es vorher noch nicht gab und die es einzuordnen gilt.

Auch die L29 (Bahnhofstraße, Jasmunder Straße und Proraer Chaussee) war bisher nicht im Geltungsbereich. Dort würden die großen Anbieter wie Einkaufsmärkte mit großen Anlagen werben. Ob es dort auch Einschränkungen geben werde, wollte Dörte Pietsch wissen. „Was genehmigt ist, bleibt genehmigt, was nicht, kommt weg“, erklärte Romy Guruz und beantwortete damit auch die Frage von Oliver Waechter, was mit bestehenden Anlagen wird, die nicht rechtens sind.

120 Plakate an Laternen mit Werbung für Firmen, die gar nicht im Ort präsent sind, habe er gezählt, kritisierte Willi Baland. Dies habe bisher die Gemeinde so genehmigt und betrieben, aber werde sich nun ändern, kündigte die Bauamtsleiterin an.

Größter Knackpunkt sind die Werbeaufsteller vor den Gebäuden, die sogenannten Kundenstopper. Diese sollen laut Entwurf verschwinden. Ebenso werbeträchtige Fahrräder, Fahrradständer oder Fahrzeuge oder auch überdimensionierte Beleuchtungen. „In manchen Straßen haben wir klein Las Vegas“, so Guruz. Nicht erwünscht sein sollen grelles, blinkendes und bewegliches Licht und dauerhafte Lichterketten. Unzulässig sind weiterhin Beschriftungen auf Markisen und Sonnenschirmen beispielsweise mit Brauereiwerbung. Dies sei schon in der bestehenden Satzung so verankert, so die Bauamtsleiterin. Das betreffe ebenso das Verbot von Kletterschriften an Hauswänden und sowie Fahnen und Bannern mit werblichen Charakter. Eine temporäre Beflaggung zu besonderen Ereignissen sei 14 Tage möglich. Dafür müsse kein Antrag gestellt werden, sondern die Gemeinde informiert werden. Auf ihrer Internetseite wird es dazu ein Formular geben.

Während einige Anwesende am liebsten alles so lassen wollten, wie es ist, gab es auch andere Stimmen. „Was die letzten 29 Jahre im Ort passiert ist, ist nicht so schön“, meinte Sebastian Läufer. Man soll sich an anderen Orten ein Beispiel nehmen, so auf Mönchgut. Dem pflichtete auch Sebastian Heinisch bei. „Es ist so möhlig hier. Göhren, Baabe und Sellin reiten vorweg und sollten Vorbild sein.“ Als gute Idee wurde der Hinweis aufgenommen, ein neues Leitsystem zu entwickeln. Auf Sammelschildern sollen dann neben Vermietern und Geschäften auch Apotheken oder Ärzte stehen.

„Es ist ja nicht so, dass nichts mehr gemacht werden kann, es wird nur reguliert. Das ist nötig geworden. Wir haben Chaos im Ort“, meinte Unternehmer Ulf Dohrmann. Es gehe darum, den Wohlfühlgedanken im Ort in den Vordergrund zu stellen. „Ich finde es großartig, dass das Bauamt sich dieser Debatte stellt.“

Gerit Herold

Die 53-Jährige arbeitet in einem Binzer Hotel

30.01.2019

Bergen bereitet sich auf das nächste Straßenbauprojekt vor. Im Sommer sollen die Arbeiten in der Breitscheidstraße beginnen.

29.01.2019

Als zum Jahresende 1978 der Schnee fiel, war Hans-Peter Woywod oft auf Skiern unterwegs.

29.01.2019