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Rügen Neues Buch „Rügener Sammelsurium“: Geschichte und Geschichten von der Insel
Vorpommern Rügen Neues Buch „Rügener Sammelsurium“: Geschichte und Geschichten von der Insel
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11:09 07.07.2019
1909 nach Frankreich verschickte Karte aus dem Herrenbad Sellin
1909 nach Frankreich verschickte Karte aus dem Herrenbad Sellin Quelle: Sammlung Dieter Naumann
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Rügen

 Hindenburg auf Rügen, Als Radfahrer Rügen eroberten, Der Kindesmord zu Rappin. Die Kapitel des Buches von Dieter Naumann verbindet streng genommen nur eines – Deutschlands größte Insel. Der frühere polizeiliche Fallanalytiker hat sein bei edition Pommern erschienenes Buch selbst treffend „Rügener Sammelsurium“ genannt. Es ist Teil 1, Fortsetzung soll also folgen, in diesem Band sind es schon knapp 50 Geschichten und sie sind reichlich insbesondere mit vielen historischen Postkarten illustriert. Was darauf mitgeteilt wurde, erfährt der Leser ebenfalls. Naumann kann ferner auf eine umfangreiche Sammlung historischer Dokumente und Bücher zurückgreifen. Auf weit über 200 Seiten sollte letztlich jeder Rügeninteressierte in dem Band auf seine Kosten kommen.

Dafür zwei Beispiele: In dem Kapitel: Eintauchung in tropfbare Flüssigkeit, wie der „Brockhaus“ 1882 das Baden definierte, heißt es über die Zeit um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert unter anderem: „Manch einer der ,Bade’gäste ging nicht ein einziges Mal ins Wasser, sondern suchte den Badeort nur zur Unterhaltung und wegen Unpässlichkeiten auf. Man verbrachte endlose Stunden auf den sonnengeschützten Balkonen, flanierte auf den Strandpromenaden (natürlich mit Sonnenschirmen und standesgemäßer Bekleidung), traf sich in Strandcafés, besuchte Gesellschafts- und Tanzabende (Rheunions), vergnügte sich in Spielcasinos oder bei Ausflügen.“ Gemeinschaftliches Baden von Frauen und Männern war verpönt. „Wege die entlang des Damenbades führten, waren für Männer ,selbstverständlich’ verboten. In Göhren galt: ,Herren dürfen, solange die Flaggen auf den Badeanstalten aufgezogen sind, das Damenbad und den begrenzenden Strand nicht betreten.’“

Aus Anlass des Fontane-Jahres noch ein zweites Beispiel. Der Schriftsteller benennt in seinem Roman „Effi Briest“ das Sassnitzer Hotel „Zum Fahr(e)nberg“ nach dem Erfinder der gleichnamigen Temperatureinheit „Fahrenheit“. Naumann merkt das an und teilt dann viel Interessantes zur Geschichte dieses Hauses mit. „1884 logierte Theodor Fontane im Haus, zuvor (Juni bis August 1876) hatte Johannes Brahms dort gespeist und teilweise auch konzertiert, gewohnt hatte er allerdings dort nicht, sondern für fünfeinhalb Taler die Woche bei Zimmermeister Wagner.“ 1889 wird in einem Reiseführer für die Pension im Haus geworben: „Dieselbe besteht aus Logis und Licht und vollständiger Beköstigung, d. h. Morgens 1 Port. Caffee oder Thee mit Gebäck und Butter, zum Frühstück belegte Butterbrode, Mittags Table table d'hôte (gemeinsame Speisetafel), eine Tasse Caffee und abends eine beliebige Portion nach der Speisekarte.“ Das kostete pro Woche ab 50 Mark für eine Person in einem Zimmer auf der Seeseite.

Das ursprüngliche Haus steht nicht mehr. An seiner Stelle wurde 1935/36 die „Reichschulungsburg ,Saßnitz’ der Deutschen Arbeitsfront“ errichtet, die später bis zum Abriss 1996 der Krankenversorgung diente.

Dieter Naumann: Rügener Sammelsurium. Geschichte & Geschichten von Deutschlands größter Insel. ISBN 978-3-939680-52-9, 22,90 Euro

Die 1913 verschickte Karte zeigt das Hotel „Fahrenheit“ Quelle: Sammlung Dieter Naumann

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