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Rügen Neues Video-Reisecenter der Bahn in Binz: Tickets kaufen per Video
Vorpommern Rügen Neues Video-Reisecenter der Bahn in Binz: Tickets kaufen per Video
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13:22 07.06.2019
Annegret Buser aus der Schweiz hielt nach zwanzig Minuten einen Gutschein in Händen. Quelle: Uwe Driest
Binz

„Aber es funktioniert“, sagt Annegret Buser. Die Schweizerin ist mit einer Freundin zu Gast im Ostseebad und möchte nun den Rücktransport des Gepäcks am kommenden Freitag regeln. Dafür nutzt sie das Video-Reisezentrum, das die Deutsche Bahn am landesweit zweiten Standort nach Demmin auch in Binz installierte. „Angenehm fand ich, dass ich nicht wie beim reinen Fahrscheinautomaten wissen musste, welche Knöpfe ich drücken muss.” Aber die Nummer des ausgedruckten Gutscheins musste sie der Frau auf dem Bildschirm schon vorlesen, bevor sie das Reisezentrum nach gut zwanzig Minuten verlassen konnte. Offenbar verfügt die dafür vorgesehene Kamera nicht die über die nötige Auflösung.

In einem Video-Reisecenter melden sich die Kunden über eine Ruftaste beim Reiseberater in der Video-Zentrale. Dieser schaltet sich auf den Bildschirm im Video-Reisezentrum auf. Der DB-Mitarbeiter berät per Video-Chat zu Reiseverbindungen, Preisen und Angeboten. Der Kunde verfolgt die Arbeitsschritte des Reiseberaters auf einem zweiten Bildschirm, gezahlt wird bar, mit Karte.

Fahrgäste reagieren gereizt

Nicht alle Fahrgäste begegnen der neuen Technik indes mit schweizerischer Gelassenheit. „Wir haben täglich irritierte Nachfragen“, sagt Claudia Bärwald vom Bahnhofshop. Sie und ihre Kolleginnen seien ziemlich genervt von den vielen Auskunftsuchenden. „Wir sind nur noch am Fragen beantworten.“ Das entspricht auch den Erfahrungen der Servicekräfte, die im Bahnhof präsent sind. „Vor allem in den drei Monaten, in denen es weder Agentur noch Video-Center gab, sind wir oft geradezu angefeindet worden“, sagt eine von ihnen. „Für schwierige Auskünfte mussten wir die Fahrgäste nach Stralsund oder Bergen schicken, wobei in Bergen am Wochenende ja auch geschlossen ist“. Auch würde das Center in Binz erst um 9.15 Uhr öffnen und die Akustik in dem Raum sei schlecht. Da hätten sich manchmal schon Schlangen gebildet und die Leute seien gereizt. Früher habe Renate Roesner die Agentur betrieben. Die habe sofort sagen können, „wann ein Bernsteinticket die kostengünstigste Lösung ist“.

Der Vertrag mit dem Binzer Fremdenverkehrsverein für den Betrieb von Reisecenter und Tourist-Info war zum Jahreswechsel ausgelaufen. „Für uns waren die Personalkosten zu hoch“, sagt Ronald Rambow. Auch habe die Gemeinde weder Finanzen noch Personal zur Verfügung stellen können. „Der Bahnverkehr ist sehr beratungsintensiv und man ist häufig Blitzableiter, aber wenn ich Tourismus auf die Bahn bringen will, darf ich nicht den Service abbauen.“

Touristische Bedeutung nicht erkannt?

Das sieht auch die „Interessengemeinschaft Binzer Hoteliers und Unternehmer“ so. In einem Brandbrief an Infrastrukturminister Christian Pegel (SPD) beschwerte sie sich über Verkehrsprobleme. Darunter auch über die Eröffnung des Video-Reisezentrums in Binz. „Das ist ein weiteres Beispiel dafür, wie mit Touristikern umgegangen wird“, heißt es in dem von Birte Löhr, Harald Schewe und Mario Kurowski unterzeichneten Brief. „Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: 2,5 Millionen Übernachtungen sind allein im Ostseebad Binz zu verzeichnen, aber selbst die Stadt Sassnitz, die zwar als Einfallstor zum Königsstuhl dient, aber lange nicht an die Binzer Gästezahlen herankommt, hat nach wie vor einen personell besetzten Schalter.”

„Bei dem Standort Binz handelt es sich um einen saisonal stark schwankenden Standort, für den ein Videoreisecenter durchaus passend ist“, sagt eine Bahnsprecherin. Auftraggeber sind die landeseigene Verkehrsgesellschaft (VMV) und DB Regio Nordost. So recht scheinen die sich nicht auf eine einheitliche Begründung für den Einsatz der Videotechnik einigen zu können. „Die Video-Reisezentren sind an geringer frequentierten Standorten ein Gewinn für alle Beteiligten“, sagt Beate Steps, Regionalleiterin bei der DB Vertriebsgesellschaft. „Wir freuen uns, dass wir am stark frequentierten touristischen Standort Binz einen neuen Vertriebsweg vorstellen können“, begründet Jörg Werner, Leiter Fahrgastmarketing bei der DB Regio, den Einsatz der Technik.

Für Kurdirektor Kai Gardeja verbindet das Video-Reisezentrum die Vorteile der Digitalisierung mit den Annehmlichkeiten einer persönlichen Beratung. „Die Bahn hat ihre Entscheidung getroffen und wir müssen nun sehen, wie das funktioniert.“ Für die touristische Information der Gäste bestünden bereits Infopunkte an Seebrücke, Kleinbahnhof, Haus des Gastes und in Prora. „Der Großbahnhof ist ein Punkt für An- und Abreise. Touristische Auskünfte sind dort weniger gefragt“, so Gardeja.

Uwe Driest

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