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Rügen Land vergibt Regionallinien an Bahn-Konkurrenz
Vorpommern Rügen Land vergibt Regionallinien an Bahn-Konkurrenz
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06:41 09.05.2019
Ein Zug der Regionallinie 9 fährt in den Bahnhof Sassnitz ein. Ab Dezember 2019 sollen auf der Strecke die Bahnen der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft (ODEG) statt der DB Regio verkehren. Quelle: Maik Trettin
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Rostock/Sassnitz

Die Deutsche Bahn soll auf zwei Linien in Vorpommern der Konkurrenz den Vortritt lassen. Auf der neuen RE 10 zwischen Rostock/Stralsund und Züssow sowie auf der RE 9 zwischen Rostock/Stralsund und Sassnitz beziehungsweise Binz sollen nach dem Willen des Landes künftig die Züge der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft (ODEG) rollen. Auf Rügen beispielsweise würde das den kompletten Rückzug der Bahntochter DB Regio bedeuten. Die Deutsche Bahn würde auf der Insel nur noch im Fernverkehr eine Rolle spielen. Im örtlichen Nahverkehr wären hier ausschließlich private Unternehmen wie eben die ODEG auf der RE 9 oder die seit 2009 auf der Zubringerstrecke zwischen Bergen und Putbus verkehrende Pressnitztalbahn unterwegs.

Der Grund für den Betreiberwechsel auf den beiden Linien bleibt nebulös. Zum Jahresende läuft der Vertrag mit der Deutschen Bahn zum Betrieb der Regionallinie zwischen Rostock und Rügen regulär aus. Üblicherweise hätte die Leistung vom Land, das die Unternehmen dafür bezahlt, auf den Strecken zu verkehren, beizeiten neu ausgeschrieben werden müssen. Das sei aufgrund unklarer Parameter, wie dem bundesweit geplanten Deutschlandtakt, der auch Auswirkungen auf den Regionalverkehr haben werde, nicht möglich gewesen, heißt es aus dem Energieministerium. Dort spricht man gar von einer drohenden Einstellung des Zugverkehrs zum Fahrplanwechsel: Die Vergabe der Aufträge ohne Ausschreibung sei eine „Notmaßnahme“, um das abzuwenden. Betroffen sind Strecken im so genannten Teilnetz Ostseeküste West (RostockHamburg) sowie Ostseeküste Ost. Während die Deutsche Bahn für den Übergangszeitraum von zwei Jahren weiter auf der Regionallinie zwischen Hamburg und Rostock fährt, soll auf den beiden östlichen Linien die ODEG übernehmen. Hier würden die Vorteile überwiegen, erklärte eine Ministeriumssprecherin auf Nachfrage.

Skepsis beim Sassnitzer Bürgermeister

Ob das auch die Bahnkunden so sehen, bleibt abzuwarten. „Ich bin skeptisch“, sagt der Sassnitzer Bürgermeister Frank Kracht (parteilos). Die Schiene gehöre der DB Netz, genutzt werde sie von einem privaten Unternehmen – das könnte unter Umständen nicht ganz konfliktfrei bleiben. „Wir haben ja jetzt schon Probleme, Bus und Bahn zu vernetzen.“ Das dürfte zukünftig nicht einfacher werden, befürchtet er. „Ich hoffe dennoch, dass wenigstens die Taktung erhalten bleibt und wir es vielleicht irgendwann mal hinbekommen, dass die Züge zwischen Rostock und Sassnitz im Stundentakt fahren.“

ODEG-Geschäftsführer Arnulf Schuchmann beruhigt: Die Fahrpläne erstelle nach wie vor das Land. Es werde sich für die Passagiere nicht viel ändern – außer dem Namen des Verkehrsunternehmens und den eingesetzten Zügen, sagt. Das Unternehmen, das in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg unter anderem auf den Regionallinien RE 2 (WismarCottbus) und RB 13 (RehnaParchim) unterwegs ist, habe nagelneue, einstöckige Fahrzeuge in ausreichender Zahl, um die angestrebte Verlängerung der Linie von Züssow bis nach Rostock abzusichern.

Arnulf Schuchmann ist Geschäftsführer und Sprecher der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft (ODEG). Das Unternehmen soll vorübergehend auf den Bahnlinien Rostock - Sassnitz/Binz und Rostock - Züssow verkehren. Quelle: Kate Jordan

Die Fahrpreise im Regionalverkehr würden praktisch ohnehin in einem von der Deutschen Bahn betriebenen Verfahren festgelegt und seien somit identisch. Wer also von einem ODEG- in einen Regionalzug der Deutschen Bahn steigt, muss nicht unterschiedliche Fahrscheine kaufen: Sie werden von den Unternehmen gegenseitig anerkannt. Auch Spezialangebote der Bahn, etwas das Quer-durchs-Land-Ticket, gelten in den Zügen der ODEG, versichert Schuchmann. Erwerben kann man die Fahrkarten wie bisher an den Automaten auf den Bahnsteigen oder in den Reisezentren.

Wenn es diese dann noch gibt. Zu deren Zukunft vermag man sich bei der Bahn nicht zu äußern. Im noch geltenden Verkehrsvertrag für die Ostseeküste sind die Reisezentren in Bergen und Stralsund, das Videoreisezentrum in Binz sowie die DB-Agenturen in Sassnitz und Ribnitz-Damgarten (West) festgeschrieben. Was nach dem Auslaufen des Vertrags zum Jahresende wird – bei der Bahn ist man ratlos. „Da es keine Vergabeunterlagen für die Ausschreibung gab und uns damit auch die Vertriebsstruktur nicht bekannt ist, können wir zum Weiterbetrieb der Vertriebsstellen keine Aussage treffen“, heißt es auf eine OZ-Anfrage. Sicher ist derzeit lediglich der Fortbestand des Stralsunder Reisezentrums – über den Verkehrsvertrag Nord-Süd, der noch weiter läuft. Offen ist dagegen die Zukunft der Bahnmitarbeiter. Man wolle sie gegebenenfalls auf anderen Strecken einsetzen, heißt es bei der Deutschen Bahn. Die ODEG würde die Kollegen gern übernehmen. „Wir suchen Personal, sowohl fertig ausgebildetes als auch Mitarbeiter, die bei uns eine Ausbildung machen möchten“, sagt der Geschäftsführer. Auch bei der ODEG gelten die Tarifbedingungen der Bahn; die Betriebsübergänge seien geregelt.

Deutsche Bahn erfuhr von Vergabe aus Amtsblatt

Die Deutsche Bahn wird die Gleise nicht kampflos räumen. Erst durch eine Veröffentlichung im EU-Amtsblatt am 15. April habe man von der neuen Leistungsvergabe für das Teilnetz Ostseeküste erfahren. Zu dem Zeitpunkt seien die ODEG-Mitarbeiter schon darüber informiert gewesen, so ein Bahnsprecher. Die Bahn-Tochter bezweifelt, dass bei der Vergabe alles so gelaufen ist, wie es sein sollte. „DB Regio Nordort hat die Veröffentlichung juristisch geprüft und einen Nachprüfungsantrag bei der Vergabekammer eingereicht“, bestätigt das Unternehmen.

Regional stark

Die Ostdeutsche Eisenbahn GmbH (ODEG) wurde im Jahre 2002 gegründet. An ihr beteiligt sind zu jeweils gleichen Teilen die Prignitzer Eisenbahn, an der über die Netinera-Gruppe wiederum die italienische Staatsbahn Anteile hält, sowie die Benex GmbH, an der die Hamburger Hochbahn mit 51 Prozent beteiligt ist. Die ODEG hat rund 500 Mitarbeiter. Sie fährt ausschließlich auf Regionallinien im Osten Deutschlands.

Die DB Regio ist eine hundertprozentige Tochter der bundeseigenen Deutschen Bahn. Sie ist deutschlandweit auf 310 Linien unterwegs, und zwar nicht nur mit Bahnen, sondern auch mit Bussen. Das Unternehmen beschäftigt rund 22000 Mitarbeiter und ist mittlerweile auch im Regionalverkehr im europäischen Ausland aktiv.

Maik Trettin

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