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Rügen Sagensteine: Nationalparkamt Jasmund beugt sich Kritiker
Vorpommern Rügen Sagensteine: Nationalparkamt Jasmund beugt sich Kritiker
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15:55 18.06.2019
Die Opfersteine liegen wieder am alten Fleck. Quelle: Burkhard Perleberg
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Sassnitz

Für Burkhard Perleberg aus Hagen ist es ein Sieg auf ganzer Linie. Zwar ging es beim Kampf des 74-Jährigen scheinbar „nur“ um Steine und eine nicht mehr funktionierende Maschine – zum Politikum wurde das Ganze allerdings trotzdem.

Perleberg ist alter Rüganer – und bekennender Gegner des Nationalparkamtes Jasmund. In den Augen des einstigen Taxi-Unternehmers brachte diese Institution, die auch den Umgang mit dem Königsstuhl regelt, nicht viel Gutes. Und so ärgerte es ihn erheblich, als die so genannten Sagensteine eines Tages von ihrem angestammten Platz aus einer Senke circa 30 Meter weiter an einen Weg verfrachtet wurden. Burkhard Perleberg sprach in diesem Zusammenhang von „einer Missachtung der Arbeit unserer Vorfahren und der einheimischen Bevölkerung“.

Till Backhaus mischt sich ein

Seit Kurzem ist der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt. Und Unterstützung kam dabei von „ganz oben“. Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschafts- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) höchstpersönlich hatte sich in den Konflikt eingeschaltet und das Gespräch mit dem Nationalparkamt gesucht. Gebracht worden war der Minister auf das Thema bei einem Besuch auf der Insel im Rahmen von „Bürgerdialogen“. Hier spielte die ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete Angelika Peters aus Bergen eine herausragende Rolle. „Das ist regionales Kulturgut, das sich die Leute nicht so einfach wegnehmen lassen“, sagt Peters. Da sie sich als Kind und Jugendliche selbst viel in der Stubbenkammer aufhielt und Burkhard Perleberg noch aus ihrer Schulzeit kenne, habe sie auch um die Bedeutung der Steine gewusst.

Politischen Druck gemacht

Dass Landwirtschafts- und Umweltministerium bestätigt, dass „nach vorausgegangener Rücksprache mit der Denkmalschutzbehörde“ die Sagensteine der besseren Erreichbarkeit wegen einst verlegt worden waren. „Schließlich wurde aber dem ausdrücklichen Wunsch einiger Anwohner Rechnung getragen und sie wurden wieder zurück an den ursprünglichen Standort gebracht“, sagt Ministeriumssprecherin Eva Klaußner-Ziebarth.Der Nationalparkamtsverantwortliche, Dezernatsleiter Dr. Ingolf Stodian, findet das weniger erbaulich. „Herr Perleberg hat da richtig politischen Druck gemacht“, sagt Stodian. „Und jetzt hat die liebe Seele Ruh.“ Aus seiner Sicht liegen die Steine quasi dort, wo sie einst „durch Zufall hingerollt sind“. Das Problem: Da dort kein Weg hinführt, können Behinderte sie kaum noch erreichen. „Auch für Familien mit kleinen Kindern wird es schwierig, denn die Gefahr, durch herabfallende Äste verletzt zu werden, ist ziemlich groß.“

Hinweis auf Gefahren

„Das halte ich für überzogen“, sagt dazu Angelika Peters. „Dann dürften an den Straßen nirgends mehr Bäume stehen. Denn Äste können dort immer herunterfallen.“ Die Steine seien ein beliebtes Ausflugsziel. Das würden sich die Leute wohl kaum wegnehmen lassen – welche Gründe man dagegen auch immer ins Feld führe. Stodian jedenfalls kündigte schon mal an, dass kein Weg zu den Steinen bereitet werde. Zwar gebe es ein Hinweisschild. Auf mögliche Gefahren soll darauf aber auch aufmerksam gemacht werden.

Nach viel Kritik wurde der alte Zustand wiederhergestellt.

Platziert wurden die Opfersteine der Legende nach Mitte des 19. Jahrhundert von einem Gastwirt, der damit versuchte, alte Sagen für Touristen zu illustrieren. Auf dem Opferstein sollen zum Beispiel in vorchristlicher Zeit Jünglinge hingerichtet worden sein, die Göttin Hertha beim Baden in dem später nach ihr benannten See sahen. Und der Sagenstein zeigt angeblich zwei bei einem Gottesurteil abgegebene unterschiedlich große Fußabdrücke von ein und derselben Priesterin, die sich entgegen ihrer Bestimmung in den Schluchten um den Königsstuhl mit einem Geliebten vergnügte.

Restaurierung der Pumpe

Auch die Schmidsche Pumpe, in einem Steinhäuschen im unteren Drittel des gesperrten Königsstuhlabstiegs installiert, soll eine Restaurierung erfahren. „Ich habe da nochmal intensiv nachgehakt“, sagt Burkhard Perleberg – und damit offensichtlich einige Behördenvorgänge ausgelöst. Am Ende konnte geklärt werden, dass sich die seit 1910 hier existierende Pumpe in der Verwaltung des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) befindet. Nationalparkamtsverantwortlicher Ingolf Stodian nahm das offenbar mit Genugtuung zur Kenntnis. „Wir sind somit nie in der Verantwortung für dieses technische Denkmal gewesen“, sagt er. Trotzdem wolle sein Amt gemeinsam mit dem WSA und dem Land für eine Restaurierung sorgen. Auch hier kamen die „Empfehlungen“ aus Schwerin.

Abstieg bleibt Thema

„Minister Backhaus hat das Nationalparkamt beauftragt, mit dem WSA über die Zukunft der Pumpe zu verhandeln“, sagt Ministeriumssprecherin Eva Klaußner-Ziebarth. „Ziel ist es, das technische Denkmal zu erhalten und Menschen zugänglich zu machen. Neben dem WSA und dem Land MV muss natürlich noch die Denkmalschutzbehörde beteiligt werden. Was nicht möglich sein wird, ist die Pumpe an diesem Standort zu sanieren und zu präsentieren, dies ist für dieses mobile Technische Denkmal auch nicht erforderlich.“

Ingolf Stodian gibt auch im Zusammenhang mit der Pumpe seiner Verwunderung Ausdruck. „25 Jahre hat diese Pumpe keiner gesehen“, sagt er. „Seit der Königsstuhlabstieg gesperrt ist, befindet sich das Gerät plötzlich wieder auf der politischen Agenda.“ Und genau hier sieht der Mann des Nationalparkamtes den eigentlich Kern jeglicher Debatten: Es geht um den Abstieg. Deshalb glaube er auch nicht, dass Burkhard Perleberg und Mitstreiter mit dem momentanen Erfolg tatsächlich zufrieden sein werden.Und schließlich ist es Angelika Peters, die es ausspricht: „Wir müssen dann mal gucken, ob nicht doch noch eine Lösung für einen Abstieg zum Strand gefunden werden kann.“

Jens-Uwe Berndt

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