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Rügen DDR-Erinnerungen zwischen Schlager-Pop und Rockmusik auf Rügen
Vorpommern Rügen DDR-Erinnerungen zwischen Schlager-Pop und Rockmusik auf Rügen
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18:03 28.07.2019
Karat begeisterten 1000 Fans auf der Rugardbühne in Bergen Quelle: Jens-Uwe Berndt
Bergen/Dranske/Thiessow

Als am Ende aus fast 1000 Kehlen „Über sieben Brücken musst du geh’n, sieben dunkle Jahre übersteh’n“ erschallte, neigte sich am Sonnabend auf der Bergener Rugard-Bühne eine Ereignis dem Ende, das sowohl Publikum als auch die Gruppe Karat selig als einen „wunderschönen Abend“ bezeichneten. Alles hatte gestimmt: Das Wetter blieb angenehm, die Organisation klappte reibungslos, Sound- und Lichtanlage funktionierten ohne Makel, die Musiker waren bestens drauf und die Besucher freuten sich über das Dargebotene.

Songs zu politischen Ereignissen

Schon Hans Wintoch, bekannt als Hans die Geige, als Support von Karat, hatte ein dankbares Publikum, das die Interpretationen des Künstlers von „Bohemian Rhapsody“ (Queen) oder „Gyöngyhajú lány“ (Omega) begeistert beklatschte. Auch die Gesangsnummern des unermüdlichen Musikers, der seit 1968 Konzerte gibt und unzählige Tonträger bespielte, verfehlten ihre Wirkung nicht. Vor allem auch, weil sich Stücke wie „Der Mensch“ oder „Deutschland“ mit aktuellen politischen Ereignissen auseinandersetzten und unter den Gästen des Abends für Zustimmung oder Kontroversen sorgten.

Rund 2000 Fans sahen die ostdeutschen Musiker in Bergen, Dranske und Thiessow.

Karat hatten keine Mühe, die Fans in Fahrt zu bringen. Natürlich gab es in ihrem Set mit „Schwanenkönig“, „Albatros“ oder „Der blaue Planet“ feste Säulen, an denen sich auch jene Musikinteressierten orientieren konnten, die das Schaffen von Karat nur oberflächlich kennen. Für die beinharten Fans waren dann eher selten zu hörende Songs wie „Marionetten“ (von der LP „Der blaue Planet“), „Das Narrenschiff“ (LP „Schwanenkönig“) oder „Tanz mit mir“ (LP „Die sieben Wunder der Welt“) Auslöser, sich vor die Bühne zu begeben. Ein ganz besonders emotionaler Höhepunkt wurde schließlich „Märchenzeit“. Dieses aus der Anfangzeit von Karat stammende Lied widmete Sänger Claudius Dreilich dem Komponisten und Keyboarder Ed Swillms, der mit seinen Songs über viele Jahre den Charakter der Gruppe definierte. So stammen von ihm unter anderem „Der blaue Planet“ und „Über sieben Brücken.“

Olaf Klut, als Stadtinfo-Betreiber in Bergen Veranstalter des Konzerts, zeigte sich glücklich darüber, dass es in relativ kurzer Zeit gelungen war, das Karat-Konzert zu organisieren und publik zu machen. „Wir wollen die Rugardbühne auch weiterhin beleben“, sagte er. „Allerdings ist alles immer eine Frage des Geldes und der personellen Ausstattung.“

Besucher auf Nostalgie-Trip

Bei der Boddenparty in Dranske gab es mit Frank Schöbel (76) ebenfalls DDR-Erinnerungen. Beherzt und gut gelaunt unterhielt der Ost-Schlagerstar gut 800 Gäste und sang unter anderem Titel aus seinem neuen Album „Wir leben los“. Ein Musiker zum Anfassen und das kam an. Dirk Franetzki (50) aus Papenburg mochte Schöbel schon zu DDR-Zeiten. „Früher war er beim ,Kessel Buntes’ und ist im Palast der Republik aufgetreten“, sagte der auf Rügen geborene Urlauber. Heute sei sich Schöbel nicht zu schade, auf kleinen Bühnen zu unterhalten: „Sehr sympatisch“. Auf Bierzeltbänken oder im Stehen wippte die Menge mit, als Frank Schöbel sein Lied „Ich geh vom Nordpol zum Südpol“ ins Mikrophon schmetterte. Der Sänger hatte sein Publikum im Griff und erzählte zwischen den Songs aus seinem Leben.

Cathleen Rossow (37) aus Berlin trifft ihn ab und zu in der Nachbarschaft. „Schöbel spielt in Berlin bei uns in der Nähe Fußball und wohnt sozusagen um die Ecke“, sagte sie. Wohl fast jeder kenne die Weihnachtsplatte von Frank Schöbel. Cathleen Rossows Lebenspartner sammelte früher sogar die Poster aus der „FF Dabei“, eine Illustrierte der DDR. Nachwuchs Anabella (1) hatte den Überblick auf den Armen von Papa Michael Karsch (44). Dieser erinnerte sich noch genau an die Kassetten von Frank Schöbel mit Lieder wie „Wir haben Ferien“ oder „Komm wir malen eine Sonne“. Auch wenn das Feuerwerk am Abend der Boddenparty aufgrund des zu starken Windes ausfallen musste, kamen die Musikliebhaber alle Male auf ihre Kosten.

Trauriger Anlass

Das Konzert von Gaby Rückert am Samstagabend in Thiessow hatte einen traurigen Anlass, aber es sollte dennoch kein Auftritt ohne fröhliche Erinnerungen werden. Im April ist die Thiessower Gastwirtin Dorothea Tebus, Betreiberin des Fischrestaurants „Zum Hafen“, mit nur 51 Jahren an einer Krebserkrankung verstorben. Ihr widmete Gaby Rückert den Auftritt. „Dori und ich kannten uns seit 22 Jahren und ich habe erleben dürfen, wie ihre beiden Söhne Tim und Tom aufgewachsen sind“, beschrieb die Sängerin ihr freundschaftliches Verhältnis, das während eines Urlaubs an der Ostseeküste seien Anfang nahm. Schon damals hatten Gaby Rückert und ihr Mann unmittelbare neben des Fischrestaurants musiziert und gesungen. Jedes Jahr ist die Sängerin von einstigen DDR-Erfolghits wie „Teil mit mir“, Schneewittchen“ oder „Berührung“ auf Rügen. Rückert erzählte an diesem Abend auch viel über sich. So hatte sie kurz nach ihrer Hochzeit 1973 einen Song vom Hochzeitmachen aufgenommen, doch die Ehe hielt nicht lange. Auf der B-Seite einer Amiga-Single war dann das Lied „Du, es geht mir gut, auch ohne Dich“ folgerichtig zu hören. Als die Rückert dieses Bonmot zum Besten gab, hatte sie die Lacher auf ihrer Seite im vollbesetzten Fischrestaurant.

Lieder „in- und auswendig“ gekannt

Etwas sentimental und wehmütig wurde es im Gastraum als Gaby Rückert ihren Erfolgshit „Kinderzeit“ intonierte und berichtete, wie sie früher als kleines Mädchen unbeschwerte Ferientage auf Usedom verlebt hatte. Zu den vielen Gästen zählten auch die Mitglieder des Ueckermünder Oldtimer-Clubs, die jedes Jahr im Sommer einmal eine gemeinsame Ausfahrt mit ihren schweren legendären AWO-Motorrädern nach Rügen machen. „Unser Gangmitgleid Andreas Dürhagen hat väterlicherseits enge familiäre Verbindungen nach Rügen und hat uns alle nach Thiessow gelotst, weil er ein Konzertankündigung gelesen hatte“, meinte die in Leipzig geborene Motorrad-Frau und große Gaby-Rückert-Verehrerin Dagmar Borgwardt. „ich kenne ihre Lieder in- und auswändig“, so die Ex-Leipzigerin mit der blonden Löwenmähne und den blauen Augen. Der von Rügen stammende Andreas Dürhagen, dessen Vater Hans-Jochen in Sassnitz Fischer war, lockt seine Motorad-Kumpels regelmäßig auf Deutschlands größte Insel, um gemütlich im Pulk über die alten Alleenstraßen zu tuckern.

Jens-Uwe Berndt, Christine Zillmer, Christian Rödel

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