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Rügen Pflegestützpunkt nun auch auf der Insel Rügen eröffnet
Vorpommern Rügen Pflegestützpunkt nun auch auf der Insel Rügen eröffnet
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08:51 29.06.2018
Sie greifen künftig pflegebedürftigen Personen und pflegenden Angehörigen unter die Arme: Mareike Reile und Simone Gromoll sind für die Pflegeberatung zuständig. Jenny Kienast berät in sozialen Fragen (v li.). Quelle: Uwe Driest
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Bergen

„Unser erster Kunde wurde vom Sozialdienst des Sana-Krankenhauses an uns verwiesen“, sagt Jenny Kienast. Die junge Frau führt seit Mittwoch die Sozialberatung im neuen Pflegestützpunkt der Inselhauptstadt durch. In diesem Fall benötigte der Patient Hilfe bei der Beantragung eines Schwerbehindertenausweises. Hauptaufgabe des Pflegestützpunkts ist die Beratung und Unterstützung pflegender Angehöriger. Dafür stehen Jenny Kienast ihre Kolleginnen Simone Gromoll und Mareike Reile zur Seite.

Der Pflegestützpunkt Bergen ist im JobCenter in der Gingster Chaussee 5a.

Tel.: 03831/3571803-04 E-Mail: PflegestuetzpunktBGN@lk-vr.deGeöffnet ist Dienstag von 8 bis 12.30 Uhr, Donnerstag von 8 bis 12.30 Uhr und von 14 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung.Infos unter www.pflegestuetzpunktemv.de.

„Die Gesetze sind selbst für Fachleute oft schwer verständlich“, weiß Chris Behrens von der AOK Nordost. Zwar habe der Gesetzgeber Zuwendungen wie das „Entlastungsgeld“ eingeführt, „aber sechs Millionen Euro liegen auf den Konten der Pflegekassen, die nicht abgerufen werden, weil die alten Menschen nicht wissen, wie das geht.“

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Dreiviertel der zu pflegenden Menschen leben zuhause

„Der Bedarf an Beratung zum Thema Pflege steigt beständig und liegt in der bisherigen Stralsunder Hauptstelle seit fünf Jahren bei durchschnittlich 250 Anfragen im Monat“, sagt die stellvertretende Landrätin Carmen Schröter. Daher habe die bisherige Sprechstunde nicht mehr ausgereicht. „Pflegebedürftigkeit muss heute nicht mehr bedeuten, dass man die Wohnung verlässt und kein selbstbestimmtes Leben mehr führen kann.“ Oftmals könne durch kleine Veränderungen der eigenen Wohnung ein Heimaufenthalt verhindert oder zumindest verzögert werden. Auch in einem solchen Fall beraten die Pflegestützpunkte.

Etwa 75 Prozent der pflegebedürftigen Personen im Land werden nämlich zu Hause betreut – entweder ausschließlich durch Angehörige oder mit Hilfe eines ambulanten Pflegedienstes. Damit das so bleiben kann, soll der Pflegestützpunkt alle Dienste bündeln, die der Aufrechterhaltung des Lebens im eigenen Haushalt oder im Haushalt der privaten Pflegeperson dienen.

Pflegende Angehörige oft an der Grenze der Leistungsfähigkeit

Die drei Damen vom Pflegestützpunkt ermitteln daher künftig vorort Hilfebedarfe, erteilen Informationen über Sozialleistungen oder Pflegegrad, helfen bei der Antragstellung und der Suche nach Einrichtungen oder ergänzenden Diensten wie Essen auf Rädern oder Hauswirtschaftshilfe. Bei Bedarf werden die Kunden auch mit dem eigens angeschafften Auto des Pflegestützpunktes im eigenen Heim aufgesucht.

„Besonders die pflegenden Angehörigen, die oft an der Grenze ihrer Belastungsfähigkeit sind, brauchen kompetente und unabhängige Beratungs- und Hilfsangebote. Genau das bieten die Pflegestützpunkte im Land“, meint Sozialministerin Stefanie Drese (SPD). „Die Insellage von Rügen macht eine ortsnahe Beratung besonders notwendig, gerade in dem überaus wichtigen Bereich der Pflege“, so Drese.

Stützpunkt ist Teil eines flächendeckenden Netzes

Die flächendeckende Einrichtung sogenannter Pflegestützpunkte beschloss die Landesregierung auf Empfehlung der Enquete-Kommission „Älter werden in MV“. Damit reagiere das Land auch auf die Herausforderungen des demographischen Wandels. Für Bernd Grübler vom Landesverband der Ersatzkassen ist die Errichtung von Pflegestützpunkten in Mecklenburg-Vorpommern eine Erfolgsgeschichte. Für ihn steht besonders das Thema Vernetzung aller Partner ganz oben auf der Agenda, um eine neutrale, qualitativ hochwertige Beratung zu garantieren.

Träger des neuen Pflegestützpunktes auf der Insel sind der Landkreis Vorpommern-Rügen sowie die Pflege- und Krankenkassen. Mit 120 000 Euro unterstützt das Land den Landkreis, um damit 70 Prozent der Personalkosten zu decken.

Driest Uwe