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Rügen Piraten und Bauchtänzerinnen beim Dance-Cup
Vorpommern Rügen Piraten und Bauchtänzerinnen beim Dance-Cup
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10:02 29.04.2019
Die Binzer „Küstengirlies“ landeten in der Wertungsklasse Juniors 2 auf dem ersten Platz beim I.V.E. Ostsee-Dance-Cup 2019 in Sassnitz Quelle: Maik Trettin
Sassnitz

Die Dame mit dem Hund sieht sich angesichts der Menschenmassen auf dem Parkplatz in Sassnitz-Dwasieden verwundert um. „Wissen Sie, was hier los ist?“, fragt sie Passanten, die wie hunderte andere zur Sporthalle eilen. Die Eröffnung des 2. I.V.E. Ostsee-Dance-Cups am Sonnabend will keiner verpassen. Mit Bussen sind sie aus verschiedenen Ecken Deutschlands und anderen europäischen Ländern angereist. 64 Autos brauchten allein die Ueckermünder, um alle Teilnehmer zum Wettkampfort zu bringen. Der Ostsee-Dance-Cup ist nicht nur eine der größten Sportveranstaltungen der Insel. Es ist das größte Treffen von Amateur-Tänzern in ganz Deutschland. Dabei geht es nicht um Ruhm und Ehre. „Es geht um den Spaß an der Bewegung“, sagt Ina Briese, die Chefin des Organisations-Teams.

Mit Hip-Hop gegen den Durst

Den haben die Aktiven ganz offensichtlich ebenso wie die Zuschauer. Choreographie bedeutet oft mehr als eine Abfolge von Schritten und Bewegungen. Viele Tanzgruppen erzählen auf der Bühne kleine Geschichten: Die „be free Ladies“ aus Ueckermünde kämpfen in Piratenkostümen gegen einen miesen Seeräuber, der ein kleines Kind in seine Gewalt gebracht hat. „Unique“ aus dem brandenburgischen Woltersdorf bewegen sich als Raubkatzen verkleidet in großen Sprüngen durch den Dschungel. Die „Sweet (H)arts“ aus Greifswald lassen zur Musik der „Nussknacker-Suite“ und zu „Jingle-Bell-Rock“ fast weihnachtliche Stimmung aufkommen. Die Ueckermünder Jungs von „bee fre Energy's“ haben trockene Kehlen und tanzen mit flotten Hip-Hop-Schritten gegen den Durst und die leeren Wasserflaschen-Kästen an. Voller Dramatik ist der Auftritt der „Ladies & Gentlemen“ aus Demmin, die Gewalt zwischen Frauen und Männern thematisieren. „Eine großartige Leistung. Das war nicht zu toppen“, kommentiert das anschließend nicht nur Ina Briese. Auch die Jury ist offenbar überwältigt. In der Kategorie Mix-Dance Erwachsene gewinnen die Demminer deutlich. Gewinner wurden in diesem Jahr auch die Binzer „Küstengirlies“. Sie waren im vergangenen Jahr in der Junior-Kategorie auf dem letzten Platz gelandet. Seitdem hat die Truppe unter Leitung von Ina Briese hart trainiert und sich dafür bei der Trainerin schon vor Beginn des Dance Cup mit einem selbst gebackenem Papageienkuchen bedankt. Die Anstrengung im Training hat sich gelohnt. Die jungen Tänzerinnen aus dem Ostseebad schafften es in der Kategorie Juniors 2 diesmal auf den ersten Platz.

Szenenapplaus auch für die Konkurrenten

Wer Erster, Zweiter oder Dritter geworden ist – ohne einen Blick auf den Zettel kann Ina Briese das wenige Stunden nach der Siegerehrung schon gar nicht mehr sagen. So viele Teilnehmer, so viele Auszeichnungen, so viele Pokale. „Wir haben hier heute alle gewonnen“, sagt sie. Die Platzierung spielt überhaupt keine Rolle. Vermutlich ist dies das Geheimnis des Erfolgs dieser Veranstaltung. Der Wettkampfcharakter tritt völlig in den Hintergrund. Wie bei anderen Sportveranstaltungen werden auch hier die Mannschaften angefeuert. Aber es johlen, pfeifen, tröten und klatschen alle nicht nur für die eigenen Anhänger: Eine gelungene Aktion auf der Bühne wird von der gesamten Halle mit Beifall honoriert, egal, ob es die eigene Tanzgruppe oder eine fremde ist. Wobei: So richtig fremd ist man sich nicht. „Es ist wie eine große Familie“, sagt Ina Briese. „Tanzen verbindet eben.“

Litauische Tänzer hatten die weiteste Anreise

Auch über Landes- und Sprachgrenzen hinweg. Aus Bergens litauischer Partnerstadt Palanga sind die Tänzerinnen von „Palangos Vetrunge“ nach Sassnitz gekommen. Ausschnitte aus ihren Darbietungen haben die 13- bis 15-Jährigen schon öfter in ihrer Heimat Litauen, aber auch in Lettland oder Polen gezeigt. In Deutschland standen sie am Sonnabend zum ersten Mal auf der Bühne. Zwei Tage lang waren sie unterwegs, haben in Polen übernachtet und hatten sich schon allein für diese Strapazen den Pokal für die weiteste Anreise verdient. „Wir haben hier sehr viel Unterstützung von vielen Menschen erhalten“, freut sich Edita Petrusonyte, eine der Betreuerinnen der Mädchen. Die Stadtverwaltung Bergen habe sich sehr engagiert und unter anderem Trainingsmöglichkeiten in der Sporthalle zur Verfügung gestellt. Tatkräftige Hilfe kam auch von den Lietzowern Beate Reimann und Christoph Hempel. Auch aus der Sassnitzer Partnerstadt Trelleborg war mit den „Happy Girls“ eine ausländische Tanzgruppe angereist. Sowohl die Litauer als auch die Schweden waren offenbar schwer begeistert von der Stimmung in der Dwasiedener Halle. „Die haben gleich angekündigt, dass sie nächstes Jahr mit allen vier beziehungsweise fünf Teams zum Ostsee-Dance-Cup kommen“, freut sich Ina Briese.

Dreijährige Charlotte hielt es nicht auf ihrem Stuhl

Auch viele Zuschauer werden wieder dabei sein. „Diese Veranstaltung ist doch super!“, schwärmt Regina Pfeifer. Das findet offenbar auch ihre dreijährige Enkeltochter Charlotte. Die Kleine bewegt sich im Zuschauerraum stundenlang nahezu ohne Pause zu der Musik, die aus den Lautsprechern dröhnt. Ihre Mutter Annett Heinisch zuckt lachend die Schultern: „Sobald Musik läuft, muss sie tanzen“, sagt sie mit Blick auf ihre Tochter. Gern würde die kleine Sagarderin schon zum Tanz-Training gehen. „Aber das gibt es bei uns für die Kleinsten leider nicht“, bedauert die Mutter.

Arved hatte da mehr Glück: Er war alt genug, als ihn eine Freundin mal zum Training beim Malchower Tanzverein mitnahm. Seitdem trainiert er dort einmal die Woche. Das ist nicht nur deshalb ungewöhnlich, weil die Freundin mittlerweile das Handtuch geworfen hat und Jungen prinzipiell beim Tanzsport nach wie vor in der Unterzahl sind.

Der elfjährige Arved von der Tanzoase Malchow bewegt sich gekonnt zu orientalischer Musik. Quelle: Maik Trettin

Arved trainiert zudem orientalischen Tanz. „Das macht Spaß“, versichert Arved und meint nicht nur die Bewegung. Man müsse auf die Tanzpartner achten, damit es synchron bleibe. Außerhalb der Tanzoase spielt Arved Schlagzeug und hört gern Pop und Elektro. Tanzen würde er zu dieser Musik allerdings nicht.

„Eigentlich ist das eine Amateur-Veranstaltung. Aber vom Niveau her liegen die Teilnehmer fast alle deutlich darüber“, schätzt Ina Briese am Ende des Tages ein. „Das war richtig mega.“ Beeindruckt hat sie auch die Bühnenpräsenz der Gruppen. Die sei deutlich besser gewesen als im vergangenen Jahr. Dass es einen 3. I.V.E. Ostsee-Dance-Cup geben wird, steht außer Frage. „Auch die 67 Helfer, ohne die das alles nicht so prima gelaufen wäre, wollen wieder mitmachen.“ Die Tanzgruppen sowieso. Eigentlich hatten sich die Organisatoren um Ina Briese eine zweiwöchige Dance-Cup-Pause verordnet. Daraus wird nichts. „Wir hatten bis Sonntagmorgen schon 25 Anmeldungen für das kommende Jahr.“

57 Tanzgruppen präsentierten sich beim 2. I.V.E. Ostsee-Dance-Cup in Sassnitz auf Rügen. Es ging nicht um Platzierungen. Teamgeist und Spaß an der Bewegung standen im Vordergrund.

Maik Trettin

Rügen Tanzsport-Großereignis in Sassnitz - Hunderte Akteure und Gäste beim I.V.E. Dance-Cup

Der 2. I.V.E. Dance-Cup in Sassnitz ist zu Ende. 57 Tanzgruppen aus Deutschland, Litauen und Schweden boten dem Publikum eine grandiose Schau. Hunderte Aktive und Zuschauer verfolgten das Programm.

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