Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rügen „Robinson“ feiert auf Hiddensee Premiere
Vorpommern Rügen „Robinson“ feiert auf Hiddensee Premiere
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:26 10.05.2019
Szenenfoto von "Robinson Crusoe" mit Karl Huck auf der "Seebühne" Hiddensee. Dort hat das Stück am 11. Mai Premiere.
Szenenfoto von "Robinson Crusoe" mit Karl Huck auf der "Seebühne" Hiddensee. Dort hat das Stück am 11. Mai Premiere. Quelle: Wiebke Volksdorf
Anzeige
Hiddensee

„Ich, Robinson Crusoe, erlitt während eines fürchterlichen Sturms auf hoher See Schiffbruch und landete auf dieser unglückseligen Insel, die ich die Insel der Verzweiflung nannte.“ So lautet der erste Eintrag in Robinsons Inseltagebuch am 30. September 1659. Wer weiß, was er in sein Journal geschrieben hätte, wenn er auf Hiddensee gestrandet wäre? Hierher hat es den berühmtesten Schiffbrüchigen der Weltliteratur Jahrhunderte später verschlagen. Zum 300. Jubiläum des Erscheinens von Daniel Defoes Roman feiert das Stück auf der Seebühne Hiddensee am Sonnabend Premiere.

Freunde des maritimen Kammertheaters in Vitte wird die Ankündigung auf den Plakaten stutzig machen: Robinson-Premiere? Gab's das nicht schon mal? „Stimmt“, sagt der Schauspieler und künstlerische Leiter Karl Huck. Rund zwölf Jahre ist es her, dass die Hiddenseer den Roman-Klassiker gemeinsam mit dem Dramatiker und Regisseur Holger Teschke auf die „Seebühne“ brachten. Teschke hatte den Stoff gerade für ein Hörspiel bearbeitet und gemeinsam mit Karl Huck und der Vitter Theaterdirektorin Wiebke Volksdorf ein eigenes Bühnenstück entwickelt. „Mit dem waren wir eigentlich recht zufrieden“, sagt der Schauspieler und stapelt augenzwinkernd tief. Zum einen haben die Hiddenseer Künstler die Geschichte äußerst aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt und dabei auch Wissen aus den Berichten von Alexander Selkirk, dem Vorbild für Defoes Romanfigur, einfließen lassen. Zum anderen gehören die Figuren und das Bühnenbild nach Karl Hucks Einschätzung zu den schönsten, die die Seebühne je gesehen hat. „Sie sind zuletzt als Teil einer Ausstellung quer durch Deutschland gereist und gezeigt worden.“ Das erklärt auch, dass „Robinson“ eine ganze Weile nicht mehr auf dem Spielplan der Seebühne stand.

Zwei Kokosnüsse in Chile verhaftet

Obendrein war die „Truppe“ bei einem Auslandsgastspiel vorübergehend dezimiert worden. Huck, Teschke und Volksdorf waren 2009 unter anderem nach Chile gereist. Neben dem Stück „Die Grille“ hatten sie auch ihren „Robinson“ im Gepäck. Denn die Insel, auf der Alexander Selkirk 1704 von seinem Kapitän ausgesetzt wurde, liegt vor der Küste Chiles. Sie trägt mittlerweile den Namen des Romanhelden Crusoe. „Bei der Einreise wurden allerdings zwei unserer Kollegen verhaftet“, erinnert sich Karl Huck schmunzelnd: Zwei Kokosnüsse, die in dem Stück eine Rolle spielen, ließ der chilenische Zoll nicht passieren. Die Beamten sahen in den Figuren lediglich Lebensmittel, deren Einfuhr strengen Vorschriften unterliegt.

Jens Steinberg zeigt Bilder in dem Kammertheater

Ob Kokosnüsse auch in dem neuen Stück ihren Auftritt haben, verrät die Mannschaft der „Seebühne“ noch nicht. In der Theaterfassung von Holger Teschke, der auch diesmal Regie führt, wird das Schicksal Daniel Defoes in die Abenteuer Robinsons einbezogen und beides miteinander verbunden. Karl Huck wird nicht nur den Dichter und den Titelhelden spielen, sondern auch alle anderen Gestalten des Romans – von Robinsons Gefährten Freitag bis zur Schiffskatze Moll, die zu Robinsons unerschrockener Gefährtin auf der Insel wird. Huck wird auf der Bühne mit Köpfen arbeiten. Wie mit verschiedenen Masken schlüpft er so blitzschnell in die unterschiedlichen Rollen. „Das ist im Puppenspiel die intimste Form einer Figur“, sagt der Schauspieler. „Der Künstler verschmilzt nahezu mit ihr und wird zu einer Art Mischwesen.“ Die Figuren stammen übrigens aus der Werkstatt von Barbara und Günter Weinhold, die Kostüme von Katharina Schimmel und für karibisches Licht und für den Ton sorgt Wiebke Volksdorf. Die Bühnenwand für das neue Stück hat mit Jens Steinberg ein gebürtiger Hiddenseer gestaltet. Der Maler lebt mittlerweile in Berlin. Eine Auswahl seiner Arbeiten wird zur Premiere am morgigen Sonnabend, dem 11. Mai, in der „Seebühne“ gezeigt, die sich dadurch in eine kleine Galerie verwandelt. Wer möchte, kann auch am heutigen Freitag schon einen Blick auf die Arbeiten und auf das neue Stück werfen: Die „Seebühne“ lädt um 20 Uhr zur Generalprobe ein.

Klassiker der Weltliteratur

Daniel Defoe wurde um 1660 in London als Sohn wohlhabender Eltern geboren. Er war Kaufmann und Ziegeleibesitzer und wandte sich nach wirtschaftlichen Misserfolgen dem Journalismus zu. 1719 veröffentlichte er seinen ersten Roman unter dem Titel „Das Leben und die seltsamen Abenteuer des Robinson Crusoe“. Er war so erfolgreich, dass noch im Jahr der Veröffentlichung drei weitere Auflagen und eine Fortsetzung erschienen. Defoe gilt als einer der Begründer des englischen Romans. Sein Werk gilt als Klassiker der Weltliteratur. Seinerzeit war dieser von Fakten geprägte Stil, der fast journalistisch anmutet, neu. Finanziell reich machte dieses Buch seinen Autoren aber nicht. Vor allem Defoes Verleger verdiente an dem literarischen Erfolg.

Maik Trettin

09.05.2019
Rügen Kulturhistorisches Erbe einer Region soll bewahrt werden - Kommunale Betreibergesellschaft für Mönchguter Museen?
09.05.2019