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Rügen Projekt Schwimmhalle hängt von Förderung ab
Vorpommern Rügen Projekt Schwimmhalle hängt von Förderung ab
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14:00 23.01.2019
Animation des neuen Sportschwimmbades Bergen Quelle: ratzke
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Bergen

Finanzierung, Betreibung, Förderung vom Land: Diskussionsstoff gibt es genug beim Thema Schwimmhalle für Bergen. Wie brisant der geplante Neubau ist, zeigte die voll besetzte Aula in der Grundschule „Altstadt“. Gleich drei Ausschüsse tagten am Montag fast zwei Stunden lang gemeinsam, um ausschließlich darüber zu beraten. Zwei waren am Ende noch beschlussfähig und empfohlen den Stadtvertretern, Fördergeld aus dem sogenannten EFRE-Programm zu beantragen und das Projekt für das Integrierte Stadtentwicklungskonzept zu beschließen.

Einigkeit herrschte darüber, ob Bergen eine Schwimmhalle überhaupt benötigt. Der Großteil im Saal sprach sich dafür aus. Vor allem für einige Senioren wäre es eine Erleichterung, die alle 14 Tage nach Samtens zum Schwimmbad fahren. Die Meinungen gehen aber weit auseinander, wenn es um den geplanten Bau geht. Ist das Projekt finanzierbar? Ist die Bergener Wohnungsgesellschaft (BeWo) in der Lage, jedes Jahr 300 000 Euro zu erwirtschaften, um den Betrieb der Schwimmhalle zu bezuschussen? Dies waren die wichtigsten Fragen an diesem Abend.

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Bau kostet 9,1 Millionen Euro

„Es soll jetzt nicht entschieden werden, ob wir eine Schwimmhalle bauen, sondern, ob wir mit einem Beschluss der Stadtvertreter Fördermittel dafür einwerben dürfen“, sagte Bauamtsleiter Rainer Starke und verdeutlichte, dass es fast unmöglich ist, dieses Projekt ohne Fördermittel zu starten. Laut Berechnungen eines Architekturbüros soll der Bau der Halle 9,1 Millionen Euro netto kosten (5 Millionen Förderung, 2,5 Millionen Stadtanteil, 1,5 Millionen Euro Kreditaufnahme) und jährlich städtische Zuschüsse in Höhe von 600 000 Euro benötigen. Dieses Geld soll sich aus Überschüssen aus dem Haushalt und aus der BeWo zusammensetzen.

Versammlungen für Einwohner

Die Stadt möchte bei der Aufklärung über das Für und Wider eines Schwimmhallenbaus so viele Bürger wie möglich erreichen. So gäbe es für Bergen Süd eine Versammlung am 19. Februar im Rugard-Saal. Rotensee soll mit einem Termin in der Schule am Grünen Berg am 27. Februar bedacht werden. Und schließlich ist noch eine Versammlung am 12. März in der Altstadtgrundschule vorgesehen. Weiterhin steht das Schwimmhallen-Projekt auf der Tagesordnung der nächsten Stadtvertretersitzung am 30. Januar um 17.30 Uhr in der Regionalen Schule „Am Grünen Berg“.

„Wir wollen alle ein Schwimmbad haben. Doch ist Bergen auf die Zukunft vorbereitet? Wir wissen nicht, was auf uns zukommt“, so Stadtvertreterin Kristine Kasten (SPD-Fraktion). „Wir können nicht vorhersagen, wie es in Bergen finanziell in 50 Jahren aussehen wird. Eine Garantie gibt es nicht. Was wir aber sagen können, ist, dass es finanzierbar ist“, begegnete Bürgermeisterin Anja Ratzke (parteilos).

„Finanzierung muss zuerst geklärt sein“

Für Katrin Parpat (CDU/FDP-Fraktion) ist die Zeit zu gering, um darüber entscheiden zu können. Sie wisse erst seit Oktober, dass ein Förderantrag gestellt werden soll und seit der Einwohnerversammlung Anfang Januar, wie teuer das Projekt wird. Sie bezweifelt auch, dass Stadt und BeWo jährlich 600 000 Euro für den Schwimmhallen-Zuschuss erwirtschaften können. „Es sollte doch wenigstens so kalkuliert werden, dass eine schwarze Null dabei herauskommt“, ergänzt Parteikollege Oliver Gurk. Für ihn ergeben sich, etwa bei den Personalkosten, viele Ungereimtheiten in der Machbarkeitsstudie. Laut seinen Rechnungen beträgt der Zuschuss sogar bis 750 000 Euro.

„Wenn Sie mich jetzt fragen: aktuell wird das Geld für andere Dinge verwendet“, sagt BeWo-Geschäftsführer René Radtke. Allerdings sei die BeWo künftig in der Lage, das Geld zu erwirtschaften. „Zuerst muss die Finanzierung geklärt sein, dann ein Businessplan erstellt werden. Erst dann sehen wir, welche Gelder auf uns zukommen“, sagt er.

Einige Ausschussmitglieder sehen auch eine Chance mit dem Schwimmbad in Bergen. „Obwohl die Bedarfsanalyse mit heißer Nadel gestrickt ist, sehe ich Möglichkeiten für solch ein Projekt. Ich sehe aber keinen Grund, den Fahrplan zu ändern“, sagt Bauausschuss-Mitglied Matthies Knuth (Freie Wähler). Dass mit dem Projekt eine schwarze Null erreicht wird, sieht auch Peter Wendekamm (Linke) vom Bauausschuss nicht. „Aber wir sollten mutig sein. Anklam baut auch eine Schwimmhalle, trotz sinkender Gewerbesteuereinnahmen und einem Haushaltssicherungskonzept“, sagt er.

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