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Rügen Grundschüler sind die Stars in der Manege
Vorpommern Rügen Grundschüler sind die Stars in der Manege
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06:38 26.04.2019
Impressionen von der Generalprobe des Projektzirkus' "Smiley". In Aktion sind die Mädchen und Jungen der Grundschule Halbinsel Jasmund in Sagard, die sich unter anderem als Seiltänzer versuchen. Quelle: Maik Trettin
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Sagard

Es ist eigentlich nur die Generalprobe. Doch für Julien ist es eine Premiere – und das gleich in zweifacher Hinsicht. „Ich bin zum ersten Mal in einem Zirkus“, sagt der Achtjährige fast ehrfurchtsvoll. Er wird das bunte Treiben nicht nur von der Tribüne aus verfolgen. Julien steht mitten in der Manege, die Augen der Zuschauer und die Scheinwerfer auf ihn gerichtet. Denn das ist die Idee des Projektzirkus' „Smiley“: Kinder gestalten sich ihr Programm selbst, sind nicht nur Gäste, sondern vor allem Akteure. Seit Donnerstag versuchen sich rund 100 Sagarder Grundschüler als Fakire, Akrobaten, Jongleure, Cowboys oder Clowns.

Unterrichtet werden sie von der Familie Woitschack. Deren Mitglieder waren früher selbst viele Jahre als Artisten unterwegs. Auf Tour sind sie jetzt auch noch mit Zelt und Wagen. Doch seit 2007 ist die Manege den Kindern vorbehalten, erzählt Charlett Woitschack. Die junge Frau zeigt den Steppkes, wie man eine farbenfrohe Darbietung mit Neontüchern gestaltet und bringt ihnen bei, so mit den Hüften zu kreisen, dass die Hula-Hoop-Reifen nicht zu Boden fallen. David Woitschack studiert mit ihnen die Clowns-Szenen ein, Simone Woitschack erklärt, wie man auf dem Seil einen Fuß vor den anderen setzt. Steckt in jedem ein Zirkus-Akrobat? Charlett Woitschack überlegt kurz. „Die Motorik ist nicht bei allen Kindern gleich gut ausgeprägt“, sagt sie. Vielen fehlt offenbar einfach das Training. Einige hantieren zum ersten Mal mit einem Hula-Hoop-Reifen. Davon ist bei der Generalprobe nichts mehr zu merken: Gleich mehrere der bunten Plastereifen lassen die Kleinen um die Arme und die Hüften rotieren. Nur ab und an tritt einer der Trainer hinzu, gibt einen Ratschlag oder hilft tatkräftig, wenn es mal gar nicht klappen will.

In der Schule ein Clown sein

Wer bei welcher Darbietung dabei ist, haben die erfahrenen Artisten entschieden. Die Kinder sind durchweg glücklich mit der Auswahl. Isabella war wie Julien noch nie im Zirkus. Jetzt wird sie in der Manege stehen und die Neontücher schwingen. Die Achtjährige ist begeistert: „Das macht richtig Spaß“, sagt sie und strahlt dabei über das ganze Gesicht. Auch Annie ist gerne eine Nachwuchs-Artistin – viel lieber jedenfalls als ein Clown. „Da lachen ja alle über mich“, sagt die Achtjährige. Alexander und Lennox, beide zehn Jahre alt, sind solche Ängste fremd. „Das ist doch richtig geil! Clown sein ist lustig“, finden sie. Der Spaß an den Ulknummern ist ihnen während der Proben anzumerken. Immer wieder müssen sie sich schwer zusammennehmen, um nicht laut loszulachen.

Zirkuserfahrung hat Maja (8): Im Alter von vier Jahren hat sie zum ersten Mal ein Zirkuszelt von innen gesehen und war fasziniert. „Ich bin damals auf einem Kamel geritten“, erinnert sie sich aufgeregt. Dass Fehlen der Tiere im Projektzirkus bedauert kaum eines der Kinder. „Nicht alle Tiere mögen eine solche Show“, weiß Luisa (10), die ihr Geschick auf dem Seil unter Beweis stellt. Ihre Altersgenossin Paulina meint gar, dass die Vierbeiner in den großen Zirkussen gequält würden. Charlett Woitschack holt tief Luft. Es ärgert sie, wenn sie solche Meinungen hört. Da schließe man von negativen Einzelfällen, die in den Medien ausgeschlachtet würden, auf die gesamte Branche. Die vierbeinigen Zirkus-Künstler haben die Woitschacks dennoch vor drei Jahren in Rente geschickt. Bei ihrer Arbeit hatten sie einfach zunehmend mit Kindern zu tun, die unter Tierhaar-Allergien litten. Ein imposanter tierischer Gast wird aber dennoch in der Manege zu erleben sein. Der ist allerdings völlig haarlos.

Zwei Gala-Vorstellungen am Freitag

100 glückliche Kinder: Schulleiterin Karin Moldtmann und ihre Kollegen sehen dem Treiben der Kleinen vergnügt zu. Die Gemeinde, der Förderverein der Schule und die Eltern haben ihren finanziellen Beitrag dafür geleistet, dass der Zirkus Smiley in Sagard Station macht. Am heutigen Freitag, dem 26. April, wird es um 10 und um 17 Uhr jeweils eine Gala-Vorstellung für alle Mütter, Väter, Verwandten und sonstigen Interessenten im Zirkuszelt auf dem Schulhof geben. „Ich werde die Gäste fragen, ob sie euch und eure Darbietungen sehen wollen“, geht Simone Woitschack den Ablauf mit den Grundschülern schon mal durch. „Und wer dann nein sagt, fliegt raus“, kündigt sie augenzwinkernd an.

Mädchen und Jungen der Grundschule Sagard gestalten mit dem Projektzirkus „Smiley“ zwei Gala-Vorstellungen.

Maik Trettin

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