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Rügen Prora: Werkausstellung zeigt sensationellen Kellerfund
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Prora: Werkausstellung zeigt den sensationellen Kellerfund

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19:17 11.02.2020
Die Kuratoren Katja Lucke und Christian Dinse heben den Deckel einer von zwei Kisten an, die im Herbst 2018 gefunden wurden. Quelle: Mathias Otto
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Prora

Es war der bisher sensationellste Fund über das nie vollendete „Kraft-durch-Freude“-Seebad (KdF-Seebad) in Prora. Jetzt wurden die Daten ausgewertet. Ausschnitte davon werden ab morgen in der Werkausstellung „Baustelle Prora – Die Pläne“ im Dokumentationszentrum Prora zu sehen sein.

Angehörige des vor zwei Jahren verstorbenen Sohnes von Adolf Leber fanden in dessen Keller in Köln eine Kiste und einen Überseekoffer mit Berechnungen, Plänen und detaillierten Zeichnungen – insgesamt fast 1000 Blätter. Diese Dokumente betreffen vorwiegend das „KdF-Seebad“. Sie überließen diesen Fund dem Dokumentationszentrum zur wissenschaftlichen Auswertung als Dauerleihgabe. Leber begleitete als Bauingenieur und Statiker zentrale Bauprojekte des Chefarchitekten des „KdF-Seebades“ Clemens Klotz.

Eröffnung der Schau am 13. Februar

Viele Ausstellungsstücke lagen am Dienstag im Ausstellungsraum auf Decken am Boden, einige waren noch in Kartons verstaut. „Die Zeit bis zur Ausstellung rennt. Obwohl es jetzt noch chaotisch aussieht, werden wir pünktlich am 13. Februar um 17 Uhr die Ausstellung eröffnen können“, sagt die Leiterin Katja Lucke. Sie ist zugleich Kuratorin, zusammen mit Christian Dinse.

Für sie war der Dokumentenfund Anlass, die historischen Pläne und andere gesammelte Quellen, wie Fotos und Filmausschnitte, aus verschiedenen historischen Phasen bis in die Gegenwart in einer Werkausstellung zu zeigen. Dazu gehören auch viele Stücke, wie etwa ein Lageplan vom April 1939, der das geplante Bad in einem Maßstab von 1 zu 7500 zeigt.

Kiste wurde zum ersten Mal seit 1947 geöffnet

Drei Wissenschaftler, die sich seit Sommer 2019 in einem Berliner Archiv mit dem Nachlass beschäftigten, mussten mit viel Fingerspitzengefühl herangehen, um die jahrzehntealten Schriftstücke nicht zu zerstören. Auf einer der beiden Kisten klebt ein Fracht-Zettel aus dem Jahr 1947. Seitdem, so vermutet Katja Lucke, sei diese Kiste nicht mehr geöffnet worden. An vielen Papieren hingen etwa verrostete Büroklammern, die vorsichtig von den Dokumenten entfernt werden mussten. „Außerdem war das Papier zu Kriegszeiten in einer schlechten Qualität, zum Teil wurde auf transparentem Papier geschrieben“, sagt sie. Auf einer Pergamentrolle, die später auch ausgerollt in einer Vitrine im Ausstellungsraum gezeigt wird, sind die Berechnungen zu einem sogenannten „Fahrtunnel“, der sich durch den gesamten Häuserkomplex ziehen sollte, zu sehen.

Bildergalerie: Berechnungen, Pläne, Briefwechsel

Der Dokumentenfund aus dem Jahr 2018 wurde dem Dokumentationszentrum Prora zur wissenschaftlichen Auswertung als Dauerleihgabe überlassen.

Durch den Fund werden zwar keine neuen Erkenntnisse bezüglich des Baus und des Vorhabens gewonnen, „aber das Projekt wird besonders durch die Korrespondenz anschaulicher. Hier ist deutlich zu sehen, wie im Verlauf des Krieges die Pläne optimiert und verändert wurden“, sagt sie. Zum Beispiel Schreiben an den Baudirektor und Oberbauleiter Willi Heidrich. Hier tauchen auch Tabellen mit Kostenvorstellungen für Teilprojekte auf, die zu Beginn des Krieges angepasst wurden, weil kein Geld oder Material vorhanden war. Hier sei der Festivalplatz genannt, der aus dem Gesamtkonzept rausfiel. Dieser Bereich wurde untermauert.

Pläne wurden bis 1942 immer wieder verändert

Interessant ist auch, wie ab 1939 mit den Lieferungsproblemen auf dem Bau umgegangen worden sei. So sei vom Statiker und den Bauleuten darüber nachgedacht worden, wie man mit der Errichtung der Anlage trotzdem vorankommen könnte. „Wie zu lesen ist, wurde auf alternative Baumaterialien ausgewichen, die günstiger waren und schneller zu beschaffen“, sagt sie. Die Leiterin kann nachweisen, dass die Planungen mindestens bis 1942 immer wieder überarbeitet wurden. Sie vermutet aber, dass sich das bis ein Jahr vor Kriegsende fortgesetzt haben könnte.

Bauingenieur und Statiker

Adolf Leber begleitete als Bauingenieur und Statiker zentrale Bauprojekte des Chefarchitekten des „KdF-Seebades Rügen“ Clemens Klotz.

Clemens Klotz zählte zu den führenden Architekten während des „Dritten Reiches“. 1933 wurde Klotz Mitglied der NSDAP und zeichnete neben mehreren kleineren Projekten vor allem für die Verwirklichung dreier baulicher Großprojekte des NS-Regimes im Auftrag der von Robert Ley geführten Deutschen Arbeiterfront (DAF) verantwortlich.

So wurde er 1935 von Ley mit der Planung des Seebades Prora auf Rügen beauftragt. Die Arbeiten am Seebad begannen im Jahr 1937 und wurden erst 1943 endgültig eingestellt.

Viel Arbeit haben die beiden Kuratoren zusammen mit dem Berliner Layouter Wolfgang Chodan verbracht, um diese Ausstellung möglich zu machen. „Wir haben uns die nötige Zeit genommen, um die für diese Ausstellung wichtigsten Pläne rauszusuchen, danach eine Konzeption erstellt, wie wir es den Besuchern präsentieren wollen“, sagt Christian Dinse. Dazu werden einige Originale in Vitrinen zu sehen sein. Auch die Holzkiste, die Angehörige von Adolf Leber entdeckt hatten, wird ausgestellt sein. „In zwei Mediastationen können Besucher ein Interview mit dem Zeitzeugen und früheren Bauleiter Hans Schulten sowie eine Filmaufnahme des Architekten Willi Heidrich aus dem Jahr 1939 sehen“, sagt Christian Dinse.

Die Werkausstellung „Baustelle Prora – Die Pläne“ wird am 13. Februar um 17 Uhr im Dokumentationszentrum Prora eröffnet und bleibt bis zum 31. Dezember aufgebaut.

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Von Mathias Otto

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