Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rügen Puppenspiel mit todernstem Hintergrund
Vorpommern Rügen Puppenspiel mit todernstem Hintergrund
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:31 10.03.2019
Gespannt beobachten die Soroptimistinnen Viola Kaser, Christina Wuitschik, Ursula Peters, Marlis Raulff, Hanne Petrick und Jennifer Strotkamp die Wiederbelebungsversuche ihrer Clubschwestern Heike Seelenbinder und Irmgard Senf.
Gespannt beobachten die Soroptimistinnen Viola Kaser, Christina Wuitschik, Ursula Peters, Marlis Raulff, Hanne Petrick und Jennifer Strotkamp die Wiederbelebungsversuche ihrer Clubschwestern Heike Seelenbinder und Irmgard Senf. Quelle: Susanna Gilbert
Anzeige
Bergen

Mit heldenhafter Gelassenheit erträgt „Anne“ ihr Schicksal: Während die Frauen vom Rügener Club Soroptimist, ein Serviceclub, der sich für die Rechte der Frauen in gesellschaftlichen und sozialen Demographien einsetzt, eine nach der anderen auf ihrem Brustkorb herum trommeln, kommt kein Klagelaut über ihre Lippen. „Anne“ ist das „Opfer“, an dem die Frauen vom Club Herzdruckmassage und Beatmung üben. Zum Glück ist sie nicht aus Fleisch und Blut, sondern aus Plastik. Der Erste-Hilfe-Ausbilder Felix Bäsell vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) hat die Übungspuppe mitgebracht. An ihr zeigt er, was zu tun ist, um Leben zu retten. „Es ist wichtig, die eigenen Kenntnisse in Erster Hilfe noch einmal aufzufrischen“, meinen die Rügener Soroptimistinnen. Zumal dann, wenn der letzte Kurs Jahre oder gar Jahrzehnte zurück liegt. Und nur deswegen absolviert worden ist, weil man das für den Führerschein oder als Ersthelfer im Betrieb brauchte.

„Leider kommen nur wenige Menschen auf die Idee, ihr Ersthelfer-Wissen in einem Kurs auf den neuesten Stand zu bringen“, bedauert auch Felix Bäsell. Dabei entscheide das beherzte Eingreifen von Ersthelfern am Unfallort nicht selten über Leben und Tod oder Invalidität. In Deutschland ist jeder verpflichtet, in Not geratenen oder hilflosen Personen Hilfe zu leisten, wenn es ihm den Umständen nach zuzumuten ist. All jene, die sich selbst nicht zutrauen, Hand anzulegen, müssen zumindest über den Notruf 112 die Rettungskräfte benachrichtigen oder sonst wo Hilfe holen. „Man soll das machen, was man kann“, betont Bäsell. Wer von sich glaubt, selbst praktische Hilfe leisten zu können, der ist gut beraten, andere Helfer einzubinden, falls noch weitere Menschen vor Ort sind. „Schließlich arbeiten auch die Rettungskräfte immer zu zweit.“

Wer mit verletzten oder schwer erkrankten Menschen konfrontiert wird, sollte sich von den „drei A“ leiten lassen: angucken, ansprechen und anfassen. Allein die Tatsache, dass jemand bei dem Verletzten bleibt und mit ihm redet, ist schon eine große Hilfe, erläutert Felix Bäsell den Frauen. Wichtig ist es oft, den Hilfebedürftigen richtig zu lagern und im telefonischen Kontakt mit der Rettung den Standort möglichst genau zu benennen. Bei Bewusstlosen sollte die Atmung kontrolliert und der Kopf nach hinten gestreckt werden, um eine Erstickung zu verhindern. Wenn die Atmung ausgesetzt hat, geht es um Sekunden. Dann kann der Sterbende nur noch mit einer Herzdruckmassage und, wenn möglich, auch mit Beatmung so lange stabilisiert werden, bis Notarzt und Rettung eingetroffen sind.

Sieben Rettungsstationen auf Rügen sind permanent besetzt

Auf Rügen sind sieben Rettungsstationen permanent besetzt: in Altenkirchen, Sassnitz, Binz, Baabe, Bergen, Kluis und Garz. Die Einsätze werden von der Rettungsleitstelle in Stralsund koordiniert. Die gesetzliche Vorgabe, in etwa zehn Minuten nach Alarmierung vor Ort zu sein, können wir in der Regel einhalten, versichert Felix Bäsell. Vielleicht auch dank der vielen Medienberichte bilden die Autofahrer immer häufiger Rettungsgassen, konstatiert er. Leider komme es aber immer wieder vor, dass die Rettungskräfte wegen Lappalien gerufen würden. Sie seien dann umsonst im Einsatz, während sie woanders unter Umständen dringend gebraucht würden. Offenbar wüssten viele nicht, dass sie unter der Telefonnummer 116117 den ärztlichen Bereitschaftsdienst erreichen könnten.

Die Teilnahme der Rügener Soroptimistinnen an dem Erste-Hilfe-Kurs steht in Zusammenhang mit dem Schwerpunktthema Gesundheit, dem sich der Club in diesem Jahr besonders widmen will. Mit ihrem alljährlichen Weißen Dinner, dem Kluptower Flohmarkt am ersten Sonntag im August sowie mit seinem Adventskalender sammeln die Clubfrauen Jahr für Jahr Geld für soziale Projekte. Allein der Verkauf des Adventskalenders erbrachte 2018 rund 14 000 Euro Euro für den guten Zweck.

Susanna Gilbert

Rügen Neues Dienstgebäude eingeweiht - Gute Bedingungen für Bergens Polizisten
09.03.2019
09.03.2019