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Rügen „Bodenlose Frechheit“: Kurabgabenregelungen auf Rügen erregen die Gemüter
Vorpommern Rügen „Bodenlose Frechheit“: Kurabgabenregelungen auf Rügen erregen die Gemüter
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18:30 21.08.2019
Tageskurkartenautomat in Baabe. Quelle: Gerit Herold
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Rügen

Die OZ-Beiträge zum Kurabgaben-Chaos auf der Insel Rügen haben in den vergangenen Tagen zu hitzigen Debatten geführt. Vor allem auf der Facebook-Seite der Rügener Lokalredaktion sammelten sich viele Kommentare, zusätzlich erhielten wir viele Leserzuschriften. Hintergrund:
Eine neue Satzung sieht vor, dass ganzjährig 2,80 Euro Kurtaxe pro Person und Tag zu zahlen sind – auch für Gäste ab zwölf Jahren. Das Erhebungsgebiet schließt jetzt auch den Ortsteil Prora mit ein.Vor allem die Praxis, auch Insulanern die Kurtaxe abzuverlangen, stößt auf Unverständnis.

Es ist schwierig da die Balance zu bekommen. Ich habe sehr lange am Strand gearbeitet und muss leider sagen, die Tagesgäste kamen mit Kühlboxen an den Strand, was ja auch in Ordnung ist, wenn man mit Kindern unterwegs ist. Beim Verlassen wurde dann der ganze Müll in den Mülltonnen am Strand entsorgt. Wenn diese voll waren, wurde es daneben gestellt und die Möwen waren dann die Verteiler. Es kostet Geld, den Strand sauber zu halten. Vielleicht kann man einen Mittelweg finden- – aber so ganz ohne? Die Urlauber müssen auch bezahlen. Angie Lietzau

Alles Abzocke. Bodenlose Frechheit, dass selbst Rügener blechen sollen, das tun sie doch schon mit überteuerten Parkgebühren. Zumal der Strand und die Ostsee gehören keinem. Doreen Peters

Jeder ist sich selbst der nächste. Langsam werden die Begründungen für diese Zwangsabgabe allerdings immer peinlicher. Es gibt auch weiterhin keinen praktischen Gegenwert. Benedikt Liesegang, Bad Hamm (NRW)

Die Einheimischen müssen sich dann zu Hause erholen. Wenn wenigstens die Bezahlung auf der Insel stimmen würde. Aber ich glaube, viele müssen mit ihrem Geld sparsam sein. Die Preise sind ja enorm (Parkgebühren, Lebensmittel, Fahrkarten) und dann sich jedesmal eine Tageskarte holen, um nach der Arbeit zwei, drei Stunden oder zwischendurch mal kurz an den Strand zu gehen? Suse Halle

Bei der aktuellen Verkehrssituation kann ich mir nur schwer vorstellen, dass die Polizei ausrückt, um einen Platzverweis zu erteilen. Und ist die Zeit, in der der Kontrolleur nicht kontrolliert, um auf die Polizei zu warten, Arbeitszeit? Oder unbezahlte Pause? Und was, wenn man dem Platzverweis nicht nachkommt? Erkennungsdienstliche Behandlung und Zwangsmaßnahmen? Philipp Scheibe

Dafür gibt’s ja die Bäderpolizei. Ich hab’s einmal selbst gesehen und auch mehrfach gehört. Ich will nicht lügen, aber ich glaube die Betroffenen müssen für den Einsatz an die 60 Euro zahlen. Jeanette Erban

Da der Kurdirektor Gardeja mit seinen Visionen auch kein Binzer Einwohner ist, vergisst er hoffentlich nicht, nach Feierabend eine Kurkarte zu lösen. Die Bäderpolizei steht sonst bereit. An Lächerlichkeit kaum zu überbieten. Andere Gemeinden sind entspannt, Binz stellt zusätzliche Kontrolleure ein. Mehr muss dazu nicht gesagt werden. Alexander Schwarz, Binz

Mal davon abgesehen, dass man eh kaum einen Parkplatz nach der Arbeit findet, um an den Strand zu gehen, ist es eine Schweinerei, dass wir als Einheimische, die sowieso schon mit dem Ausnahmezustand (30 Minuten mehr zu Arbeit fahren, leere Regale in Supermärkten und, und, und) im Sommer leben müssen, jetzt auch noch für unsere Strände zahlen sollen. Aber ist doch eine kluge Idee: So hält man uns von den Stränden fern, um noch mehr Platz für die Touristen zu haben. Maike Seifert, Trent

Eine von Rügenern initiierte Petition richtet sich dagegen, dass Einheimische Kurtaxe bezahlen sollen. Sie findet sehr viele Unterstützer.

Meine lieben Rüganer, Ihr habt eine Unterschrift mehr, nämlich meine. Ich bin zwar „e Saggse“, aber mit meinem Herzen immer bei Euch, in meiner „Herzens-Wunsch-Heimat“, wenn ich bei Euch war, habe ich mich immer wie zu Hause gefühlt. Es ist, gelinde gesagt, eine Frechheit, Euch nun noch Geld aus der Tasche ziehen zu wollen, weil Ihr da lebt und arbeitet. Das wäre genauso, als müssten wir hier eine Tageskarte bezahlen, wenn wir in den Wald gehen, sorry, aber da habe ich absolut kein Verständnis für.Wilfried Pöttrich, Zwickau

Unterzeichnet! Als Leipziger Stadtmensch liebe ich die Ostsee und war gerade zur Reha in Göhren. Am Südstrand entsteht die nächste Wellnessklinik. Wo endet der Wahnsinn? Wahrscheinlich erst, wenn das letzte Fleckchen Rügenland zubetoniert ist? Dann wird bestimmt noch eine Luftsteuer eingeführt. Weil die Luft zum Atmen langsam knapp wird bei den Tausenden Menschen, die täglich auf die Insel strömen und mit dem Auto fahren „müssen“. Wann begreifen die Verantwortlichen, dass mit Geld nicht alles bezahlbar ist. Unbezahlbar ist die Ruhe, die Natur, das Meer, der Strand, die Luft, das Klima. Und die Menschen, die dort leben und arbeiten. Kerstin Schuster, Leipzig

In Binz sieht die neue, noch nicht beschlossene Kurabgabensatzung vor, dass Kinder ab 12 Jahren künftig die volle Kurtaxe bezahlen müssen. Auch darauf reagieren unsere Facebook-Nutzer sehr emotional.

Es wäre eine wichtige Aufgabe der Politik, Kommunen ausreichend zu finanzieren. Kurtaxe gehört abgeschafft, komplett. Gleichzeitig muss auch Massentourismus eingedämmt werden, ohne dabei die Einkommen der Menschen zu gefährden. Oder geht es darum, dass die Einwohner in deutschen Urlaubsgebieten den Massentourismus alle so gern haben? Werden deshalb Polen etc. als Zimmerfrauen eingestellt? Es geht eben nicht um die Arbeitsplätze, es geht um die Einkommen und bei einigen Tourismus-Haien eben auch um Gier. El Camino

Für erwachsene Touristen ist eine Kurtaxe völlig in Ordnung. Nicht jedoch für Kinder ab zwölf Jahren oder gar Anwohner! Matthias Hustedt, Aschaffenburg

Unverschämt. Das wird mich und viele Urlauber davon abhalten, Binz einen Besuch abzustatten. Christine Haußmann, Greifswald

Hoffentlich meiden die Urlauber und auch die Einheimischen diesen Abzockeort. Ich werde dort keine Kurabgabe leisten. Im Ausland geht Service und Freundlichkeit auch ohne Extragebühren. Kerstin Jahn, Trent

Dann muss man mal zur Haupttouristenzeit auf dem Kurplatz gegen diese Abzocke demonstrieren. Und gegen die Verschandelung der Insel durch immer mehr Hotels, Straßen und Ferienwohnungen gleich mit. Bestimmt ein Bild, welches auch den Gemeindevertretern gut gefällt ... Robert Köller, Gagern

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