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Rügen Hochzeit, Hitze, Händlertreiben bei Wikingern in Garz
Vorpommern Rügen Hochzeit, Hitze, Händlertreiben bei Wikingern in Garz
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14:56 28.07.2019
Stephan und Melanie Houpt werden vom nordischen Priester gereinigt und nicht nur symbolisch verbunden. Tochter Denise ist wichtiger Teil der Zeremonie. Quelle: Gaia Born
Garz

Er steht bei sengender Hitze mit seiner Waschbärpelzmütze auf dem Kopf vor seinem Zelt: Aki der Südschwede ist den Spott seiner Wikingerkumpane und den Unglauben der Besucher gewohnt. „Für mich gehört sich das einfach so. Ich bin seit 2015 dabei – und mich bringt so leicht nichts in Schwitzen.“ Eigentlich heißt Aki Axel und stammt gebürtig aus Wiek. „Deshalb ja auch Südschwede“, grinst er. „Ich habe hier Heimspiel und freue mich immer, hier zu sein.“ Denn mittlerweile wohnt der Wikinger in Hamburg. Sein Hobby pflegt er mit Leidenschaft und bietet auch in Garz ein Sammelsurium an Waren an. „Ich habe das typische Sortiment eines Wikingerhändlers. Das reicht von Pelzen und Fellen über Keramik und Schmuck bis zu Kupfersachen, Messern und Hörnern. „Das passt alles in einen Opel Vivaro“, verrät der Südschwede. „Früher wurde alles auf den Schiffen der Wikinger transportiert. Und wenn es mal kein Wasser gab, wurden die Schiffe eben getragen.“ Wieder etwas gelernt, ganz nebenbei. Wegen seiner Felle und Pelze wird Aki nur selten angefeindet. „Die meisten, die unser Lager besuchen, rechnen damit. Und wir stehen ja nicht nur im Hochsommer auf Märkten. Wenn es kalt wurde, hatten Wikinger eben nur Wolle und Felle, um sich zu wärmen.“ Aki ist auch nicht für den Tod von Pelztieren verantwortlich: „Meine Felle sind alle Second Hand.“ Aber eben nicht für den Hochsommer gedacht.

Beinhart wird trotz Hitze

Lachs geräuchertIn direkter Nachbarschaft räuchert Wolfgang Korn gerade seinen Lachs im offenen Kesselfeuer und wässert das Holzbrett, damit es nicht verbrennt. „Och, hier draußen ist es doch noch angenehm“, meint der Kieler achselzuckend. „Im Zelt haben wir gerade 38 Grad. Man könnte sagen, wir haben eine kostenlose Wicki-Sauna dabei.“ Er nimmt es mit Humor. „Wir haben ja Urlaub. Wir machen das aus Spaß am Hobby.“ So hat es auch für Veranstalter Heiko Fritz angefangen. Der ist bei der Hitze ein gefragter Mann: Er betreibt den Met- und Getränkestand des Marktes und ist ausgewiesener Wikinger-Experte. „Ich beschäftige mich schon seit meiner Kindheit mit dem Thema. In der DDR war es schwierig, an Bücher und Material zu kommen, aber nach der Wende war ich kaum noch aufzuhalten“, erinnert er sich.

Heirat nach alten, nordischen Sitten

Er ist stolz, dass er dieses Jahr eine echte Hochzeit während des Wikingerfestes präsentieren kann. „Das Brautpaar kommt schon seit Jahren immer nach Garz, es war ihnen ein Anliegen, hier zu heiraten. Sie werden nach dem im Dänemark als Religion anerkannten Asatru-Glauben vermählt, der die alten nordischen Götter verehrt. Wir haben uns viele Gedanken gemacht. Zum Beispiel wird die Hochzeit nicht auf dem Burgwall stattfinden, denn dort herrschen slawische Götter.“ Das Thema macht Heiko Fritz sichtlich Spaß. „Rügen war ohnehin ein Mischgebiet, bei Ralswiek gab es einen Wikinger-Handelsplatz. Deshalb passt diese nordische Heirat gut hierhin.“ Das finden auch die Brautleute selbst. Stephan und Melanie Houpt haben schon eine standesamtliche Trauung in Bergen hinter sich und freuen sich auf das von ihnen gewählte Ritual. Dafür haben sie einiges vorbereitet, sogar die Gewandung haben sie selbst entworfen und genäht. Warum es unbedingt Garz sein sollte?

Händler, Priester, Kämpfer: Auf dem 14. Wikingermarkt in Garz gab es viel zu sehen. Mit Liebe zum Detail hatten die Akteure auch die hintersten Winkel dekoriert.

„Wir haben hier beide unseren ersten Markt erlebt, auch wenn wir uns damals noch gar nicht kannten“, erzählen die beiden Berliner. „Wir verbinden ganz viel mit Garz, da hat die Stimmung einfach gepasst. Uns war von Anfang an klar, dass wir gerne hier auf Wikingerart heiraten würden. Wir haben uns von Experten beraten lassen, alte Dissertationen durchforstet und viel aus den alten Quellen zusammengesucht, um ein möglichst authentisches Ritual zu schaffen“, sagt Stephan. „In der Szene kennt man sich und findet immer Fachleute, die einem weiterhelfen können.“ Doch nicht nur die Liebe zum Hobby, auch der religiöse Aspekt spielte bei der Entscheidung für die Wikinger-Hochzeit eine Rolle. „Eine kirchliche Heirat kam für mich nicht in Frage, ich bin kein Christ. Durch unser Hobby sind wir auch mit den religiösen Gesichtspunkten des Wikingerlebens in Berührung gekommen. Mit dem Glauben an mehrere Götter und der tiefen Verbundenheit zur Natur kann ich mehr anfangen.“

Mutter des Bräutigams begeistert

Und so stehen Galerius und Morien – so heißen Stephan und Melanie im Wikingerleben – dann vor dem Priester der nordischen Götter, reinigen sich rituell und betreten dann den Kreis aus Salz und Laub, der von Kämpen in allen vier Himmelsrichtungen geschützt wird. Zeugen muss es noch geben, auch sie werden mit Rauch und Wasser gereinigt – dann wird der Kreis geschlossen und die Götter werden herbeigerufen. Auch Tochter Denise, 15, spielt im Hochzeitsritual eine große Rolle. Stephan nimmt sie an Kindes statt an und gibt ihr ihren neuen Wikingernamen. Als der Priester das Brautpaar schließlich symbolisch mit einem in uralter Technik eigens für diesen Zweck handgewebten Band verbindet, ist das Publikum sichtlich gerührt. Egal, welcher Glauben: Eine Hochzeit ist immer eine Feier der Liebe. Auch Brautmutter Gabriele Houpt, 69, kommt gut mit dem Wikingerambiente klar: „Erst war ich überrascht, als mein Sohn mit dieser Idee ankam, man stellt sich im ersten Moment ja eine klassische Hochzeit vor. Doch mit jedem Tag, den ich darüber nachdachte, fand ich die Idee toller. Ich bin ganz begeistert.“

Volle Kampfmontur – der Schweiß rinnt

Doch nicht allen Besuchern ging es um Herzensangelegenheiten. Viele wollten vor allem die „Kämpfe um den Burgwall“ sehen, bei denen die Akteure nicht nur ihr Equipment, sondern auch vergangene Kampftechnik zeigten. Robert ist einer von ihnen, er kommt gerade vom Kampfplatz, seine Haare kleben verschwitzt am Kopf, die Stirn ist schweißbedeckt. Wie heiß ist es denn unter so einem Helm? Er lacht: „Der Helm ist noch nicht mal das Wärmste. Es ist vor allem die dicke Wolle. Aber die ist wichtig, sie dämpft Schläge ab und schützt den Körper.“ Seinen Harnisch hat Robert in stundenlanger Arbeit selbst zusammengesetzt. „Meine ganze Rüstung und Bewaffnung dürfte mehr als 2.000 Euro gekostet haben“, meint er. Und warum tut er sich das an solch heißen Sommertagen an? „Weil es Spaß macht“, entgegnet der Hüne wie aus der Pistole geschossen. „Wer einmal mitgemacht hat, kommt immer wieder. Es ist mein Sport.“

Atmosphäre freundlich und entspannt

Tatsächlich: Es gibt ein Regelwerk, auf das die Kämpfer sich vorher geeinigt haben. Das legt Trefferzonen fest und verbotene Aktionen. Abgesprochen ist bei den Kämpfen nichts vorher, es sind also keine reinen Schaukämpfe. Zugegeben, es sieht ein wenig wie in Zeitlupe aus, wenn die Kämpen aufeinander losgehen. Aber schließlich geht es darum, auch im Schlachtengetümmel niemanden versehentlich zu verletzen. Es wird zwar nicht mit scharfen Waffen gekämpft, aber bei vielen Akteuren würde eine unbedachte Bewegung ausreichen. Bei aller Kampfeslust bleibt die Stimmung also entspannt und freundlich. Das schätzt auch Familie Lahmers aus Hamburg. „Wir machen Urlaub auf Rügen und hatten damit gar nicht mit einem solch tollen Event gerechnet. Die Preise sind fair, die Atmosphäre entspannt und freundlich. Das kennen wir auch anders.“ Eine gelungene Veranstaltung für die ganze Familie also.

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