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Rügen Rentner auf Rügen verliert 4000 Euro: Handwerkerschaft warnt vor dubiosen Angeboten
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Rentner auf Rügen verliert 4000 Euro: Handwerkerschaft warnt vor dubiosen Angeboten

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18:19 09.12.2019
Handwerker, die ihre Leistungen an der Haustür anbieten, sollte man vorher prüfen und auf schriftliche Vereinbarungen bestehen. Quelle: KEYSTONE
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Rügen

Die Meldungen über angebliche Handwerksbetriebe, die Dienstleistungen an der Haustür anbieten, häufen sich. Denn das böse Erwachen folgt nach der Leistung. Hier wird dann oft ein Vielfaches des vorher mündlich vereinbarten Preises verlangt. Diese Erfahrung musste in der letzten Woche auch ein 74-Jähriger aus Trent auf Rügen machen.

In diesem Fall war es eine polnische Firma, die dem Rentner die Reparatur einer Dachrinne anbot. Nachdem der angebliche Handwerker seine Arbeit verrichtet hat, erschienen jedoch zwei weitere Männer auf dem Grundstück des Rüganers. Der Unternehmenschef forderte nun 6000 Euro für die Reparatur.

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Kreishandwerkerschaft warnt

Der Grundstückseigentümer zahlte 4000 Euro und versprach die Übergabe des Restbetrages zu einem späteren Zeitpunkt. Da die Männer jedoch immer mehr Druck aufbauten und auch nur Bargeld verlangten, statt eine Überweisung zu akzeptieren, wurde der Senior misstrauisch und drohte mit der Polizei, die er dann auch einschaltete.

Uwe Ambrosat bedauert, dass es solchen Unternehmen noch immer gelingt, in der Region erfolgreich zu wirken. „Leider melden sich die Leute bei uns immer erst, wenn es schon passiert ist“, sagt der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Er rät dazu, gerade bei unbekannten Unternehmen eine Auskunft bei der Kreishandwerkerschaft einzuholen.

„Auch polnische Firmen, die hier arbeiten, sind dann in unserer Handwerksrolle eingetragen“, erklärt Uwe Ambrosat. So kann geprüft werden, ob es sich bei dem Anbieter der Leistungen wirklich um einen Handwerksbetrieb handelt. „Denn dann hat man die Gewissheit, dass die Firma auch morgen noch da ist und überhaupt eine Zulassung hat für das, was sie da anbietet.“

Vereinbarungen immer schriftlich festhalten

Ein Problem bei solchen Haustürgeschäften besteht außerdem darin, dass meist nichts schriftlich festgehalten wurde. „Bei mündlichen Absprachen haben wir auch rechtlich gar keine Handhabe“, sagt Thomas Heick, Obermeister der Dachdecker-Innung. Er rät dazu, sich von den Firmen Kostenvoranschläge machen zu lassen und diese schriftlich einzufordern.

„Jedes Angebot ist außerdem kostenfrei – egal ob Heizungsinstallateur, Fensterbauer oder Dachdecker. Nach einem genauen Aufmaß wird dann ein Angebot erstellt. Und es ist völlig legitim sich mindestens zwei Angebote einzuholen und dann zu entscheiden“, sagt der Fachmann. Er empfiehlt jedoch, sich möglichst auf Meisterbetriebe, im besten Fall Innungsbetriebe, zu verlassen. Abgerechnet wird dann nach tatsächlich ausgeführten Leistungen.

Nicht auf Lockangebote reinfallen

Gleiches gilt auch, wenn man mit den ausgeführten Arbeiten unzufrieden ist. Auch dann kann man bei der Kreishandwerkerschaft Unterstützung finden. „Wichtig ist jedoch, sich nicht mit scheinbar Wahnsinnsangeboten in die Irre führen zu lassen“, so Ambrosat. Auch der Innungsobermeister verweist bei Unstimmigkeiten auf die Schlichtungsstelle bei der Kreishandwerkerschaft. „Hier können sich die Parteien mit einer neutralen Person an den Tisch setzen und den Fall ohne Anwalts- und Gerichtskosten klären“, sagt Thomas Heick.

Grundsätzlich hält der Innungsobermeister jedoch nichts davon, sich auf Unternehmen an der Haustür einzulassen. „Wir würden nirgendwo an der Tür klingeln. Dabei sind auch die polnischen Kollegen durchaus gute Handwerker. Aber dieser Weg scheint schon mafiös“, so Heick.

Polizei bittet Betroffene und Zeugen um Meldung

Die Polizei rät dazu: „Im Zweifel sollte man sich immer ein zweites Angebot zum Vergleich machen lassen und auf einen schriftlichen Kostenvoranschlag und eine Rechnungsstellung bestehen. Niemals sollte man sich auf Barzahlung einlassen. Das würde seriöse Firmen nicht tun“, so Polizeisprecherin Claudia Tupeit.

Die zuständigen Kripo-Ermittler suchen nun nach möglichen weiteren Opfern oder Hausbesitzern, bei denen ominöse Handwerker mit der gleichen Masche vorgegangen sind. Betroffene oder mögliche Zeugen, die diese Leute beobachtet haben, wenden sich bitte an das Kriminalkommissariat Bergen unter 03838/810221, die Internetwache der Landespolizei M-V unter www.polizei.mvnet.de oder aber jede andere Polizeidienststelle.

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Von Wenke Büssow-Krämer

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