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Rügen Rettung für Windschöpfwerk Lobbe gestartet
Vorpommern Rügen Rettung für Windschöpfwerk Lobbe gestartet
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16:55 12.04.2019
Mit einem Kran wurde die Windrose umgelagert zu dem Platz am Schöpfwerk, wo sie nun unter freiem Himmel repariert werden soll. Quelle: Gerit Herold
Lobbe

Großer Anspannung folgten Erleichterung über einen reibungslosen Ablauf: Ohne Komplikationen und sogar ziemlich zügig wurde das beschädigte Windrad des Lobber Schöpfwerkes mit einem Kran gehoben und versetzt, damit es nun repariert werden kann. Im November letzten Jahres hatte der Sturm das Windschöpfwerk an der Landstraße zwischen Middelhagen und Lobbe komplett zerstört. Die etwa zehn Zentimeter starke Sicherungsmutter am rund 20 Meter hohen Mast war weggesprungen und die im Durchmesser knapp zehn Meter breite und über zwei Tonnen schwere Windrose schließlich zu Boden gekracht und zerquetscht. Viele Teile waren dabei kaputt gegangen. Danach war unklar, wie es weitergeht. Denn schnell war sicher: Die Reparatur des über 100 Jahre alten technischen Denkmals, das dem Wasser- und Bodenverband Rügen gehört, wird sehr aufwendig und teuer. Viele Einheimische, Urlauber und Rügenliebhaber befürchteten, dass diese Mönchguter Landmarke verschwinden könnte.

Große emotionale Bedeutung

Doch nun stehen alle Zeichen auf Wiederherstellung des Rügener Wahrzeichens. Die Gemeinde Mönchgut will das historische Schöpfwerk in Eigenregie wieder aufbauen. Am Montag fiel dazu der Startschuss. „Wir haben nach Lösungen gesucht und sind froh, dass nun etwas passiert. Die Wassermühle, also de Watermöhl, wie sie hier genannt wird, ist von großer emotionaler Bedeutung und ein Symbol für die Mönchguter“, weiß Bürgermeister Detlef Besch. Wer den Landstrich verlässt, ist bei der Heimkehr wieder „to Hus“, wenn er das Schöpfwerk erblickt.

Dessen zerdrückte Windrose liegt seit Monaten am Boden. Nun rollte schwere Technik an, um das Teil von der Straße weg nach hinten auf die Wiese zu hieven, wo es gesichert und anschließend repariert werden kann. Diesen Part des Umsetzens übernahm Lange Krandienst und Transporte aus Grimmen. Hierbei war Balance gefragt. Denn das 2, 5 Tonnen schwere Windrad musste möglichst senkrecht gehoben und transportiert werden, damit es nicht den Mast oder den Zaun umreist. Das technische Spektakel hatte am Montagvormittag zahlreiche Mönchguter Männer aus der Umgebung angelockt. Aber auch Radfahrer und Wanderer auf dem Deich gegenüber blieben neugierig stehen und beobachteten die Szenerie. Arne Fründt, amtierender Leitender Verwaltungsbeamter im Amt Mönchgut Granitz, dirigierte die Arbeiten und legte selbst mit Hand an. Nachdem das Windrad mit Seilen gesichert wurde, zog der Kran es ganz langsam in die Höhe. Leicht baumelnd schwebte die riesige Windrose am Haken und wurde dann in einer Punktlandung mit der Achse genau auf den vier Paletten sachte abgelegt. Arne Fründt, der auch Amtswehrführer ist, klatschte erfreut in die Hände: „Sehr gut, wunderbar! Besser als gedacht!“

Spendenkonto wird eingerichtet

Bis zum Herbst sollen die Flügel der Wassermühle durch freiwillige Helfer wieder auf Vordermann gebracht werden. Die Reparaturkosten für eine Fachfirma im sechsstelligen Bereich würden das Budget der Gemeinde sprengen, so Bürgermeister Detlef Besch. Zur Finanzierung wird jetzt noch ein Spendenkonto eingerichtet. Die ehrenamtlichen Handwerker stehen indes schon parat. Berthold Wulf aus Groß Zicker und Hans-Dieter Tilly aus Göhren wollen das Windrad wieder flottmachen. „Wir sind Rentner und gelernte Schlosser“, so Tilly. Er ist optimistisch, dass das Vorhaben gelingt und erinnert sich gern an seine Kindheit zurück. „Wenn das Schöpfwerk mal ausfiel, dann liefen die Wiesen voll Wasser und wir haben hier Stichlinge geangelt. Im Winter konnten wir Schlittschuhe laufen.“ Berthold Wulf tut der jetzige Zustand in der Seele weh. „Es ist eine Schande, das jeden Tag zu sehen, wenn man vorbeifährt. Wir wollen das Wahrzeichen wieder in Gang setzen.“ Damit die nötigen Schweißarbeiten vor Ort möglich sind, muss noch für Kraftstrom gesorgt werden.

Im Jahre 1920 wurde das Lobber Schöpfwerk mit der Archimedischen Schnecke errichtet. Das „Western-Windrad“ diente zum Abschöpfen von Wasser. Die Grün- und Röhrichtflächen rund um den Großen Lobber See wurden damit entwässert. Heute ist es das einzige dieser Art in Deutschland. Stürme hatten dem Windrad in der Vergangenheit schon mehrfach zugesetzt. In den Jahren 1987 bis 1988 reparierten die Mitarbeiter VEB Meliorationskombinat Rostock, Betriebsteil Gingst, die beschädigte Windrose und setzten sie wieder oben drauf. Die eigentliche Arbeit des Schöpfwerkes hatte aber längst eine elektrische Pumpe übernommen.

Stürme schädigten mehrfach Windrose

Von 1996 bis 1997 wurde das Schöpfwerk schließlich aufwendig rekonstruiert. Die Restaurierung kostete 326 000 Mark und wurde vom Land und vom Bund unterstützt. 17 000 Mark musste der Wasser- und Bodenverband aus eigener Tasche aufbringen. Die Rekonstruktion hatte die Firma Köster aus Heide (Schleswig-Holstein) übernommen, die das Lobber und auch ein Großteil der anderen Rügener Windschöpfwerke, die es einst gab, gebaut hatte.

Vor über zehn Jahren hatte ein Sturm die Windrose erneut demoliert. Mitte November 2006 musste sie demontiert werden, weil mehrere Befestigungsschienen verbogen und gebrochen waren. Die Reparatur hatte damals rund 12 000 Euro gekostet. Seit drei Jahren ist das Windschöpfwerk wegen baulicher Mängel und hoher Wartungskosten nicht mehr in Betrieb im ursprünglichen Sinne. Der Aufwand und die Instandhaltungskosten (über 60 000 Euro allein von 2013 bis 2017) waren zu groß. Zudem müsste ein Mitarbeiter oft vor Ort die Technik betreuen.

Kurverwaltung soll Eigentümer werden

Um das Bauwerk langfristig zu erhalten, soll es in das Anlagevermögen der Kurverwaltung übergehen, so Bürgermeister Detlef Besch. Das hält auch Torsten Schulze, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes Rügen, für die beste Lösung. „Das ist der richtige Weg. Die Kosten für ein Schöpfwerk, das man nicht zum Pumpen braucht, sondern ein Museumsstück ist, sind am besten auch durch den Tourismus zu tragen und nicht durch den vom Schöpfwerk begünstigten Landwirtschaftsbetrieb.“ Die Umsetz-Aktion der Windrose hatte der Wasser- und Bodenverband finanziell übernommen.

Das Lobber Windschöpfwerk ist nicht nur ein Stück regionale Zeitgeschichte, sondern auch ein touristischer Anziehungspunkt und ein beliebtes Fotomotiv. Als Identiifikationsmarke ist es zudem auf etlichen Logos zu finden – so auf dem der Gemeinde Mönchgut, des Mönchguter Museumsfördervereins, des Tourismus- und Gewerbevereins Mönchgut sowie des Segelsportvereins Middelhagen.

Durch den Aufprall wurden die Flügel stark zerdrückt. Quelle: Gerit Herold

Gerit Herold

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