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Rügen Rosenstadt Putbus: Keiner holt die Urkunde ab
Vorpommern Rügen Rosenstadt Putbus: Keiner holt die Urkunde ab
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07:00 28.06.2018
Die Rosenfreunde hatten einst die Reise nach Rügen nicht gescheut: Hans-Peter Mühlbach, Präsident der Gesellschaft Deutscher Rosenfreunde, und Rosendoktor Gerhard Prill (r.) fachsimpelten bei der ersten Begehung imAugust 2015 über die Königin der Blumen.
Die Rosenfreunde hatten einst die Reise nach Rügen nicht gescheut: Hans-Peter Mühlbach, Präsident der Gesellschaft Deutscher Rosenfreunde, und Rosendoktor Gerhard Prill (r.) fachsimpelten bei der ersten Begehung imAugust 2015 über die Königin der Blumen. Quelle: Uwe Driest
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Putbus

Eine Stadt wird mit einem Titel geehrt, den keine andere in Mecklenburg-Vorpommern hat – aber niemand bekommt es mit. So geschehen in Putbus. Die Gesellschaft Deutscher Rosenfreunde hat auf dem diesjährigen Rosenkongress in Bad Nauheim (Hessen) diesen Titel den Putbussern verliehen. Aber die „glänzten“ mit Abwesenheit. Dies monieren vor allem Stadtvertreterin Julia Präkel (CDU) und die Mitglieder des Fördervereins Residenzstadt und Schlosspark Putbus.Mitglied in der Gesellschaft Deutscher Rosenfreunde ist die Stadt seit drei Jahren. Daraufhin wurde sich beworben, den Titel „Rosenstadt“ zu erhalten. Auf dem Kongress in Bad Nauheim, der am vergangenen Wochenende stattfand, hat Putbus öffentlich diesen Titel erhalten – im zweiten Anlauf. Der erste Antrag war abgelehnt worden. Beanstandet wurde im Ergebnis des Rundganges im August 2015 unter anderem, dass bereits veredelte Rosen nochmals veredelt worden sein sollen, und dass es neben den Stamm- kaum Strauch- oder Kletterrosen gebe. Zudem müsse der Pflegezustand der Rosenbeete am Bahnhof verbessert werden (die OZ berichtete).Die Stadtverwaltung sei von dieser Ehrung allerdings nicht in Kenntnis gesetzt worden. Laut Bürgermeisterin Beatrix Wilke (parteilos) habe Putbus eine Einladung zur Mitgliederversammlung bekommen, aber ohne den Hinweis dieser Ehrung. Während der vergangenen Sitzung der Stadtvertretung machte sie auch den derzeitigen Personalmangel in der Stadtverwaltung geltend. Deshalb habe man sich entschlossen, nicht nach Bad Nauheim zu fahren.Dass es sehr wohl eine Einladung gegeben hat, ist in der Dezember- Ausgabe der von der Stadt herausgebenen „Putbusser Nachrichten“ dokumentiert. Dort informiert die Bürgermeisterin auf Seite 3 über ein am 13. November eingegangenes Schreiben der Gesellschaft deutscher Rosenfreunde. In dem heißt es: „Wir haben ... entschieden, dass der Deutsche Rosenkongress 2018 in Bad Nauheim/Steinfurth der geeignete Rahmen für die offizielle Verleihung des Titels an die Rosenstadt Putbus ist. Als Bürgermeisterin der Stadt Putbus sind Sie herzlich eingeladen, an dem Kongress teilzunehmen und die Urkunde in Empfang zu nehmen.“ Weiter ist zu lesen, dass Beatrix Wilke dem einstigen Putbusser „Rosendoktor“ Gerhard Prill „die freudige Nachricht mitgeteilt und ihn eingeladen habe, an der Übergabe der Urkunde teilzunehmen“. Prill wohnt seit Mitte 2017 in Rostock. Auf dem Weg ins Hessische hätte man ihn dort abholen können – zeitiges Losfahren vorausgesetzt. Die Jahreshauptversammlung des Rosenkongresses mit Titelverleihung begann am vergangenen Sonnabend bereits um 8.30 Uhr in der Trinkkurhalle Bad Nauheim – ohne die Stadt Putbus.Ein Unding für CDU-Fraktionschefin Julia Präkel: „Es ist unverständlich, wie mit dieser Einladung umgegangen wird. Wir wissen seit November 2017, dass wir diesen Titel erhalten. Es wäre ein Zeichen der Anerkennung für die Arbeit gewesen, die im Vorfeld geleistet wurde.“ Aus ihrer Sicht hätte die Stadt auch Mitglieder des Fördervereins bitten können, nach Hessen zu reisen, um diesen Titel entgegenzunehmen. „Das ist aber nicht geschehen“, sagt sie.Auch die Mitglieder des Fördervereins sind verärgert. „Ich finde es unverschämt, dass die Stadt die Präsentation dieses seltenen Titels ignoriert hat. Denn schließlich kann man aus Sicht des Stadtmarketings künftig damit werben. Mitglieder des Fördervereins wären gern nach Bad Nauheim gereist, wir hätten nur delegiert werden müssen“, sagt Hans Ullrich Hilden vom Verein. Die Anerkennung schon deshalb, da sich Ehrenamtliche zweimal pro Woche jeweils zwei Stunden lang um die Pflanzen kümmern. Aktuell sind sie mit dem Rückschnitt der Blüten beschäftigt.„Nun kann man daran nichts mehr ändern. Der Titel wurde uns trotzdem zuerkannt, und die Urkunde ist auf dem Weg zu uns“, sagt er. Hans Ullrich Hilden hat dieses Thema abgehakt und bereitet sich auf das Rosenfest vor, das anlässlich der Verleihung am 4. August im Innenhof der Orangerie stattfinden soll. Die Organisation übernimmt der Förderverein in Zusammenarbeit mit dem Förderverein der Feuerwehr und Unterstützung der Stadt. „Es wird einen Infostand geben. Wir hoffen, dass bis dahin der Rosenkalender für 2019 gedruckt ist“, sagt er. Vereinsmitglied Hannelore Sievert wird zudem Besucher durch die „Weiße Rosenstadt“ führen.

OZ