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Rügen Rüganer kämpft um Vergangenheit der Insel
Vorpommern Rügen Rüganer kämpft um Vergangenheit der Insel
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11:33 23.11.2018
Burkhard Perleberg an einem der Opfersteine: Der 74-Jährige findet die Umlagerung dieser Relikte unwürdig. Quelle: Jens-Uwe Berndt
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Hagen/Sassnitz

Für Burkhard Perleberg ist Rügen vor allem Natur und ganz viel Historie. Wenn der 74-jährige einstige Taxi-Unternehmer aus Hagen durch den Nationalpark rund um den Königsstuhl wandert und Freunde oder Urlauber im Schlepptau hat, erzählt er ihnen voll Leidenschaft Geschichten und Sagen aus Rügens Vergangenheit, die bis in die vorchristliche Zeit zurückreicht. Dabei spannt er einen Bogen von Sagen über die Göttin Hertha bis hin zu jener Zeit, in der er als Junge an der Steilküste Maiglöckchen pflückte und diese jung verliebten Urlauberpäärchen feil bot. Heute sieht Perleberg den Charakter seiner Heimatinsel verschwimmen. Und auch deshalb kämpft er – manchmal durchaus verbissen – um alles, was ihm erhaltenswert erscheint.

50 Meter fehlen schon

Ganz vorn steht dabei der Abstieg am Königsstuhl, der seit einem Erdrutsch (ein Baum war entwurzelt) im Mai 2016 gesperrt ist. War anfangs noch von einer Reparatur die Rede, steht jetzt nur noch ein Rückbau zur Debatte. Ohne Ersatz. Und zum Schutz von Urlauber und Insulaner, die sich hier angeblich in große Gefahr begeben würden. Mittlerweile gibt es mehrere Initiativgruppen auf Rügen, die um den Erhalt dieses Abstieg ringen. Unterstützt von unzähligen Urlaubern, denen diese Attraktion fehlt. „Ich glaube nicht, dass die Gefahren am Hang so groß sind, dass hier keine Treppe mehr existieren darf“, sagt Perleberg, der erste Rückbauarbeiten mit Skepsis verfolgt. Denn nicht nur der Bereich des Abbruchs unmittelbar am Strand ist bereits von den hölzernen Stufen befreit worden. Auch mittendrin fehlt ein 50 Meter langer Abschnitt. Laut Dezernatsleiter Dr. Ingolf Stodian, der fürs Nationalparkamt Jasmund verantwortlich ist, sind das Spuren der ersten Rückbauarbeiten, die spätestens Ende 2019 abgeschlossen werden sollen. Die betreffende Stelle sei besonders von Fäulnis befallen gewesen. Denn auch wenn die Treppe gesperrt sei, versuche das Amt, Urlauber und Einheimische vor Unfällen zu bewahren. „Es gibt dort nämlich immer noch regen Verkehr“, sagt Stodian. „Das sehen wir an den Spuren. Vermutlich sind das aber vor allem Insider, denn Ortsunkundige wissen nicht, wie man die Sperre oberhalb der Treppe umgehen kann.“

„Vorfahren missachtet“

Perlebergs zweite Sorge gilt einer Pumpe im unteren Drittel des Abstiegs, die hier nach seinen Angaben um 1910 installiert worden sei. „Sie diente einmal zur Wasserversorgung des königlichen Hotels ,Zur Stubbenkammer’“, erzählt der Hagener. „Schon zu DDR-Zeiten rottete sie vor sich hin. Und obwohl die Schmidsche Pumpe 2004 unter der Nummer 870 in die Denkmalschutzliste eingetragen wurde, ist für ihren Erhalt bisher nichts getan worden.“ Für Ingolf Stodian kein Thema. „Um etwas über die Zukunft der Pumpe zu erfahren, muss man sich an die Denkmalschutzbehörde des Landkreises wenden.“ Schließlich sind da noch zwei so genannte Sagensteine, von denen einer als „Opferstein“ bekannt ist. Platziert wurden sie der Legende nach Mitte des 19. Jahrhundert von einem Gastwirt, der damit versuchte, alte Sagen für Touristen zu illustrieren. Auf dem Opferstein sollen zum Beispiel in vorchristlicher Zeit Jünglinge hingerichtet worden sein, die Göttin Hertha beim Baden in dem später nach ihr benannten See sahen. Und der Sagenstein zeigt angeblich zwei bei einem Gottesurteil abgegebene unterschiedlich große Fußabdrücke von ein und derselben Priesterin, die sich entgegen ihrer Bestimmung in den Schluchten um den Königsstuhl mit einem Geliebten vergnügte. „Es ist eine Missachtung der Arbeit unserer Vorfahren und der einheimischen Bevölkerung, dass die Steine einfach so umgesetzt wurden“, ist Perleberg sauer. „Jetzt liegen sie würdelos am Wegesrand.“ Ingolf Stodian versteht die Aufregung nicht. „Sie lagen 30 Meter abseits vom Weg an einem Pfad. Dort hätten wir unserer Verkehrssicherungspflicht nachkommen und womöglich 17 Bäume abholzen müssen. So haben bei der Denkmalbehörde erkundigt, ob es sich um Bodendenkmäler handelt.“ Dies sei nicht der Fall gewesen. Vielmehr handele es sich um Relikte einer frühen Form, die Insel für Touristen attraktiver zu machen.

Jens-Uwe Berndt

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