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Rügen Rüganerin nimmt durch Lipödem 60 Kilo zu: Langes Warten auf dringende Operation
Vorpommern Rügen

Rüganerin nimmt durch Lipödem 60 Kilo zu: Langes Warten auf dringende Operation

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17:38 17.01.2020
Samantha Lingner wird derzeit von Spezialisten in einer Fachklinik im brandenburgischen Zechlin betreut. Quelle: privat
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Bobbin

Samantha Lingner hat ihre Ausbildung zur Physiotherapeutin erfolgreich beendet. Doch die Freude hielt nicht lange an. Die 19-Jährige muss die schwierigste Zeit in ihrem Leben durchstehen. Die junge Frau aus Bobbin auf Rügen leidet an einer krankhaften Fettverteilungsstörung. Seit 2012 hat sie fast 60 Kilogramm zugenommen. Nach einem Bericht der OSTSEE-ZEITUNG vor einem halben Jahr wartet sie noch immer darauf, dass ihre Beschwerden durch Operationen gelindert werden. Doch diese kosten rund 20 000 Euro, die Krankenkasse lehnte operative Eingriffe bisher ab.

Ihre Krankheit nennt sich Lipödem und ist mit vielen Schmerzen verbunden. Sie beginnen bei längerem Stehen oder Sitzen, werden im Laufe des Tages zunehmend heftiger und können bis ins Unerträgliche anwachsen. Bei dieser Krankheit sind die Kapillargefäße durchlässig. Somit tritt vermehrt Wasser in das umliegende Fettgewebe. Dieses sammelt sich als Ödem zwischen den Fettzellen. Im Verlauf werden Ödeme und Fettzellen immer größer. „Ärzte haben immer Adipositas dahinter vermutet. Doch erst ein Spezialist aus Stralsund erkannte, dass es sich hierbei um Lipödem handelt“, sagt ihre Mutter Manuela (47).

Rasanter Krankheitsverlauf

Die junge Frau wird derzeit in einer Fachklinik im brandenburgischen Zechlin behandelt. „Unsere Patienten erhalten hier unter anderem Lymphdrainagetherapien. Danach legen wir an den betroffenen Stellen Bandagen an“, sagt Fachärztin Motahereh Jabal. Diese werden später durch Kompressionsstrümpfe ersetzt. Damit werden Venenleiden und Beinschwellungen behandelt.

Samanatha Lingner (19, l.) und ihre Mutter Manuela bereiten in Bobbin den maßgeschneiderten Massageanzug vor, der zu einem das Kompressionstherapiegerät gehört. In diesem unterzieht sich die Patientin regelmäßig einer Lymphdrainage.  Quelle: CHRISTIAN ROEDEL

Ihre Krankenkasse DAK-Gesundheit bewilligte bereits diese Reha sowie Kompressionsstrümpfe und ein Kompressionstherapiegerät. Mehrere Stunden pro Woche liegt Samantha Lingner in einem maßgeschneiderten Anzug, in dem eine Art Lymphdrainage erfolgt. Doch bisher ohne Erfolg. Sie hat mittlerweile das schwerste Stadium (Kategorie III) erreicht. Dies hatte Dr. Christian Lau, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie am Stralsunder Helios-Hanseklinikum, in mehreren Gutachten dargelegt. Kollegen aus Zechlin bestätigten diese Gutachten.

Das Lipödem ließe sich aus Sicht des Stralsunder Arztes positiv beeinflussen, doch die Zeit drängt, denn der Krankheitsverlauf erfolge rasant. Es besteht die Gefahr, dass zu viel Fettgewebe auf das Lymphsystem drückt. Dadurch kann sich zusätzlich ein Lymphödem bilden. Dies kann soweit führen, dass sie arbeitsunfähig wird.

Teure Behandlung

Doch die sogenannte Liposuktion ist teuer, drei bis vier Eingriffe seien notwendig, rechnete ihr Arzt damals vor. 3000 Euro kostet eine dieser Behandlungen. Hinzu kommt eine mögliche Hautstraffung. Eine Kostenübernahme erfolgt aber nur in Ausnahmefällen. Der Medizinische Dienst der Krankenkasse (MDK) stufte die 19-Jährige im Juli in die Kategorie II ein. Damit hatte die Familie nicht gerechnet, denn somit kann sie sich keine finanzielle Unterstützung der Krankenkasse erhoffen.

Erkrankung kann zu starken Schmerzen führen

Die Erkrankung betrifft fast ausschließlich Frauen und zeichnet sich durch eine Vermehrung des Fettgewebes seitlich an den Hüften und Oberschenkeln aus. Diese Fettverteilungsstörung kann insbesondere im Stadium III zu starken Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen. Ebenfalls können die Oberarme und die Unterschenkel, Unterarme und der Nacken betroffen sein.

Neben der konservativen Therapie mit Lymphdrainage und Kompression stellt die Liposuktion die einzige Methode dar, die die Beschwerden nachhaltig und langfristig lindern kann.

Eine Liposuktion ist eine Operation, bei der Fettzellen an bestimmten Stellen unter der Haut mit Kanülen abgesaugt werden. Sie wird zumeist als Schönheitsoperation, jedoch vermehrt auch krankheitsbedingt beim Lipödem vorgenommen. Bei diesem Eingriff können die vielen Fettzellen schonend, sanft und nachhaltig abgesaugt werden.

„Bei einem neuen Begutachtungsauftrag wäre die aktuelle Situation zu bewerten. Entscheidend für die Frage, ob eine Patientin eine Liposuktion auf Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung in Anspruch nehmen kann, ist, ob sie an einem Lipödem des Stadiums III leidet“, sagt MDK-Sprecherin Katja Schmidt. Nur ab diesem Stadium sei die Methode derzeit – befristet bis zum 31. Dezember 2024 – und unter strengen Qualitätssicherungsvorgaben als Kassenleistung zugelassen.

Benefizveranstaltung für Samantha

Familie Lingner gibt nicht auf, will stark sein für ihre Tochter und weiter darum kämpfen, eine Unterstützung seitens der Krankenkasse zu bekommen. Freunde und Familienmitglieder haben bereits Geld für Samantha gesammelt. 1200 Euro liegen schon in einer Spendendose, die Familie Lingner Zuhause aufgestellt hat. Sie richtete außerdem für die 19-Jährige ein Unterkonto ein (IBAN: DE27 1307 0024 0215 2247 07; Stichwort: Schenkung für Samantha OP). 800 Euro wurden bereits überwiesen. „Ich bin überwältigt, wie groß die Anteilnahme ist. Viele Menschen wollen unserer Tochter helfen“, sagt Manuela Lingner.

Auch vom Sassnitzer Karnevalklub bekommt sie Unterstützung. Lange Zeit war sie mit den Funken für ihren Verein im Einsatz. Am 11. November 2019 wurde sie (Samantha I.) zusammen mit Felix I. als das neue Prinzenpaar vorgestellt. Doch wegen ihrer Krankheit musste sie jetzt alle Veranstaltungen absagen. „Wir wünschen, dass sich Samantha wieder schnell erholen wird und übermitteln ihr die besten Genesungswünsche“, sagt Vereinspräsident Norbert Benedict. Der Sassnitzer Karnevalklub will nach den Partys im Februar für Samantha eine Benefizveranstaltung organisieren.

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Von Mathias Otto

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