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Rügen Naschwerk entsteht hinter goldener Fassade
Vorpommern Rügen Naschwerk entsteht hinter goldener Fassade
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06:57 27.02.2019
In Sassnitz wurde 1964 die Bäckerei Peters gegründet. Heute produziert das Familienunternehmen in einer Schaubäckerei in Mukran. Quelle: Bäckerei Peters
Mukran

Vor 55 Jahren eröffnete Konditormeister Otto Peters seine nach ihm benannte Bäckerei in Sassnitz. Seitdem hat das Unternehmen immer wieder mit Innovationen aufhorchen lassen. Bei aller Tradition: Ursula Peters und ihr Sohn Nils, die die Firma heute gemeinsam führen, beschreiten mit ihrem Unternehmen gern mal neue Wege und überraschen regelmäßig mit Neuem. 

Vorweg eine Frage zu einem ganz anderen Unternehmen: Der Lila Bäcker ist pleite. Geht es der Branche schlecht? Haben Sie das kommen sehen? War das Wachstum zu stark? Oder machen Sie sich darüber überhaupt keine Gedanken?

Ursula Peters: Natürlich beschäftigt uns das. Die Insolvenz hat uns genauso überrascht wie viele andere Unternehmen und natürlich auch die Kunden. Wir beobachten die Entwicklung selbstverständlich. Worin die Ursachen in dem konkreten Fall liegen, können wir nicht sagen. Wir haben bei der Entwicklung andere Schwerpunkte gesetzt. Für uns heißt wachsen nicht, immer größer zu werden.

Sondern?

Nils Peters: Besser zu werden, innovativ zu sein, sich nicht mit dem Bestehenden abzufinden. Wir stellen uns und unsere Arbeit immer wieder infrage und trennen uns dabei auch von Sachen, die vielleicht vor ein paar Jahren ihre Berechtigung hatten, aber dann durch etwas Neues ersetzt oder weiterentwickelt werden müssen. Wir wollen nicht die Größten sein. Schnell und beweglich auf dem Markt zu agieren, ist uns viel wichtiger und mit der derzeitigen Größe auch gut machbar.

Nun haben sie erst vor kurzem zwei Filialen geschlossen, im Bergener Famila-Markt und bei Netto in Sassnitz – weil das Unternehmen zu groß geworden war?

Nils Peters: Nein, das hatte mit der Größe nichts zu tun. Am früheren Standort in Bergen haben wir einfach keine Chance gesehen, das Angebot weiterzuentwickeln. Deshalb haben wir dort „die Seile gekappt“. Aber wir wollen in Bergen an anderer Stelle künftig stärker zu sehen sein. Beim Backshop im Sassnitzer Netto-Markt ist unsere Entscheidung, den Mietvertrag nicht zu verlängern, in erster Linie eine wirtschaftliche. Die Umsätze waren seit Jahren rückläufig. Aber wir werden uns etwas Neues einfallen lassen.

Seit kurzem findet man Brot von der Bäckerei Peters auch direkt in den Regalen der Einkaufsmärkte. Ist das die Zukunft?

Nils Peters: Das ist ein neuer Vertriebsweg, den wir jetzt beschritten haben. Bei Edeka in Bergen und Stralsund haben wir eigene Regale in den Märkten, gleich neben den Produkten der großen, industriellen Hersteller. „Unsere kleinsten Filialen“, nennen wir dieses Konzept. Es wird – wo es passt – parallel zu den bisherigen Vertriebswegen mit den Cafés, Filialen und dem Versand umgesetzt. Wir tauchen also auch immer mal an Orten auf, an denen man uns nicht erwartet.

Begonnen hatte 1964 alles in Sassnitz in einer kleinen Backstube . . .

Ursula Peters: Ja, in der Hauptstraße 19 hatte mein späterer Ehemann einen kleinen Betrieb gegründet und sich selbstständig gemacht. Dass daraus ein Familienbetrieb wird, war anfangs gar nicht abzusehen.

Aber doch spätestens 1967, nachdem Sie geheiratet hatten, oder?

Ursula Peters: Letztlich ja. Ich stamme aus Dresden, war dort als Zeichnerin mit der Konstruktion von Chemieanlagen beschäftigt. Ich folgte meinem Mann auf die Insel, aber hier gab es ähnliche Stellen nicht, schon gar nicht in der Branche. Also habe ich dann meinen Mann unterstützt, vorwiegend bei der Buchhaltung, dann aber zunehmend auch in der Backstube. Dort wurden ja alle Hände gebraucht.

Fiel Ihnen der berufliche Wechsel leicht?

Ursula Peters: Wenn ich ehrlich sein soll: Ich habe nie besonders gern gebacken. Im Gegensatz zu meinem Mann. Zu Hause musste ich das ja auch nicht, weil wir immer frischen Kuchen aus unserer Backstube hatten. Und ich hatte auch das Gefühl, dass ich die Brötchen nicht so schnell formen konnte wie die anderen. Aber die Handgriffe sitzen heute noch.

War der Weg für Ihren Sohn, den Familienbetrieb weiterzuführen, vorgezeichnet?

Ursula Peters: Nein, im Gegenteil. Wissen Sie, es war ja für uns selbstständige Bäcker in der DDR nicht ganz einfach. Bei der Belieferung mit Zutaten standen wir hintenan. Wie oft sind wir mit unserem Trabant Kombi und einem Hänger durch die Kleingartensparten gezogen, um Stachelbeeren, Kirschen oder Erdbeeren zu kaufen. Die Bedingungen wurden ja nicht besser. Deshalb hätten wir es anfangs viel lieber gesehen, wenn Nils einen anderen Beruf erlernt, in dem er seinen Unterhalt hätte leichter verdienen können.

Nils Peters: Aber ich wollte unbedingt Bäcker werden, schon als kleiner Junge. Ich fand, das passte als Gegensatz auch gut zum Beruf meines Vaters, der Konditor war. Mit 16 bin ich dann nach Bremerhaven gegangen und habe eine Bäckerlehre begonnen.

Und das war der richtige Beruf?

Nils Peters: Absolut. Das hat mir Spaß gemacht. Ich habe sogar in den Ferien während der Lehrzeit mit Teig „experimentiert“ und zu Hause in unserer Backstube ein Brot entwickelt, das noch heute in unserem Sortiment ist - „der kleine Peters“.

Als 2010 der Firmengründer Otto Peters starb, war es für Sie klar, dass Sie die Nachfolge antreten würden?


Nils Peters: Ja. Den Generationenwechsel hatten wir auf dem Papier schon 2003 eingeläutet und gemeinsam mit meinen Eltern gestaltet. Das lief insofern reibungslos.

Funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Mutter und Sohn auch so harmonisch?

(Beide sehen sich an und lachen) Nils Peters: Doch, das funktioniert sehr gut. Meine Mutter steht mir nach wie vor beratend zur Seite und ist ein wichtiges Korrektiv. Dabei ist sie klug und sehr zurückhaltend. In unserem betriebsamen Alltagsgeschäft ist sie es, die bei Entscheidungen Ruhe reinbringt und manchmal auch zur Geduld mahnt. Gleichzeitig ist sie neuen Ideen gegenüber sehr aufgeschlossen und trägt nach wie vor tatkräftig zu deren Umsetzung bei.

Eine davon soll noch in diesem Jahr umgesetzt werden, haben Sie schon mal durchblicken lassen. Können Sie da ein bisschen mehr erzählen?

Nils Peters: Neben unserer Bäckerei in Mukran werden wir eine gläserne Eismanufaktur bauen. Das Gebäude soll eine goldglänzende Fassade bekommen, in Anlehnung an die Schachteln, in die wir unsere Torten verpacken. In die Manufaktur werden wir dann die Eis- und Patisserieproduktion verlagern. Die Verbindung zwischen Patisserie, also Feingebäck, Konditorei und Eis ist sehr alt. Wir wollen aber nicht einfach eine Eisdiele nach italienischem Vorbild, sondern uns auf unsere Stärken als Bäcker und Konditoren besinnen und beides miteinander kombinieren.

Können Sie dafür mal ein praktisches Beispiel nennen? Und was für Eis werden Sie dort herstellen?

Nils Peters: Nehmen wir mal den beliebten Sahnering: Aus den Zutaten, einem Brandteig, Kirschen und Sahne, entwickeln wir eine Eiskreation, die in unseren Cafés frisch zubereitet und serviert werden. Man kann sich aber auch einfach eine Kugel in eine Waffel oder einen Becher füllen lassen. Neben den Klassikern wie Schokolade und Vanille wollen wir auch Sorten wie Sanddorn-Vanille-Meersalz oder Apfelkuchen anbieten. Alles aus natürlichen Zutaten und mit möglichst wenig Zucker.

Maik Trettin

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