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Rügen 150 Euro und viele Handys: Rügens Strände entpuppen sich als Fundgrube
Vorpommern Rügen

Rügen: Das passiert mit Fundsachen auf der Insel

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10:00 09.01.2022
Ronald Prinz holte bei Catherina Wegner vom Infopunkt des VVR in Bergen auf Rügen für seine Tochter deren Turnbeutel mitsamt Turnschuhen, Schirm und Mütze ab.
Ronald Prinz holte bei Catherina Wegner vom Infopunkt des VVR in Bergen auf Rügen für seine Tochter deren Turnbeutel mitsamt Turnschuhen, Schirm und Mütze ab. Quelle: Uwe Driest
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Rügen

Allein in der Mittagspause öffnete sich die Tür am Infopunkt der VVR in Bergen dreimal, weil Schüler oder Eltern Gegenstände abholen wollten, die sie im Bus vergessen hatten. Ein Sechstklässler freute sich über sein Smartphone, eine Frau kam mit ihrer Tochter, welche ihr Portemonnaie inklusive Fahrkarte vergessen hatte und Ronald Prinz holte für seine Tochter deren Turnbeutel mitsamt Turnschuhen, Schirm und Mütze ab.

Die meisten Dinge werden an den Stränden der Ostsee verloren oder zurückgelassen. Quelle: Stefan Sauer

Catherina Wegner vom Infopunkt am Bergener ZOB nimmt vergessene oder verlorene Dinge entgegen und deponiert sie im Raum hinter ihrem Schalter. „Die Sachen stammen überwiegend aus dem Schülerverkehr. Vieles wird abgeholt, was übrig bleibt, geben wir nach vier Wochen ans DRK in Tilzow“, sagt sie. Andernfalls würde das Regal in dem schmalen Raum wohl auch überlaufen. Allein aus den vergangenen zwei Monaten stapeln sich darin 17 Taschen oder Rucksäcke. Hinzu kommen kartonweise Mützen, Schals und Handschuhe.

Die meisten Dinge gehen am Ostseestrand verloren

So schnell wird die Stadt Bergen ihre Fundsachen nicht wieder los. Als einziges Amt der Insel stellt die Inselhauptstadt abgegebene Fundsachen, „die noch keinem Eigentümer zugeführt werden konnten“, auf ihrer Internetseite ein. Von Anfang Juni bis Ende September waren das neben acht Schlüsselbunden, vier Fahrrädern und einem E-Scooter auch ein Portemonnaie mit Bargeld, ein Kuschel-Schaf, ein schwarzes Oberhemd, ein Rucksack, Handy, Fotoapparat sowie – wohl das kurioseste Fundstück – ein Blutzucker-Messgerät.

Schlüssel und Portemonnaies gehen häufig verloren. Quelle: Wenke Büssow-Krämer/Imago

Ein halbes Jahr müssen die Fundbüros der Insel abgegebene Gegenstände aufbewahren. Danach haben zunächst die Finder einen Anspruch darauf. „Wir fragen schon bei Abgabe, ob Interesse besteht, und machen gegebenenfalls eine Notiz im System“, sagt Jörg Schwerin vom Fundbüro in Binz. In dem Ostseebad werden inselweit die meisten Gegenstände verloren und gefunden. So etwa 300 Fundsachen seien das in jedem Jahr, schätzt Schwerin. „Die werden bei uns überwiegend am Strand und auf der Promenade verloren oder vergessen.“ Ein Drittel davon seien Handys und Kameras, der Rest setzt sich aus Schlüsseln, Schmuck und Brillen oder Ausweisen und Führerscheinen zusammen.

Handy-Daten werden gelöscht und das Gerät verschrottet

Auch jeweils ein rundes Dutzend Fahrräder seien dabei, die meist gestohlen und wieder abgestellt wurden. Wegen der vielen Fundsachen hat sich das Ostseebad eigens ein Programm angeschafft, das Verlustanzeigen und Fundmeldungen abgleicht. Kommt es zu einer Übereinstimmung, wird der Eigentümer benachrichtigt. „Wenn nicht, bewerten wir die Dinge und entscheiden dann, was damit geschieht.“ Handys werden einem Anbieter übergeben, der die Daten löscht und das Gerät entsorgt. Die Software der Binzer kann abfragen, ob nach einem Gegenstand gefahndet wird. „In dem Fall geht automatisch eine Nachricht an die Polizei.“ Fahrräder werden an Interessenten verkauft, eine Versteigerung war bislang noch nicht nötig.

In manchen Kommunen werden Fundsachen versteigert, darunter oftmals auch Fahrräder. Quelle: Dietmar Lilienthal

Eine solche plant die Stadt Sassnitz in naher Zukunft. „Wir hatten zwar viele Anfragen wegen Verlusten, aber kaum Funde“, sagt Claudia Klemens vom Ordnungsamt der Hafenstadt. Gleichwohl sei in den vergangenen Monaten vieles liegen geblieben. „Wenn die Verwaltung wieder vollzählig ist, planen wir eine Versteigerung von Fundsachen, die wir dann auch öffentlich bekannt geben.“ Zuvor müssten aber auch noch Finder gefragt werden, ob sie einen Anspruch geltend machen möchten.

Ehrliche Finderin gab drei 50-Euro-Scheine ab

Eine eher übersichtliche Sammlung von Gegenständen verwaltet auch Angela Duhm für die Stadt Putbus. „Von den 27 Fundsachen des vergangenen Jahres konnten wir zehn wieder an den Mann bringen“, sagt sie. Beim Rest handele es sich weniger um Wertsachen, sondern um Alltagsgegenstände wie Regenschirme. „Gute Fahrräder sind bei Findern beliebt, schlechte verschrotten wir nach einem halben Jahr.“ Von spektakulären Funden kann in diesem Jahr zwar auch Kerstin Clement vom Amt Nord-Rügen in Sagard nicht berichten, aber sie erinnert sich daran, dass sie vor einigen Jahren tatsächlich einmal eine verzweifelte Ehefrau mit dem Fund ihres Eherings glücklich machen konnte.

Ronald Prinz holte für seine Tochter deren Turnbeutel mitsamt Turnschuhen, Schirm und Mütze ab. Quelle: Uwe Driest

Über eine ehrliche Finderin freute sich auch Andreas Wulff vom Haus des Gastes in Juliusruh. „Eine junge Frau gab bei uns drei 50-Euro-Scheine ab, die sie ohne Portemonnaie am Strand gefunden hatte“, erzählt er. „Nach einem halben Jahr kann sie das Geld hier wieder abholen.“ Von einem zweiten ebenfalls eher seltenen Fund kann Wulff berichten – einem analogen Foto-Apparat, in dem noch ein Film ist. Dass der noch funktioniert, hat Wulff ausprobiert, und wenn der Eigentümer sich meldet, darf er sich über ein Bild vom Weihnachtsbaum in der Rotunde des Breeger Fundbüros freuen.

Von Uwe Driest