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Rügen 50 Jobs betroffen: Rügen Feinkost macht zu
Vorpommern Rügen 50 Jobs betroffen: Rügen Feinkost macht zu
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10:47 26.03.2019
Der Sassnitzer Standort der Homann Feinkost GmbH wird geschlossen. Quelle: Uwe Driest
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Sassnitz

Die Homann Feinkost GmbH gibt den Standort in Sassnitz auf. Das erfuhren die rund 50 fest angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch die Unternehmensleitung auf einer Betriebsversammlung Ende vergangener Woche. Damit schließt zugleich der letzte Betrieb des Unternehmens in Mecklenburg-Vorpommern. Zu den Gründen äußerte sich das Unternehmen zunächst nicht. Auf die Leistung der Belegschaft am Standort Sassnitz sei die Entscheidung der Unternehmensleitung schwerlich zurückzuführen, meint Werkleiter Stephan Wycisk. „Wir haben im vergangenen Jahr die Rekord-Marke von 4000 Tonnen Matjes überschritten und gehen erhobenen Hauptes.“ Die Belegschaft habe die Nachricht gefasst aufgenommen. Viele hätten sich schnell um andere Jobs beworben.

„Wir verurteilen die Schließung“, sagt Jörg Dahms, Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Neubrandenburg. „Wieder gehen gewerbliche Arbeitsplätze außerhalb des Tourismus ausgerechnet auf Rügen verloren.“ Das sei nach der Schließung des Garzer Standorts vor fünf Jahren und dem Aus der Bergener Molkerei kein gutes Signal. „Wo kein Betriebsrat und damit kein Widerstand existiert, ist eine solche Maßnahme naturgemäß leichter durchsetzbar“, so Dahms.

Jörg Dahms, Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten Quelle: Norbert Wiaterek

Mitarbeiter sollen Abfindunng bekommen

OZ-Informationen zufolge werden die Beschäftigten voraussichtlich nicht ganz leer ausgehen. Das Unternehmen soll sich bereit erklärt haben, einen freiwilligen Sozialplan zu erstellen. Danach würden die Mitarbeiter für jedes Beschäftigungsjahr die Hälfte ihres Einkommens als Abfindung erhalten. „Das Gewissen muss schon sehr schlecht sein, dass sich das Unternehmen genötigt sieht, Abfindungen zu zahlen“, kommentiert das der Gewerkschafter. „Ein Betriebsrat hätte allerdings leicht das Doppelte für die Beschäftigten herausgeholt“, so Dahms.

Die Ernährungswirtschaft sei in Mecklenburg-Vorpommern die stärkste Branche im verarbeitenden Gewerbe, weiß Rolf Kammann, Geschäftsführer der Wirtschaftsfördergesellschaft Vorpommern. „Es ist bitter, wenn auf Rügen ausgerechnet die Ernährungswirtschaft weiter ausdünnt, die bis dahin prägend war.“ Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) kommentiert: „Der Schritt ist eine unternehmerische Entscheidung, die bedauerlich ist. Gerade für die Insel Rügen, die um jeden Industriearbeitsplatz kämpfen muss, ist das ein herber Schlag. Sollte Gesprächsbedarf bestehen, sind wir dazu bereit.“ Der Landrat bedauere zutiefst jeden Arbeitsplatzverlust, heißt es auch aus dem Landratsamt. „Wir hoffen, dass die Menschen bald wieder – möglichst in der Fischveredelung - in Arbeit kommen“, so Sprecher Olaf Manzke.

Gerüchte über Verlagerung nach Polen

Der Wunsch könnte in Erfüllung gehen. Dem Vernehmen nach soll die nur wenige hundert Meter entfernt ebenfalls am Sassnitzer Hafen gelegene Rügen Fisch AG derzeit auf der Suche nach Personal sein. Nicht alle Beschäftigten würden indes davon Gebrauch machen wollen. Sie ginge im September ohnehin in Rente, sagt eine Mitarbeiterin aus der Produktion. Eine Polin, die als Leiharbeiterin bei Homann Feinkost in Sassnitz arbeitet, zuckt mit den Schultern und plant nun die Rückkehr in ihre Heimat. Dort könnte sie sich womöglich wieder auf ihre alte Tätigkeit bewerben, denn schon tauchen Gerüchte auf, die Betriebsstätte werde nach Polen verlagert. Für die Verarbeitung zu Matjes würde sich lediglich Hering aus der Nordsee eignen, den Homann Feinkost auch von Euro Baltic aus Mukran bezogen habe. Der weitere Transport bis ins Nachbarland könne sich offenbar rechnen.

 „In Sassnitz wird in letzter Zeit ohnehin schon weniger Fisch angelandet“, mahnt Arno Vetterick, Geschäftsführer der Zentralen Absatzgenossenschaft in der Hafenstadt. „Wir müssen aufpassen, dass der Standort Fischerei- und Wirtschaftshafen nicht gefährdet wird.“ Eine Stellungnahme des Unternehmens, das zur Unternehmensgruppe von Theo Müller (“Müller Milch“) gehört, war am Montag nicht zu bekommen.

Uwe Driest

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