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Rügen Rügen-Hotel: Luxus-Urlaub für 60 Mark
Vorpommern Rügen Rügen-Hotel: Luxus-Urlaub für 60 Mark
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00:00 20.05.2016
1968 begann der Bau des Neungeschossers oberhalb des Sassnitzer Hafens durch den schwedischen Konzern Svenska Industribyggen AB (SIAB). Bereits ein Jahr später wurde es eröffnet. Quelle: Max Bachmann / Stadtarchiv Sassnitz
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Sassnitz Es gehörte einst zu den ersten Adressen auf Rügen, stand wie kaum ein anderes Haus der Insel für den internationalen Tourismus in der DDR. Im Sassnitzer Rügen-Hotel trafen sich Ost und West beziehungsweise Nord und Süd, konnten die Rüganer ein bisschen den Duft der weiten Welt und des Intershops schnuppern und Luxus genießen. Petra Stahnke und Henning Dost haben jahrelang in dem markanten Haus am Meer gearbeitet. Jetzt organisieren sie im legendären 9. Stock ein Treffen aller ehemaligen Mitarbeiter des einstigen Mitropa-Hotels. Wir sprachen mit Henning Dost, einem der früheren Geschäftsführer des Hauses.

Um die Mitropa-Zeit des Rügen-Hotels geht es bei einem Treffen früherer Mitarbeiter

Die Mitropa-Ära in Sassnitz ist seit Jahrzehnten vorbei. Haben die meisten ehemaligen Kollegen mit dieser Episode nicht schon längst abgeschlossen?

Henning Dost: Das mag gut möglich sein. Aber die wenigsten, die dort gearbeitet haben, werden die Zeit dort vergessen haben. Das Rügen-Hotel war schon etwas besonderes. Es gehörte neben dem „Neptun“ und dem „Warnow“ in Rostock, neben dem „Vier Tore“ in Neubrandenburg“ und dem „Stadt Schwerin“ in der damaligen Bezirksstadt zu den Glanzlichtern der Hotellerie und Gastronomie in den drei Nord-Bezirken der DDR, also im heutigen Mecklenburg-Vorpommern.

Warum?

Dost: Weil es ein Kleinod war und sich heraushob. Wer im Rügen-Hotel arbeiten wollte, musste ausgezeichnete Leistungen und Bildung vorweisen. Gefordert wurden vor allem Fleiß, Engagement, Ordnung und Ehrlichkeit – von den Mitarbeitern und von den Lehrlingen. Also, wir waren keine Überflieger, haben im Kollektiv gearbeitet und unterstützten uns gegenseitig. Uns hat die Arbeit einfach Spaß gemacht.

Wo wurde das Personal für das Haus rekrutiert?

Dost: Führungskräfte und geschulte Gastronomen waren zur damaligen Zeit auf der Insel wie so vieles Mangelware. Zur Eröffnung holte man einen Großteil der Mitarbeiter aus dem Vogtland und aus den damaligen Interhotels. Schon ein Jahr vor der Eröffnung im Jahre 1969 hatte man begonnen, die ersten Lehrlinge für das Haus auszubilden. Die Nachwuchs-Köche und -Kellner gehörten bei überregionalen Leistungsvergleichen regelmäßig zur Spitzengruppe. Das zeigte sich auch nach dem Ende der Mitropa-Ära in Sassnitz: Die Fachleute aus dem Rügen-Hotel wurden schnell in andere Häuser vermittelt und dort gern genommen.

Die hatten ja auch jahrelange Erfahrung im Umgang mit internationalen Gästen . . .

Dost: Vor allem mit Nordeuropäern. Anfangs kamen jedes Wochenende rund 100 Schweden mit der Fähre aus Trelleborg, die an Bord des Schiffes günstig einkauften und sich anschließend im Rügen- Hotel amüsierten. Die trinkfesten Skandinavier blieben meist eine Nacht und tanzten sonnabends ausgelassen in der Bar, die bis 2 Uhr geöffnet war.

Wurde das Haus eigens für die immer zahlreicher anreisenden Gäste aus Schweden gebaut?

Dost: Im Prinzip ja. Der Fährverkehr nahm rasant zu. Die Gäste und ihre Devisen waren auf Rügen gern gesehen. Man brauchte eine ansprechende Unterbringungsmöglichkeit am richtigen Platz.

Deshalb wurde das Hotel dort errichtet.

Von Bauarbeitern des schwedischen SIAB-Konzerns . . .

Dost: Genau. Auch die waren in Sassnitz gern gesehene Besucher – meistens jedenfalls. Sie vergnügten sich abends nach der Arbeit in der HO-Gaststätte „Stubnitz“, schräg gegenüber der Baustelle. Der eine oder andere warf – trotz aller Vorsichtsmaßnahmen durch unsere Sicherheitsorgane – ein Auge auf diese oder jene schöne Sassnitzerin. Sehr zum Missfallen der heimischen Fischer natürlich. Dennoch entstanden in dieser Zeit einige deutsch-schwedische Ehen. Nach 1970 wurde so manche dieser Hochzeiten bei uns im Rügen-Hotel gefeiert. Danach reisten die Frauen meist mit ihren schwedischen Männern aus.

Aber die 220 Betten wurden doch nicht ausschließlich durch Gäste aus Skandinavien belegt?

Dost: Nein, natürlich nicht. Ab 1975 musste das Rügen-Hotel verdiente Werktätige als FDGB-Urlauber aufnehmen. Damit verringerte sich die Kapazität für die schwedischen Urlauber und die Privatreisenden.

Konnte sich ein DDR-Bürger einen Urlaub im Rügen-Hotel leisten?

Dost: Die FDGB-Gäste haben bei uns für acht Tage und zwei Personen 60 DDR-Mark bezahlt. Außerdem bekamen sie im Hotel interne, rabattierte Wertgutscheine, die in den hauseigenen Restaurants eingelöst werden konnten.

War das Hotel denn auch offen für die Sassnitzer?

Dost: Ja. Beliebt waren vor allem die Abende in der Tanzbar. Und legendär sind die Faschingsveranstaltungen, die seit 1976 zur Tradition wurden. In einem Jahr hatten wir die Tiefgarage dazu genutzt und mit Strandsand, Strandkörben und Bar für die Feier hergerichtet. Begehrt waren auch die jährlich 180 Karten für unsere Silvesterfeiern, die an Nicht-Hotelgäste verkauft wurden. Gefeiert wurde auch gern auf der Mukraner Kogge, an die sich ältere Leser vielleicht noch erinnern. Dort hatten wir einen Fischkutter zur urigen Seemannskneipe umbauen lassen und 50 hoteleigene Strandkörbe aufgestellt.

Da wird sicher so manche Anekdote zu hören sein, wenn sich die Mitarbeiter von einst am 3. Juni treffen . . .

Dost: Das denken wir auch. Wir laden alle ehemaligen Kollegen aus sämtlichen Bereichen des Mitropa- Rügen-Hotels, die dort zwischen 1969 und 1990 arbeiteten, zu einem gemütlichen Kaffeenachmittag ein. Für die Bewirtung sind pro Person 7,50 Euro zu zahlen. Zwischen 14 und 18 Uhr wollen wir zwanglos miteinander plaudern und in alten Unterlagen blättern. Vielleicht hat der eine oder andere noch ein Brigade-Tagebuch, Speisekarten oder Zeitungsausschnitte aus jener Zeit, die er mitbringen kann.

Anmeldungen bis zum 26. Mai bei Petra Stahnke (☎ 038392/34213) oder Henning Dost (☎ 0 38 38/2 29 61)

Mit Intershop und beheizbarem Außenpool

1968 wurde mit dem Bau des Rügen-Hotels durch den schwedischen Konzern SIAB begonnen. Ein Jahr später wurde das Hochhaus mit den neun Etagen eröffnet. Es galt als ein Hotel der Sonderklasse (entspricht heute Vier-Sterne-Niveau), hatte 220 Betten, ein Hotelrestaurant mit 160 und eine Cafeteria (später Stadtrestaurant) mit 120 Plätzen. 150 Gäste fanden in der Tanzbar mit dem Außenbalkon Platz; dazu gab es noch eine Hotelbar mit Musikbox, einen Intershop und eine Tiefgarage mit Auto-Service, einen beheizbaren Außenpool, der später überdacht wurde, einen Friseur und das Café im 9. Stock. Der Hoteldirektor Bernd Reichel aus Sassnitz leitete das Haus von 1968 bis zur Übernahme durch die Raulff-Gruppe im Jahre 1995. Der Mitropa-Fährbetrieb Sassnitz bewirtschaftete neben dem Hotel auch eine eigene Wäscherei sowie das so genannte Stapelhaus, ein Lager mit Fleischerei, Vorbereitungsküche und einer Personalverkaufsstelle, in der auch die Sassnitzer ab und an Produkte kaufen konnten, die es beim Konsum oder der HO nicht gab.

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