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Rügen Küstenputz an der Schaabe jetzt wöchentlich
Vorpommern Rügen Küstenputz an der Schaabe jetzt wöchentlich
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12:36 05.06.2019
Marten (4) half mit seinem Vater beim Müllsammeln in den Dünen an der Schaabe vor Juliusruh. Ab sofort soll diese Aktion wöchentlich mittwochs stattfinden.
Marten (4) half mit seinem Vater beim Müllsammeln in den Dünen an der Schaabe vor Juliusruh. Ab sofort soll diese Aktion wöchentlich mittwochs stattfinden. Quelle: Maik Trettin
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Juliusruh

Elfi Meinjohanns ist die, „Die mit dem Hund geht“, wie auf ihrem Sweatshirt steht. Der Hund ist Arik, ein Border Collie, mit dem die Urlauberin täglich durch Juliusruh streift. Seit zehn Jahren ist das Wittower Seebad ihr zweites Zuhause. Die erste Runde am Morgen führt Frauchen und Hund meist hinunter zum Strand. „Früher habe ich von unseren Wanderungen immer Bernsteine und Hühnergötter mitgebracht.“ Heute landen in den Kottüten, die sie immer dabei hat, Kronkorken, Dosenränder und anderer Müll, den sie am Strand findet. Nicht nur, weil es ihren Ordnungssinn und ihr ästhetisches Empfinden stört. „Diese Vermüllung ist eine Gefahr für uns Menschen wie auch für alle anderen Lebewesen am und im Wasser.“ Christian Weigand brauchte sie nicht lange zum Müllsammeln zu bitten. Sie unterstützte den jungen Mann bedingungslos bei seiner Strandreinigungsaktion an der Schaabe.

Christian Weigand (29) hat das Projekt „Blue Awareness“ gegen die Vermüllung der Meere auf den Weg gebracht. Quelle: Maik Trettin

Sie war einer der Programmpunkte seines Projekts „Blue Awareness“ (ökologisches/grünes Bewusstsein), mit dem Weigand dieser Tage auf Rügen zu Gast ist. Umwelt- und Ressourcenmanagement hat er studiert und sich in den zurückliegenden Jahren vorrangig mit dem Zustand der Meere beschäftigt. Mit denen gehe der Mensch immer weniger nachhaltig um, fand er in seiner Masterarbeit heraus. Für ihn stand fest: Das will ich ändern. Dass das nicht von heute auf morgen funktioniert, weiß der 29-Jährige. „Viele Leute, die die Probleme auch sehen, denken, sie müssten alles umkrempeln oder nichts.“ Weil das nicht zu realisieren sei, ließen viele die Finger davon. Christian Weigand nicht. „Man kann von niemandem erwarten, dass er sein gesamtes Leben auf den Kopf stellt.“ Aber man könne mit kleinen Schritten anfangen. „Wenn die dann zur Gewohnheit geworden sind, macht man den nächsten Schritt.“ So könne eine Reise zu einem neuen Umweltbewusstsein beginnen und ein Prozess gestartet werden.

Furchbare Bilder gehen nicht mehr aus dem Kopf

Auf diese Reise hat sich der junge Hesse vor geraumer Zeit mit seinem Projekt begeben: Er fährt an die verschiedenen Küsten, hält Vorträge, zeigt Bilder und macht mit kleinen Aktionen wie dem Küstenputz an der Schaabe am Sonnabend auf die Situation der Meere und Küsten aufmerksam. Dass die Menschen ihm zuhören, erreicht er durch emotionale Geschichten. Manuela Schmidt aus Juliusruh hat das erlebt. Die junge Geschäftsfrau ist Tierfreundin und war unter den Zuhörern des Vortrags, den Weigand am Freitag auf der MS „Wappen von Breege“ hielt. Die Bilder, die dort gezeigt wurden, haben sie und viele andere nicht mehr losgelassen. „Ich muss immer wieder an diese Schildkröte denken, die sich nicht mehr von einem Plaste-Trinkhalm befreien konnte, der ihr in der Nase festgewachsen war.“ Manuela Schmidt hatte schon Einweg-Becher aus ihrem Strand-Café in Juliusruh verbannt und durch Pfand-Becher ersetzt. Am Morgen nach dem Vortrag sortierte sie auch die Strohhalme aus. Wer ein Getränk mitnimmt, bekommt vorerst keinen mehr. Die Gastronomin sucht jetzt nach Alternativen. Für einen Latte Macchiato im Café gibt es die bewährten Kaffeelöffel. Mit Bambus-Röhrchen hatte sie schon geliebäugelt. „Aber die sind leider ziemlich teuer.“

Müllsammelaktion an der Strandpromenade von Juliusruh. Quelle: Maik Trettin

Manuela Schmidt hat in ihrem Café für die Aktion von Christian Weigand geworben. Das Problem der Vermüllung kennt sie nur zu gut. „Zu Neujahr ist ein Großteil der Reste der Feuerwerkskörper von der Silvesterknallerei in der Ostsee gelandet.“ Fast täglich wandert sie am Strand in Richtung Campingplatz Drewoldke. „Was da an Plaste in dem Seetang steck, ist unglaublich.“ Das bestätigt Elfi Meinjohanns. Aber viele Menschen, die Muscheln oder Bernsteine suchten, würden den daneben liegen Müll einfach „übersehen“. Mia (8) und ihr Bruder Marten (4) nicht. Die beiden Rügen-Urlauber machen eifrig mit beim Küstenputz. Vor allem Papier und Zigarettenkippen finden sie am Strand und in der Düne. Dass Abfall in die Müllbehälter gehört, ist für die Kleinen selbstverständlich. „Es gibt nur leider zu wenig Mülleimer in den Orten und an den Stränden“, findet Manuela Schmidt. An vielen naturbelassenen Küstenabschnitten finde man oft gar keinen – dafür entsprechend viel Müll. „Hier sieht das richtig gut aus!“, sagt Christian Weigand und berichtet von Stränden in Irland und auf Gran Canaria, die regelrecht zugemüllt seien. Flaschen, Handschuhe, Netze, Stiefel, Socken – das alles hat Conny Weber am Ufer der Tromper Wiek schon entdeckt. „Und nach dem Kindertag jede Menge Luftballons“, ergänzt die Dauercamperin. Sie sammelt bei ihren Spaziergängen regelmäßig den Müll weg und bittet andere erst gar keinen zu hinterlassen. „Man kann doch eine kleine Mülltüte an den Strand mitnehmen!“, ärgert sie sich über die Achtlosigkeit mancher Zeitgenossen.

Helfer sind immer mittwochs willkommen

Das „grüne Bewusstsein“ - bei einer ganzen Reihe von Einwohnern und Gästen von Juliusruh hat Christian Weigand es geweckt. Aus der einmaligen Aktion machen sie eine dauerhafte, wie Manuela Schmidt ankündigt: „Wir treffen uns ab sofort jeden Mittwoch um zehn Uhr am Löber-Platz kurz vor dem Strandabgang zum Küstenputz.“ Jede helfende Hand ist willkommen.

Maik Trettin