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Rügen Lehrer für Gebärdensprache händeringend gesucht
Vorpommern Rügen Lehrer für Gebärdensprache händeringend gesucht
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07:01 19.06.2019
Wie die Gebärdensprache funktioniert, erfuhren die Besucher beim europäischen Aktionstag der Menschen mit Behinderung an der Hochschule in Wismar. Auf Rügen würde man gern Kurse anbieten, damit auch Hörende dieses Kommunikationsmittel erlernen. Doch es fehlen die Dozenten. Quelle: Vanessa Kopp
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Sassnitz

Die Menschen müssen mehr miteinander reden, wünscht sich Peter Kordes. „Kommunizieren“, verbessert sich der Sassnitzer, der im Auftrag des hiesigen Jugendbeirats unter anderem das mit einem neuen Projekt erreichen will. Dabei sollen die Teilnehmer eine Sprache erlernen, die auch die verstehen, die nicht reden oder zuhören – weil sie es schlicht und einfach nicht können. „Wir möchten die Leute in der Gebärdensprache unterrichten“, kündigt Kordes an – und zwar die, die hören und sprechen können.

Menschen mit Behinderung integrieren

Der Titel des Projekts lässt nicht sofort erahnen, was dahinter steckt. „Moving – Stadt in Bewegung“ klingt eher nach einem Sportprogramm als nach einem Gebärdensprachkurs. Es sei ja auch nicht nur das, ergänzt Kordes. Über die Aktion Mensch, die das Vorhaben fördere, soll ein Netzwerk mit dem Arbeiter-Samariter-Bund, dem Grundtvighaus, Schulen und vielen anderen aufgebaut werden. „Dabei geht es in erster Linie darum, Menschen mit einer Behinderung zu integrieren.“ In dieser Hinsicht wolle man die Einwohner in Bewegung halten. Wenigstens einmal pro Monat soll es Veranstaltungen und Aktionen geben, an denen behinderte und nichtbehinderte Menschen gleichermaßen teilnehmen. Die Sassnitzer wollen dabei den Fokus auf Sprach- und Hörbehinderungen legen.

Bianca und Sarah bei einem Projekt in Berlin, das der Jugendbeirat organisiert hatte. Dabei ging es um Selbsterfahrung. Jetzt steht die Integration von Menschen mit Behinderung, unter anderem von Gehörlosen, auf dem Programm. Quelle: Peter Kordes

Der Grund dafür ist nicht, dass hier auffällig viele Einwohner mit solchem Handicap leben. Eine genaue Zahl kann man beim Jugendbeirat gar nicht nennen. Aber man hat hier in der Vergangenheit eine gewisse Erfahrung mit ähnlichen Aktionen gesammelt. Kordes erinnert sich an internationale Jugendbegegnungen mit jungen Leuten aus dem russischen Kingisepp und aus Österreich. Dabei hatten die Jugendlichen aus der Alpenrepublik ein Theaterstück in Gebärdensprache auf die Bühne gebracht. Die Teilnehmer des Treffens versuchten, die Welt für eine kurze Zeit so zu erleben, wie gehörlose, stumme oder blinde Menschen sie wahrnehmen. Sie setzten eng anliegende Gel-Masken auf, steckten sich Wachsstöpsel in die Ohren und sprachen mehrere Minuten lang nicht. Auch eine kleine Einführung in die Gebärdensprache gehörte seinerzeit zum Programm. „Die Jugendlichen waren ganz fasziniert“, sagt Peter Kordes. Am Ende konnte jeder Teilnehmer in dieser Sprache erklären, wie er heißt und woher er kommt.

Nachfrage nach Kursen groß

Über einen deutlich größeren Wortschatz sollen die Kursteilnehmer am Ende des geplanten Projekts verfügen. Dass sich dafür nicht ausreichend Interessenten finden, befürchtet man beim Jugendbeirat nicht. Ganz im Gegenteil: Der Bedarf ist groß, wissen die Organisatoren des Projekts nicht zuletzt von ihren potentiellen Projektpartnern. Eine Zusammenarbeit ist unter anderem mit der Kreisvolkshochschule geplant. An die hatten sich die Sassnitzer auf der Suche nach einem Dozenten gewandt – und stattdessen gewissermaßen einen Leidensgenossen getroffen. Vor etwa fünf Jahren konnte die Einrichtung des Kreises zum letzten Mal einen Gebärdensprachkurs anbieten. „Seitdem suchen wir händeringend einen Dozenten“, klagt die Leiterin, Dr. Sabine Koppe.

Dozent braucht entsprechendes Zertifikat

Denn die Nachfrage ist relativ groß. Behörden, Anwaltskanzleien, Versicherungen, Wohlfahrtsverbände – sie alle würden gern einen oder mehrere Mitarbeiter in der Gebärdensprache ausbilden lassen, damit diese sich mit gehörlosen und stummen Kunden beziehungsweise Besuchern verständigen können. Unterrichten kann nur jemand mit einem entsprechenden Zertifikat. Diese Lehrkräfte sind in der Region aber Mangelware. „Wir könnten Dozenten für die ausgefallensten Sprachen anbieten und auch Hebräisch ins Programm aufnehmen.“ Aber ein Lehrer für Gebärdensprache sei aktuell nicht zu finden. Aus diesem Grund sieht man in Stralsund gespannt nach Sassnitz. Sollte sich für das Projekt auf Jasmund ein Lehrer finden, würde die Kreisvolkshochschule gern eine Kooperation mit den Insulanern eingehen und in der Ausbildung in Sachen Gebärdensprache zusammenarbeiten. Interessierte Kursteilnehmer und Dozenten mit der entsprechenden Qualifikation können sich per E-Mail unter sk@jugendbeirat-sassnitz.de melden.

Uralte Kommunikationsform

In der Bundesrepublik gibt es schätzungsweise rund 80000 Gehörlose. Dazu kommen noch rund 16 Millionen Menschen, die als schwerhörig gelten. Rund 140000 von ihnen benötigen einen Dolmetscher für Gebärdensprache.

Die Gebärdensprache besteht aus Gesten, der Gesichtsmimik und lautlos gesprochenen Wörtern. Vor allem die Grammatik wird durch das Gesicht ausgedrückt. Aus diesem Grund sehen sich Menschen, die in der Gebärdensprache kommunizieren, auch eher in die Augen als auf die Hände. Eine Besonderheit sind Menschen, die sowohl taub als auch blind sind. Sie erfühlen mit ihren Händen die Gebärden ihres Gegenübers.

Sich über Zeichen zu verständigen, ist offenbar die älteste Form der Kommunikation. Gebärden und Körpersprache spielten vermutlich weit vor den Lautäußerungen eine Rolle. Die Frauen des australischen Walpiri-Stammes dürfen in der Trauerzeit nicht reden und machen sich dann nur über Gebärden verständlich.

Es gibt weltweit über 100 verschiedene Gebärdensprachen und zusätzlich noch zahlreiche Dialekte, auch im deutschsprachigen Raum.

Maik Trettin

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