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Rügen Rügen: Verband fordert Radwege-Manager
Vorpommern Rügen Rügen: Verband fordert Radwege-Manager
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18:12 30.09.2019
Stefanie Lemke und Knut Schäfer vom Tourismusverband Rügen möchten die Insel für die Anforderungen des Radtourismus rüsten. Quelle: Uwe Driest
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Bergen

Das Rad wollen sie nicht neu erfinden, wohl aber die Reifen tüchtig aufpumpen, um im Bild zu bleiben. Unter dem Titel „Rad ab?“ hatten Tourismusverband Rügen (TVR) und der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) in der vergangenen Woche zu „Rügens Radwegegipfel“ ins Bergener Parkhotel geladen. „Wir wollen Rügen bis 2023 zu einer der führenden Rad-Destinationen machen“, eröffnete TVR-Vorsitzender Knut Schäfer den rund 70 Anwesenden, darunter Vertreter von Kurverwaltungen, Tourismuszentrale, Radsport, Biosphärenreservat oder Nationalpark-Zentrum. Voraussetzungen dafür seien ein Radwege-Manager für die Insel, Fördermöglichkeiten für die Instandsetzung bestehender Infrastruktur und ein im Landeshaushalt festgelegtes Budget für den Ausbau und die Pflege der Radfernwege in MV. Zwei der neun Fernwanderwege führen über Rügen. Um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen, ruft der Verband nun die Initiative „M.E.E.R. Rad“ (Mobil, Emissionsarm, Einzigartig, Rügen) ins Leben. In den kommenden Tagen soll eine Online-Petition mit entsprechendem Text auf die Internetseite des Tourismusverbandes gestellt werden.

Radtourismus liegt im Trend und die Konkurrenz wächst“, mahnt Schäfer. Habe es vor zehn Jahren etwa hundert bedeutende Radreiseregionen gegeben, seien es mittlerweile bereits doppelt so viele. Jeder fünfte Gast besuche die Insel, um einen Radurlaub zu machen und ein gutes Drittel möchte auf Rügen im Urlaub mit dem Rad auf befestigten Wegen aktiv sein. Zwar gebe es auch erfreuliche Nachrichten wie jene von der Eröffnung der Radwege zum Königsstuhl oder zwischen Schaprode und Trent, aber die Rückmeldungen viele Gäste seien ernüchternd. Den Zustand des Rügener Radwegenetzes „als Ignoranz gegenüber dem Radverkehr zu bezeichnen wäre zu freundlich“, heißt es da. „Wir sind froh, gesund und ohne Unfall nach Hause gekommen zu sein, obwohl wir uns jeden Tag mindestens einmal in Lebensgefahr gefühlt haben“, schrieb eine Familie in das Gästebuch. „So eine schlechte Infrastruktur für Radfahrer haben wir noch nicht erlebt. Wenn Sie keine Lust auf Radtouristen haben, schreiben Sie es doch in Ihre Prospekte“, kommentierte ein weiterer Radler sarkastisch. Seinen Vortrag illustrierte Schäfer dabei mit dem Foto eines zwar ausgewiesenen, aber vollständig zugewachsenen Radwegs bei Gingst. „Benutzung auf eigene Gefahr“, warnt darunter ein Zusatzschild.

„Viele Kommunen kennen den Zustand ihrer Wege gar nicht. Das ist auch eine Frage des Bewusstseins“, sagt Thomas Fitzke. Der ist der landesweit einzige Koordinator für Radverkehr auf Landkreisebene. Die Stelle schuf der Kreistag Mecklenburgische Seenplatte mit einem entsprechenden Beschluss. Fitzke verfügt dabei immerhin über ein Budget von 300 000 Euro pro Jahr für Sofortmaßnahmen an defekten Wegen. „Das E-Bike hat den Markt rasant angeheizt“, sagt der ADFC-Landesvorsitzende Horst Krumpen, der wie Fitzke an der Tagung teilnahm. Immer mehr gerade auch ältere Menschen würden künftig deutlich längere Strecken zurücklegen wollen. Laut ADFC-Radreiseanalyse gehört Mecklenburg-Vorpommern seit Jahren zu den beliebtesten Radreiseregionen Deutschlands. Noch. Die Beliebtheit der Wege im Land sank in den vergangenen fünf Jahren deutlich. Als eine der Ursachen dafür macht der ADFC neben Finanzierungslücken auch die Aufgabenverteilung aus. Zwar werde der Bau von Radwegen gefördert, aber die Unterhaltung käme den Kommunen zu, für die es indes keine Pflichtaufgabe sei. Folge: Viele Wege verfallen.

Vor einer Woche fand in Rostock die Auftaktveranstaltung für eine „Untersuchung des touristischen Radverkehrs in MV“ statt. In den kommenden drei Jahren sollen nun auch mittels an strategischen Punkte aufgestellter Zähler neue Erkenntnisse gewonnen werden über Zielgruppe, Qualität und Infrastruktur, Potenziale und Nutzungsintensität sowie Wertschöpfung. „Wir benötigen diese Daten auch als Argumentation gegenüber den Ministerien“, sagt Stefanie Lemke.

Dabei ist ein aus Mitteln des Förderprogramms „Leader“ erstelltes Radwegekonzept seit zehn Jahren fertig und vor der Kreisfusion hatte es auf Rügen eine aus Touristikern und Bürgermeistern bestehende Arbeitsgemeinschaft „Radverkehr“ gegeben. „Dieser erfolgreiche Versuch hätte unbedingt fortgeführt werden müssen“, sagt Rügens ehemaliger Dezernent Rainer Feit. „Wenn ich sehe, wie eine Familie mit Kindern auf der Landesstraße zwischen Karow und Prora balanciert, halte ich jedes Mal den Atem an.“ Dabei müssten die auf ihrem Weg von Bergen nach Binz gar nicht über die L293 fahren. Für die Alternativ-Route vorbei an der Kläranlage, über Lubkow in Richtung Schmachter See fehle es allerdings an Schildern.

Von Uwe Driest

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