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Rügen Rügener Imker kämpft gegen Glyphosat-Einsatz
Vorpommern Rügen Rügener Imker kämpft gegen Glyphosat-Einsatz
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07:10 12.07.2019
Im Auftrag des StALU wird auf dem Deich von Gager Glyphosat versprüht. Quelle: Marco Baumgarten
Gager

„Eine Begegnung der dritten Art“ glaubte Marco Baumgarten zu haben, als er am vergangenen Sonntag mit seinem Hund in Gager unterwegs war. „Auf dem Deich sehe ich eine Gestalt im Vollschutz Unkrautbekämpfung durchführen“, so Baumgarten. Auf die Frage, wie er dazu käme, in der Kernzone des Biosphärenreservats Glyphosat zu spritzen, habe der Mann angegeben, im Auftrag des Staatlichen Amts für Landwirtschaft und Umweltschutz Vorpommern (StALU) im Rahmen einer Küstenschutzmaßnahme tätig zu sein.

Das StALU bestätigt die Aussage. „Das Unternehmen ist von uns mit der Pflege unserer Küstenschutzanlagen in dem Bereich beauftragt“, so Amtsleiter Matthias Wolters. „Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erfolgt nur in Ausnahmefällen, nur in Abstimmung mit uns und auch nur dann, wenn zu besorgen ist, dass der Bewuchs die Wehrhaftigkeit der Anlage schädigen kann und selbstverständlich nur dann, wenn mit mechanischen oder anderen Mitteln der Bewuchs nicht eingedämmt werden kann.“

Marco Baumgarten hat ein elementares Interesse daran, Pflanzengifte aus der Natur fernzuhalten. Gemeinsam mit seiner Frau Maud betreibt er die „Mönchguter Imkerei“. So mochte er die Begründung der Behörde nicht gelten lassen und beschwerte sich beim Amt für das Biosphärenreservat Südostrügen. Die Landesbehörde ist zugleich zuständige Naturschutzbehörde in jenem Bereich und verwies ihrerseits auf Aussagen des StALU. Mit dem Pflanzenschutzmittel werde „sehr sorgsam umgegangen“, versicherte eine Behörden-Mitarbeiterin. So werde das Mittel maximal einmal im Jahr eingesetzt. „Aus Sicht des StALU ist die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln mit Blick auf den zumutbaren Aufwand derzeit alternativlos, um die Sicherheit des Bestandes der Küstenschutzanlagen zu gewährleisten. Als Pflanzenschutzmittel wird Roundup verwendet“, heißt es in der Antwort des Amts. Das Mittel enthält den Wirkstoff Glyphosat.

„Die Auskunft des StALU ist die glattzüngigste Lüge, die mir bisher untergekommen ist“, schimpft Baumgarten. Die Maßnahme wäre schon deswegen unsinnig, weil die Durchwurzelung „mit schöner Regelmäßigkeit jedes Jahr wieder stattfindet“. Auch könne ein Deich aus Naturstein durch Unkraut baulich kaum gefährdet werden. „Und wer definiert nach welchen Kriterien, den 'zumutbaren Aufwand', Unkrautbekämpfung mit Umweltgiften zu rechtfertigen?“, fragt der Bienenmann. Auf dem Deich wäre „auf die verantwortungsloseste Weise primitive Unkrautbekämpfung“ betrieben worden. Dazu käme noch, dass nicht nur der Deichfuß gespritzt worden sei, sondern auch der Abflussweg am Wassergraben, der in den Bodden führe. Auf jeder Anwendungsbeilage von glyphosathaltigen Mitteln stünde, dass eine Abdrift des Mittels in Gewässer zu vermeiden sei, da dieses giftig für Fische wäre. „Jeder Hausmeister- und Grundstücksservice kommt mit manuellen Mitteln bei der Unkrautbekämpfung aus. Spritzen geht aber schneller und ist bequemer als Handarbeit“, wettert Baumgarten. „Es ist ja wohl eine unglaubliche Dreistigkeit, dass eine staatliche Behörde den Einsatz eines solchen Mittels anordnet und das im Biosphärenreservat!“ Mit ihrer Imkerei sind die Baumgartens Partnerbetrieb der Biosphäre und von dem Vorfall „schwer enttäuscht“.

Der Einsatz des Mittels wird auch auf europäischer Ebene kontrovers diskutiert und Imker verweisen auf eine Studie, der zufolge Glyphosat das Immunsystem von Honigbienen schwächen könnte, sodass sie schneller sterben, wenn sie mit Krankheitserregern in Berührung kommen. Das Bundesumweltministerium legte einen Plan vor, wonach Glyphosat in Parks, Privatgärten und Naturschutzgebieten untersagt werden soll. Auf den Äckern soll der Einsatz zunächst eingeschränkt und ab 2023 komplett verboten werden. Zu Gewässern soll künftig ein Mindestabstand von 20 Metern eingehalten werden. Auch Landwirtschaftsminister Till Backhaus erwägt ein Einsatz-Verbot für Glyphosat auf öffentlichen Flächen.

So lenkten die Behörden schließlich ein und versuchen den zornigen Imker zu besänftigen. „Falls der Eindruck entstanden sein sollte, dem Biosphärenreservat sei die Verwendung von Glyphosat in der freien Landschaft gleichgültig, möchte ich nachfolgend noch einige Informationen ergänzen“, schrieb die Mitarbeiterin. Man habe sich umgehend des Themas angenommen und sowohl Kontakt zum StALU als auch zum Pflanzenschutzdienst des Landesamts für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei hergestellt. Um zukünftig den Einsatz von Glyphosat bei der Unterhaltung der Küstenschutzanlagen zu vermeiden würden sich schon in der kommenden Woche Vertreter der Behörden treffen, um sich ein Bild von der Situation vor Ort zu machen. „Dabei wird auch die Frage des 'zumutbaren Aufwands' angesprochen werden. Unser Ziel ist es, Alternativen für den Einsatz von Roundup herauszuarbeiten, um dessen Einsatz zukünftig zu unterlassen.“

Uwe Driest

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