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Rügen „Auch Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft reduzieren“
Vorpommern Rügen „Auch Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft reduzieren“
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07:13 16.07.2019
Der Landtagsabgeordnete Holger Kliewe, Bergens Bürgermeisterin Anja Ratzke und Umweltminister Till Backhaus (v. li.) ließen sich am Montag die Zusatzfiltration der Bergener Kläranlage erläutern, die Bestandteil der Kompensationsmaßnahmen für Nordstream 2 ist. Quelle: Uwe Driest
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Bergen

Von einem „Arbeitsbesuch, der spannend ist, weil er eine weltpolitische Dimension hat“, sprach Zwar-Geschäftsführer Axel Rödiger gestern. Anlass war die Sommertour von Umweltminister Till Backhaus (SPD), während derer er Station beim Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Rügen (Zwar) in Bergen machte. Dort sah er sich die Baustelle der Zusatzfiltration in der Kläranlage an, die Teil der Kompensationsmaßnahmen für die Gasleitung Nordstream 2 ist. Auch Frank Häuser von Nordstream 2 bezog sich auf die geopolitische Dimension des Projekts. „Trotz internationaler Drohungen schreitet der Bau fort und aktuell sind bereits 65 Prozent der Leitung verlegt“, so Häuser. An seiner Auffassung zur Notwendigkeit des Projekts hält auch Till Backhaus fest. Diese Anlage sei schon politisch betrachtet notwendig. „Ohne Nordstream 1 wäre die Gasversorgung schon heute gefährdet“, meint Backhaus, der sich auch einen Seitenhieb auf die gegenteilige Meinung des Unions-Politikers Manfred Weber nicht verkneifen konnte.

Um die Frage, in welcher Form Ausgleich für die Eingriffe in die Natur der Ostsee geschaffen werden soll, hatte es ein zähes Ringen zwischen Politik, Landwirten und Naturschützern gegeben. „Die aktuelle Ausgleichslösung ist besser, als wenn wir die Begrünung der ursprünglich vorgesehenen landwirtschaftlichen Flächen umgesetzt hätten“, findet Hans Lange, Vorsitzender des Zwar und zugleich Bürgermeister von Poseritz. Das ursprüngliche Ausgleichskonzept hatte neben Bereichen um den Wreecher See bei Putbus, den Ossen nordöstlich Bergen, die Lobber-See-Niederung auch die Mellnitz-Üselitzer Wiek bei Poseritz vorgesehen. Dagegen hatte sich starker Protest Rügener Bauern erhoben, in deren Folge sogar die Bundeskanzlerin die Nummer von Till Backhaus gewählt habe, um diesen aufzufordern, Lösungen zu finden, die keine landwirtschaftlichen Flächen beinhalten. „Mein Traum war, um Großen und Kleinen Jasmunder Bodden eine vielleicht 300 Meter breite grüne Lunge mit Weideflächen zu schaffen und so auch die Molkerei in Bergen zu erhalten“, so Backhaus. „Das wäre eine gute Lösung für die Gewässer und die Insel gewesen.“

So aber kam es zur Ertüchtigung von vier Kläranlagen. Neben der Zusatzfilteranlage in Bergen hat Nordstream 2 auch die Aufrüstung der Klärwerke in Göhren, Stralsund und Greifswald finanziert. Dabei entstanden Gesamtkosten in Höhe von mehr als zehn Millionen Euro. „Von den Zusatzfilteranlagen erwarten wir uns, dass sich der jährliche Eintrag in die Rügenschen Boddengewässer um rund 70 Tonnen Stickstoff und drei Tonnen Phosphor verringert“, so Backhaus.

Zwar-Geschäftsführer Rödiger kritisierte, dass Klärschlamm vom Festland auf die Insel gebracht und hier auf Feldern verteilt würde. „Ich fordere die Politik auf, dieses zu unterbinden“, so Rödiger. Tatsächlich stammen rund 20 Prozent der Güllemenge von etwa 12 500 Tonnen, die im laufenden Jahr bereits zur landwirtschaftlichen Verwertung auf der Insel angemeldet wurden, vom Festland, drunter auch Kontingente aus Niedersachsen. Dabei leidet die Insel Angaben des Landesamts für Umwelt, Naturschutz und Geologie zufolge bereits unter überdurchschnittlicher Nitrat-Belastung. Daher besteht für den Minister weiterhin akuter Handlungsbedarf. „Denn eines ist auch klar: Die Kläranlagen sind nur ein Baustein. Es wird weiterhin entscheidend darauf ankommen, dass wir die diffusen Nährstoffeinträge, beispielsweise aus der Landwirtschaft, maßgeblich reduzieren“, so Backhaus.

Nordstream 2

Die Gaspipeline Nordstream 2 soll Erdgas aus Russland über 1200 Kilometer nach Lubmin befördern.

Zur Kompensation investiert das Unternehmen in Zusatzfiltrationen der Kläranlagen in Bergen und Göhren sowie Stralsund und Greifswald.

Die Filter sollen den jährliche Eintrag in die Rügenschen Boddengewässer um rund 70 Tonnen Stickstoff und drei Tonnen Phosphor verringern.

Die Bergener Anlage, die 16 Tonnen jährlich einsparen soll, soll m 19. 12. in Betrieb gehen.

10 000 Tonnen Klärschlamm sind bis Jahresmitte allein von der Insel zur Ausbringung auf Rügener Feldern angemeldet.

In die Ostsee werden jährlich 830 000 Stickstoff und 33 000 Tonnen Phosphor eingetragen. Fast sieben Prozent davon stammen aus Deutschland.

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Uwe Driest

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