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Rügen Rügener Tourismus-Chef: MV braucht einen Tourismusminister
Vorpommern Rügen Rügener Tourismus-Chef: MV braucht einen Tourismusminister
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10:32 21.09.2019
Knut Schäfer ist Geschäftsführer der Weißen Flotte in Stralsund und Vorsitzender des Tourismusverbandes Rügen. Quelle: Stefan Pocha
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Mehr Bedeutung für den Tourismus fordert der Vorsitzende des Tourismusverbandes der Insel Rügen, Knut Schäfer. Mit einem eigenen Tourismusminister könne Mecklenburg-Vorpommern diesen wichtigen Wirtschaftsfaktor weiter ausbauen. Sehr wenig halte er von der neuen Debatte um die Kurtaxe.

Hat die Diskussion um die Kurtaxe Rügen genutzt oder geschadet?

Sowohl als auch. Unsere touristische Infrastruktur kam dabei schlechter weg als sie ist. Zum anderen hat es auch mehr Druck gegeben auf politische Entscheidungsträger im Land, die die Gesetze ändern müssen.

Welche konkret?

Das kommunale Abgabengesetz und das Kurortgesetz. Ich gehe aber noch weiter. Wir müssen in der Landesverfassung den Tourismus als Pflichtaufgabe verankern. Das betrifft alle Gemeinden. Sie müssten für touristische Infrastruktur Geld ausgeben dürfen, auch in angespannten Haushaltssituationen. Wichtig ist mir, dass derjenige, der in einer touristischen Region lebt, und damit meine ich alle Destinationen zwischen Usedom und Westmecklenburg, keine Abgabe für die Nutzung der touristischen Infrastruktur zahlen muss.

Aber die Einheimischen profitieren doch von den Angeboten genauso wie die Urlauber!?

Ja. Aber das ist schädlich für die Mentalität, gute und nette Gastgeber zu sein. Wir wollen führend sein bei der Qualität unserer Dienstleistungen.

Davon sind wir noch weit entfernt und vom Tourismuskonzept des Landes hört man auch nicht mehr viel.

Der Tourismus ist der nachhaltigste Wirtschaftsfaktor in Mecklenburg-Vorpommern in den vergangenen 30 Jahren. Es reicht nicht, dass sich ein Wirtschaftsminister so ein bisschen mit um den Tourismus kümmert. Wir brauchen einen Tourismusminister, der die notwendigen Innovationen vorantreibt und fördert.

Was halten Sie von dem Vorstoß von Landesfinanzminister Reinhard Meyer, mit einer Tourismussteuer alle Unternehmen zu belasten, die mittelbar und unmittelbar vom Tourismus profitieren?

Es gibt viele Möglichkeiten. Ich finde aber, dass die Kurabgabe, wie wir sie kennen, nicht verkehrt ist. Sie hat sich bewährt und ist praktikabel. Nur das Thema Einheimische muss raus.

War es für Rügen eine gute Saison?

Rügen als eine der größten und besten Destinationen Deutschlands unterliegt natürlich geringeren Schwankungen als andere Bäder. Wir hatten eine gute Saison, keine ausgezeichnete und überragende. Diese Saison hat uns aber auch gezeigt, welche Probleme wir zu lösen haben.

Die wären?

Vor allem das Thema, wie wir Mitarbeiter finden und halten.

In dieser Saison konnten auch auf Rügen einige Restaurants tageweise nicht öffnen, da Mitarbeiter fehlten. Alle reden über das Thema. Aber muss den Köchen und Kellnern nicht einfach mehr Geld bezahlt werden?

Es gibt da nicht die ultimative Lösung. Auch eine bessere Bezahlung ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Wir müssen die Globalisierung leben und mehr Zuwanderung an Arbeitskräften ermöglichen und fördern. Auch weiche Faktoren wie Arbeitszeiten, Kinderbetreuung auch am Wochenende, Wohnung, Nahverkehr etc. sind wichtig. Der Faktor Geld ist ein Punkt. Ich kenne viele Unternehmen, die haben bei den Gehältern schon kräftig angezogen, da sie sonst gar kein Personal mehr finden würden.

Müssen die Bürger von den wirtschaftlichen Erfolgen in der ersten Reihe der Seebäder nicht stärker profitieren, um gute Gastgeber sein zu können?

Wir brauchen einen Schulterschluss der Gemeinden untereinander. Wenn man sich als Urlaubsgebiet begreifen möchte, muss man akzeptieren, dass die touristischen Hotspots am Wasser das Geld verdienen, die Mitarbeiter aber aus Gemeinden kommen, die weiter vom Strand weg sind. Da muss das Verständnis auf beiden Seiten da sein. Das eine geht nicht ohne das andere.

Das heißt, es muss subventionierte Wohnbauprogramme für Einheimische geben?

Definitiv. Es gibt ja erste Pilotversuche wie in Heiligendamm. Aber gucken wir mal nach Süddeutschland oder Österreich. Da gibt es Appartements für Mitarbeiter, die den Ferienwohnungen in nichts nachstehen. Wir haben keine Billiglöhner. Wir brauchen Leute, die unsere Dienstleistungsqualität verkaufen. Sie müssen auf Augenhöhe behandelt werden.

Schleswig-Holstein hat in den vergangenen Jahren viel in die touristische Infrastruktur investiert, auch auf polnischer Seite in Swinemünde und auf Wollin expandieren die Urlaubsorte. Gerät MV ins Hintertreffen?

Die Gefahr sehe ich nicht, solange wir nicht in die Krankheit der Selbstverliebtheit verfallen. Wenn wir über die Themen Verkehr und den öffentlichen Nahverkehr reden, treten die Probleme deutlich ans Tageslicht. Wir müssen die Probleme gemeinsam im Schulterschluss angehen.

Was sind die wichtigsten Dinge, die auf Rügen angepackt werden müssen?

Das Allerwichtigste ist, dass Rügen sich als eine Region versteht und die regionale Identität zurückgewinnt. Das geht nur von innen und kann nicht von außen aufgedrückt werden. Und dann ist da das schon besprochene Thema Ansiedlung von Mitarbeitern und ihren Familien. Und dann der Verkehr. Wir müssen uns darüber klar sein: Wir reden über Produktwahrheit und -klarheit. Wir können nicht unberührte Natur verkaufen und dann stehen die Menschen, die zu uns kommen, im Stau. Die Ansprüche unserer Gäste ändern sich heute schneller als noch vor 20 Jahren.

Knut Schäfer – Chef von 250 Mitarbeitern

Knut Schäfer ist Vorsitzender des Tourismusverbandes Rügen. Mit 240 Mitgliedern – Personen, Hotels und juristische Gesellschaften – zählt er zu den einflussreichsten regionalen Tourismusverbänden im Land. Das Amt des Vorstandsvorsitzenden ist ehrenamtlich.

Hauptberuflich ist Knut Schäfer Geschäftsführer der Weißen Flotte. Mit ihren drei Reedereien, 28 Schiffen und 250 Mitarbeitern ist die Weiße Flotte nach eigenen Angaben die größte Binnenreederei Deutschlands. Sie betreibt Fahrgastschiffe unter anderem in Stralsund, auf Hiddensee, in Warnemünde, Berlin und in Wolfsburg und befördert sechs Millionen Fahrgäste pro Jahr

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