Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rügen Rügens Seetang wird zu Biokohle
Vorpommern Rügen Rügens Seetang wird zu Biokohle
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 07.07.2017
In dieser Form kommt Biokohle als Düngemittel zum Einsatz.
Anzeige
Mukran

Er wird immer wieder zur Plage für Urlauber und zur großen Herausforderung für die Gemeinden: Seetang an Rügens Badestränden. Aufwendig und kostenintensiv muss er abtransportiert und entsorgt werden, sobald er aus dem Wasser gefischt wurde. Seit Jahren wird nach effizienten Lösungen gesucht. Nun tut sich etwas an der Algenfront. Künftig könnte auf Rügen Treibsel in Größenordnungen zur Biokohle verarbeitet werden, die vielfältig genutzt werden kann: Als Düngemittel oder Aktivkohlefilter, vor allem aber, um elektrische und thermische Energie herzustellen. Ein Verfahren, das die InterCenter GmbH aus Berlin bereits testet. Im Gewerbegebiet Mukran werden Algenanschwemmungen gesammelt und bis zur Installation eigener Testanlagen in einem kleinen Testreaktor bei der Firma Grenol in Ratingen karbonisiert (verkohlt), die gemeinsam mit der Firma KS-Vtech GmbH auch die Technologie für die Anlagen liefert.

„Diese Ergebnisse lassen einen Erfolg mit der Technologie erwarten“, sagt Projektleiter Bernd Rogge. Im Rahmen dieses Projektes prüfe der Lehrstuhl für Aquakultur und Sea-Ranching der Universität Rostock zudem das Potential des anfallenden Prozesswassers sowie der entstehenden Kohle zur Nutzung als Nährstoffaggregat. Das Hauptaugenmerk liege auf Treibsel, es lasse sich aber auch jede andere Biomasse verarbeiten. Zu Versuchszwecken und um den Nachweis für eine funktionsfähige Großanlage zu erbringen, soll zunächst eine Testanlage in Mukran errichtet werden. Für das rund 650000 Euro teure Projekt will die InterCenter GmbH Fördermittel beim Land beantragen. Langfristig soll eine neue Firma in Mukran gegründet werden, die eine industrielle Anlage betreibt – die erste dieser Art in Deutschland.

„Wir haben viele Anfragen aus dem In- und Ausland. Man erwartet eine Demonstrationsanlage in Deutschland zum Nachweis der Machbarkeit“, so Rogge. „Mit dem Vorhaben besteht die Aussicht, eine sehr umweltgerechte und energieeffiziente Behandlung der biogenen Reststoffe zur energetischen Nutzung in vorhandenen Kraftwerken, Heizkraftwerken und Industrieanlagen zu verbinden.“ Einige tausend Tonnen an Biomasse im Jahr soll die Anlage in Mukran einmal verarbeiten. „Mukran ist logistisch ein guter Standort“, ist Rogge überzeugt. Dort könnten dann auch Grünabfälle aus Landschaftspflegebereichen sowie Straßen- und Wasserbegleitgrün verarbeitet werden. „Auch in der Lebensmittelindustrie und der Landwirtschaft fallen erhebliche Biomassen an“, so Rogge.

Für das Projekt gewonnen werden sollen auch Gemeinden der Insel. Bernd Rogge hat bereits erste Kontakte geknüpft mit Sellin, Binz und Juliusruh, wo es meist Probleme mit Seetang gibt. Im letzten Jahr wurde Treibsel aus Sellin für erste Tests geholt.

„Die Idee für so eine Anlage ist sehr gut, für die Gemeinde wäre es viel kostengünstiger“, sagte Hennry Hänsel, Technischer Leiter der Kurverwaltung. Die Gemeinde gibt im Jahr bisher bis zu 70000 Euro aus für den Abtransport und die Entsorgung von Seetang. Auch in Binz zeigt man sich offen. Die neue Technologie klinge vielversprechend, heißt es aus der Kurverwaltung. Ohne behördliche Genehmigungen sei das Projekt aktuell aber keine Alternative zur Seetang-Entsorgung. Nach Alternativen hat auch Glowe vor Jahren gesucht und plante, für 2,3 Millionen Euro und Fördergeld eine Aufbereitungsanlage zu bauen. Doch das Thema ist erst einmal vom Tisch, so Bürgermeister Thomas Mielke gestern. Mit Hafenausbau und Kitaneubau habe die Gemeinde derzeit genug zu stemmen. Zu einem gewissen Teil (sieben Prozent von 2500 Tonnen Trockenmasse pro Jahr) können die Gemeinden das an ihren Ufern angeschwemmte Treibsel seit kurzem in Bergen loswerden. Dort hat der Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Rügen im Juni die erste Klärschlammverwertungsanlage in MV eröffnet. Die Entsorgung ist kostenpflichtig.

Gerit Herold

Park ist verwildert / Gutshaus wurde abgerissen

07.07.2017

Dagmar Eulitz ist jahrelang mit dem Motorrad nach Hamburg zur Arbeit gefahren. Jetzt genießt sie ihren Ruhestand.

07.07.2017

Die Wapenhans kehren nach getaner Arbeit gern in ihr Refugium zurück

07.07.2017