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Rügen Rügens Südosten wird abgehängt
Vorpommern Rügen Rügens Südosten wird abgehängt
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17:28 06.09.2018
Nicht etwa schon in Bergen sondern erst in Zirkow werden die Fahrzeugführer darüber informiert, wann auf dem Weg nach Mönchgut nichts mehr geht. Die Informationen zu den einzelnen Abschnitten kommen noch später. Quelle: Chris-Marco Herold
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Göhren

Zwischen den beiden Kreisverkehren Serams und Göhren geht eine Woche lang fast nichts mehr. Zwar ist der Zeitraum der Bauarbeiten eingegrenzt – vom 10. bis 15. September und auch nur nachts –, aber trotzdem kommen Pendler und Urlauber nicht vom Fleck. Rügens Südosten ist fünf Nächte lang von der Insel so gut wie abgeschnitten. Logistiker können ihre Waren nicht fristgerecht liefern, Pendler kommen nur schwer aus diesem Gebiet heraus. Urlauber müssen früher anreisen. Busse fallen gänzlich aus oder fahren nur bis zum Abend. Auch Mitarbeiter aus Supermärkten und Kaufhäusern, die zum Teil bis 21 Uhr geöffnet haben, sind davon betroffen.

„Ich bin an Baustellen und lange Umwege gewohnt. Aber dass ich durch eine Baustelle fast komplett abgeschnitten bin, damit habe ich nicht gerechnet“, sagt Camping-Urlauber Fritjof Peters (51) aus Hamburg. Er verweilt derzeit mit seiner Frau in Göhren und ist auf Durchreise nach Schweden, wollte ursprünglich die Sassnitzer Fähre Dienstagabend um 22.30 Uhr nehmen. „Wir gehen auf Nummer sicher und nehmen die Fähre nun am Nachmittag“, sagt er.

Knut Hartwich aus Sellin hatte sich auf ein schönes Konzert am kommenden Dienstag in Putbus gefreut. „Zu diesem Konzert kommen auch extra Freunde von außerhalb. Nur wissen wir jetzt nicht, wie wir wieder nach der Veranstaltung nach Sellin kommen“, sagt er. Der Galerist hat viele Telefonate geführt, um zu erfahren, ob es Alternativen gibt. Bisher ohne Erfolg. Er hofft, dass bis Dienstag eine Möglichkeit gefunden wird, um dennoch zum Konzert zu kommen. Eine Lösung gibt es mittlerweile, doch die ist mit langen Wartezeiten verbunden.

Ab Montag um 20 Uhr wird vom Göhrener Kreisel bis nach Baabe (erster Bauabschnitt) gebaut. „In diesem Abschnitt wird die Trasse konserviert. Dies geht nur, wenn die Straße voll gesperrt ist“, sagte Ralf Sendrowski, Leiter des Straßenbauamtes Stralsund, noch vor wenigen Tagen. Gestern kam die Information, dass eine Möglichkeit geschaffen wurde, die Baustelle dennoch zu passieren, allerdings eingeschränkt. Autofahrer können „die Baustelle unter Begleitung durch ein Spezialfahrzeug in jeweils einer Fahrtrichtung langsam passieren“, teilt das Straßenbauamt mit. Wartezeiten bis zu 60 Minuten seien möglich. Vom 11. bis 13. folgt der Abschnitt Ortseingang Sellin bis Lancken-Granitz, vom 13. bis 14. der von Lancken-Granitz bis Süllitz und vom 14. bis 15. jener vom Knoten Süllitz bis zum Seramser Kreisel. Für den letzten Teilbauabschnitt ist eine Umfahrung der Baustelle über Zirkow in Richtung Putbus über Vilmnitz möglich. Laut Ralf Sendrowski sei der gesamte Bauablauf von vielen Faktoren abhängig. Beispielsweise bei Regenwetter verschiebt sich der gesamte Ablauf.

Probleme bekommen unter anderem die Lieferfahrer. „In diesem Gebiet sind wir jede Nacht mit einem Fahrer unterwegs und beliefern dort den Campingplatz und den Edeka-Markt. Nun muss ich den Kunden erklären, warum sie ihre Ware erst später erhalten“, sagt Frank Soßnowski, Geschäftsführer der Firma Insellogistik Rügen/Hiddensee. Seit einigen Tagen überlegt er, welche Alternativen sich ihm bieten. „Es wird darauf hinauslaufen, dass wir am Tage einen zusätzlichen Fahrer benötigen, was natürlich mehr Ausgaben bedeutet.“

Im Südosten der Insel arbeiten zudem viele Menschen in Hotels und Gaststätten, die aber im Inselinneren wohnen. „Die Information von der Baustelle kam sehr kurzfristig. Vor allem Mitarbeiter von außerhalb haben nun ein Problem, wie sie mit dieser Situation fertig werden müssen. Aber wir sind dennoch vorbereitet“, sagt Ralf Schlüter, Geschäftsführer vom Strandhotel Baabe. „Sollte es wirklich so sein, dass die Baustelle nicht passierbar ist, können die Mitarbeiter von außerhalb auch spontan im Hotel übernachten. Wir werden dann Zimmer einrichten.“ Auch sein Kollege Thomas Dorissen, Geschäftsführer vom Hotel Bernstein in Sellin, steht vor diesem Problem. „Fakt ist, dass eine Ausweichroute in diesem Bereich der Insel fehlt. Wir haben jetzt die Dienstpläne umgeschrieben, sodass Mitarbeiter von außerhalb rechtzeitig die Arbeit verlassen können“, sagt er. Die Hotels haben zudem die anreisenden Gäste im Vorfeld über die Baustelle informiert, dass sie im Idealfall noch vor Baustellenbeginn anreisen.

Die Selliner Kurdirektorin Adriana Zawisza hat Mitarbeitern von außerhalb gleich ein paar Tage freigegeben. Sie können nun ihre Überstunden abbummeln. „In den Abendstunden haben wir glücklicherweise keine Veranstaltungen, die durch diese Baustelle beeinträchtig wären“, sagt sie. Auch die Kurverwaltungen in den Orten Göhren und Binz sehen der Baustelle entlassen entgegen. „Wir gehen mit Bauchschmerzen in diese Woche, hoffen aber, dass sich im Laufe der nächsten Tage noch viel ergeben wird“, sagt etwa Göhrens Kurdirektor Jörn Fenske. Viele Anfragen habe es zum Santiano-Konzert am Freitagabend gegeben. Hier wurde aber eine Lösung gefunden (siehe Kasten). „Auch wir haben nach dem Triathlon-Wochenende ein paar ruhige Tage vor uns mit nur wenig Veranstaltungen am Abend“, sagt Marikke Behrens von der Kurverwaltung Binz.

Für Knut Schäfer, Vorsitzender des Rügener Tourismusverbands, werden die Touristiker in diesem Jahr auf eine harte Folter gespannt. „Das Positive dabei ist, dass die Arbeiten im September und in den Nachstunden stattfinden. Rechnet man aber die gesamten Arbeiten diesen Jahres auf der Insel hoch, muss man sagen, dass es sehr kontraproduktiv für die Touristiker gewesen ist“, sagt er. Er versteht den Unmut vieler Gastronomen und Hoteliers, mit denen man nicht frühzeitig kommuniziert habe. „Da muss die Frage gestattet sein, ob auch die Straßenbauarbeiten auf Rügen gut koordiniert waren“, so Schäfer. Er sieht für die kommenden Jahre großen Optimierungsbedarf in diesem Bereich.

Eine gute Nachricht kommt indes von der Bäderbahn Rasender Roland. Der Spätzug, der seit dem 3. September nicht mehr fährt, wird in der Zeit vom 10. bis 15. September wieder aktiviert. Dies teilt der Kaufmännische Leiter Matthias Kley mit. Das heißt, die letzte Bahn in Binz verlässt den Bahnhof um 22.44 Uhr und kommt um 23.27 in Göhren an, mit sechs Zwischenstopps: Jagdschloss, Garftits, Sellin West, Sellin Ost, Baabe und Philippshagen. Die letzte Bahn in Göhren fährt um 21.49 Uhr los und erreicht den Binzer Bahnhof um 22.33 Uhr. „Wer einem gültigen VVR-Schein besitzt und beispielsweise von Bergen nach Göhren fährt, muss in unserem Zug keine zusätzlichen Fahrtkosten entrichten. Dieses Ticket gilt an diesen Tagen auch für den rasenden Roland“, sagt er.

Mathias Otto

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