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Rügen Stadt lässt Zukunft des Kühlhauses weiter offen
Vorpommern Rügen Stadt lässt Zukunft des Kühlhauses weiter offen
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17:03 30.09.2019
Das alte Kühlhaus im Sassnitzer Hafen weckt immer wieder Begehrlichkeiten bei Investoren, die hier schon mal Wohnungen und Ferienappartements errichten wollten. Ein Antrag der CDU, das zu verhindern, wurde in der Stadtvertretung abgelehnt. Quelle: Maik Trettin
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Sassnitz

Welchen Stellenwert wird die Fischerei künftig im Sassnitzer Stadthafen haben? Um nicht weniger als diese Frage ging es bei einem Antrag, den die CDU in der vergangenen Woche in die Stadtvertretung einbrachte. Nachdem der Aufsichtsrat der städtischen Hafenbetriebs- und Entwicklungsgesellschaft (HBEG) einen Architektenwettbewerb gestartet hatte (die OZ berichtete), wächst bei vielen Sassnitzern die Besorgnis, dass im Ergebnis ein vor allem touristisch geprägtes Areal entsteht und die Reste der Fischerei, die einst Sassnitz bekannt machte und prägte, völlig verdrängen.

Wohnen und Industrie passen nicht zusammen

Stadtvertreter Nils Peters verwies in seiner Begründung auf die Zielstellung des Wettbewerbs. Demnach sollen „die Möglichkeiten einer modernen Grundstücksbebauung mit Wohn-, Beherbergungs- und Gewerbeeinrichtungen“ im östlichen Hafenbereich untersucht werden. „Wir können das Rad nicht mehr zurückdrehen“, warnte er vor einer solchen Entwicklung. Wenn sich Gastronomie und Hotellerie auf dem Areal ausbreiten könnten, sei es mit der Fischerei vorbei. Prinzipiell sei ein Wettbewerb zur Gestaltung dieses Bereichs gut, sagte Svea Lehmann (Die Linke). Aber Wohnungen dürften an dieser Stelle nicht entstehen. Das würde nicht nur das Aus für die Fischerei-Industrie, sondern auch für andere Gewerbezweige bedeuten. „Deshalb haben wir solche Begehrlichkeiten in den vergangenen Jahren erfolgreich verhindert.“

Stadt machte Kühlhausverkauf 1994 rückgängig

„Für Sassnitz ist das eine Grundsatzfrage“, sagt der frühere Bürgermeister Dieter Holtz. Dass es dabei um mehr als ein Gebäude geht, haben er und seine Parteifreunde 1994 zu spüren bekommen. Das Kühlhaus, das einst dem VEB Fischfang gehörte, hatte die Treuhand dem Vermögen der Stadt zugeschlagen. Die wollte es seinerzeit gleich wieder versilbern. Investoren, zu denen auch der Steuerberater Willi Plattes gehörte, wollten es kaufen und hier Wohnungen und Ferien-Appartements errichten. „Der Verkauf war schon beschlossene Sache.“ Die heutigen Linken hatten im Kommunalwahlkampf gegen den Verkauf argumentiert –und damit den Nerv vieler Sassnitzer getroffen. Deshalb, so Holtz, wurde in der Hafenstadt kurz nach dem Ende der DDR wieder links gewählt. „Wir wollten nicht, dass durch das Wohnen die Fischerei kaputt gemacht wird.“ Gerichtsurteile hätten gezeigt, dass der industriellen Nutzung weniger Schutz gewährt wird als dem Wohnen. Gemeinsam mit der SPD wurde der beschlossene Verkauf durch die neue Stadtvertretung seinerzeit wieder rückgängig gemacht. Auch ein erneuter Versuch, im Stadthafen Ferien- und Dauerwohnungen zu bauen, scheiterte in den 2000-er Jahren am Widerstand in der Stadtvertretung.

Anlanden von Fisch soll weiter möglich sein

Dort hält die Mehrheit der Stadtvertreter die Bedenken für unbegründet. Nur die CDU und die Linken stimmten für den Antrag, das Kühlhaus als Fischereistandort zu erhalten. Alle anderen waren dagegen. Nicht, weil man dort keine Fischerei mehr wolle, wie Claas Buettler (FDP) versicherte. „Aber die Fischerei schließt anderes nicht aus.“ Man habe im Rahmen des Wettbewerbs mit den Architekten eine Runde durch den ganzen Hafen gedreht, so das Aufsichtsratsmitglied der HBEG. In dem Zuge seien bestimmte Standpunkte, die sich in der ursprünglichen Fassung des Auslobungstextes noch fanden, korrigiert worden, ergänzt Claudia Timm vom Sanierungsträger BIG-Städtebau, der den Wettbewerb im Auftrag der HBEG organisiert. Die Projektideen sollen so entwickelt werden, dass sie „die Ist-Situation für die Nutzer im Stadthafen nicht verschlechtern“. Der unmittelbare Hafenbereich solle für die Boote, die Hafenkante für die Fischerei frei bleiben. „Das Anlanden von Fisch muss weiterhin möglich sein.“ Ansonsten sei man für alle Nutzungen offen. Was dann umsetzbar sei, könne ein Realisierungswettbewerb im Anschluss zeigen.

Nils Peters ist in dieser Hinsicht weiter skeptisch. Die Stadt müsse sich einig sein, wie sie ihren Hafen entwickeln wolle. „Die Architekten werden Gestaltungsvorschläge, aber keine Lösung für Sassnitz haben.“

Von Maik Trettin

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