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Rügen Der Nikolaus hat ein Büro mit Meerblick
Vorpommern Rügen Der Nikolaus hat ein Büro mit Meerblick
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17:43 27.11.2019
Der fünfjährige Thorben aus Sassnitz hat im Nikolausbüro im Sassnitzer Glasbahnhof Spielzeug gespendet. Dafür bekommt er von Christel Hartwig (li.) und Dorothea Holtz, beide von der Volkssolidarität in Sassnitz, eine Nikolaus-Urkunde mit Stempel. Anschließend darf er seinen Stiefel ins Regal stellen. Quelle: Maik Trettin
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Sassnitz

Thorben muss sich tüchtig strecken, um seinen Stiefel zu den anderen in die obere Regalreihe zu stellen. Ein Stiefelpaar sucht man dieser Tage in der Schuhsammlung im Sassnitzer Glasbahnhof vergebens. Wie der Fünfjährige haben auch alle anderen Kinder das jeweils andere Exemplar zu Hause gelassen. Der Nikolaus, weiß Thorben, füllt ja nur einen Stiefel.

Wo der Weihnachtsmann arbeitet, mag umstritten sein. Der Nikolaus jedenfalls hat sein Büro in Sassnitz. Seit Montag ist es geöffnet, diesmal im alten Fährterminal. Zum sechsten Mal organisiert ein Heer von freiwilligen Helfern diese Aktion, von der nicht nur die hiesigen Kinder, sondern auch andere Mädchen und Jungen profitieren. Thorben und seine Altersgenossen lassen sich nicht nur beschenken. Sie sind im gewissen Sinne selbst kleine Weihnachtswichtel. Sie bringen außer ihren Stiefeln auch Geschenke für andere Kinder mit. „Meistenteils sind es Spielsachen, die sie zu Hause aussortieren“, sagt Peter Lehmann, einer der vielen Helfer und Organisatoren. Thorben steht vor einem riesigen Berg von Spielzeug und anderen Geschenken und zeigt auf die Dinge, die er mitgebracht hat: „Die Feuerwehr und das da hinten und die Kuscheltiere.“ Ist ihm die Trennung schwer gefallen? Thorben schüttelt den Kopf. „Nein, da habe ich schon lange nicht mehr mit gespielt.“

Der fünfjährige Thorben aus Sassnitz darf seinen Stiefel ins Regal des Nikolausbüros stellen. Quelle: Maik Trettin

Auch Elias hat seinen Stiefel bei den Frauen der Volkssolidarität abgegeben, die die Aktion das zweite Jahr mit ehrenamtlichen Helfern unterstützen. Sie notieren die Namen der Kinder und die Telefonnummer der Eltern und befestigen einen Zettel an jedem Stiefel, damit der Nikolaus ihn am 6. Dezember dem Besitzer wieder zurückgeben kann. Das Prinzip kennt man von den Abholscheinen beim Schuster oder der Reinigung. Nur sieht das beim Nikolaus und seinen Helfern natürlich alles viel schöner aus. Außer dem originell gestalteten Zettel mit der Stiefelnummer bekommen Elias und die anderen Kinder auch noch eine Urkunde. Mit einem Stempel bestätigt das Nikolausbüro, dass sie Spielzeug oder andere Geschenke abgegeben haben, die von hier aus den Weg zu Kindern finden, die keine prall gefüllten Spielkisten haben. Elias hat ein großes Auto mit Anhänger beigesteuert. „Das habe ich bekommen, als ich drei war“, sagt der Neunjährige. „Damit spiele ich schon lange nicht mehr.“ Die Helfer vom Deutschen Roten Kreuz kümmern sich am Ende der Aktion darum, dass die gespendeten Spielsachen bei bedürftigen Kindern landen.

Schüler packten Nikolaus-Geschenke zusammen

Das freut nicht nur die Empfänger, sondern auch die, die etwas verschenken können, weiß Peter Lehmann. „Die Kinder kommen mit ihren Eltern nicht nur hierher, weil sie vom Nikolaus etwas bekommen können.“ Die Bereitschaft etwas zu geben sei groß und scheine von Jahr zu Jahr zuzunehmen. Dieses Jahr rechnet die Sassnitzer Nikolaus-Brigade mit rund 200 Mädchen und Jungen, die ihre Stiefel und Geschenke abgeben. Solche Zuwendungen kommen nicht allein aus der Stadt. „Zum Beispiel hat sich die Samtenser Schule bei uns gemeldet“, erzählt Lehmann. Die Schüler hatten Weihnachtsgeschenke für bedürftige Kinder eingesammelt und festlich verpackt. Über das Sassnitzer Nikolaus-Büro werden die jetzt an das Deutsche Rote Kreuz weitergeleitet, die sich um die Verteilung an die bedürftigen Familien kümmern.

Unterstützung von vielen Seiten

Die Rotkreuzler, die Volkssolidarität, der Jugendbeirat, die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, die Seemannsmission, die Feuerwehr, die Stadt Sassnitz und der Verein „Wir machen was!“ – sie alle gehören zu den Unterstützern, die die Nikolaus-Aktion für die Kinder zu einem Erlebnis werden lassen. „Es ist unglaublich, wie viele Leute sich dort auf ganz unterschiedliche Art und Weise engagieren!“, sagt Lehmann. Christopher Hönicke von der Firma Baltic Sound sorgt für Ton und Licht und hat dieses Jahr einen Laserstrahler vor dem Glasbahnhof platziert, sodass niemand das Nikolausbüro verfehlen kann. Die Bäckerei Peters stellt für die kleinen Jasmunder Gebäck für den Nikolausstiefel her. Privatleute und Unternehmen sichern die Aktion finanziell mit ihren Spenden ab. Die Mitglieder des Verbandes der Deutschen Hafenkapitäne, die sich dieser Tage in Sassnitz trafen, hatten durch den Sassnitzer Hafenkapitän Ronald Damp vom Nikolausbüro erfahren. Sie waren von der Idee so begeistert, dass sie den Nikolaus mit insgesamt 500 Euro unterstützten.

Laternen weisen den Weg in den Hafen

Das Geld brauchen die Organisatoren zum einen, um die Nebenkosten bezahlen zu können. Schließlich müssen sie jedes Jahr ihr „Büro“ anmieten. Andererseits werden davon die Geschenke gekauft, die die Helfer den Kindern in die Nikolaustüten packen: Obst, Nüsse und ein kleines maritimes Geschenk. „Schließlich ist der Nikolaus auch der Patron der Seefahrer“, verweist Peter Lehmann auf die Legende. Diese Seite des Heiligen, auf den das Nikolausfest zurückgeht, wird in der Hafenstadt besonders betont. Und so wird er auch in diesem Jahr wieder per Schiff in Sassnitz ankommen. Damit sich das nicht „verfährt“, sollen die Kinder dem Nikolaus mit Laternen den Weg weisen. Die können die Mädchen und Jungen im Nikolausbüro im alten Fähranleger bis zum 5. Dezember täglich basteln. Angeleitet werden sie dabei von Kerstin Langer. Die freiberufliche Künstlerin aus Lauterbach ist gelernte Erzieherin und von der Initiative der Sassnitzer so begeistert, dass sie sich hier ehrenamtlich engagiert.

Keine Angst vorm Nikolaus

Mit ihren Laternen werden die Kleinen am 6. Dezember um 16.30 Uhr oben auf der Fußgängerbrücke Richtung Hafen stehen und den Nikolaus erwarten. Ob das bange Minuten für die Steppkes sind? Kerstin Langer lacht und winkt ab. Die Lütten glaubten zwar ganz fest an den Nikolaus. Angst hat aber so gut wie niemand vor ihm. „Ganz im Gegenteil“, sagt Kerstin Langer, „es gibt einige Kinder, die auf seinem Schoß sitzen oder ihn drücken wollen.“

Cafeteria täglich geöffnet

Das Nikolausbüro imGlasbahnhof (ehemaliger Fährterminal im Stadthafen) ist seit Montag täglich in der Zeit von 16 bis 18.30 Uhr geöffnet. Letzte Gelegenheit zum Besuch ist am 5. Dezember. Bis dahin sind die Kinder ebenso wie ihre Eltern, Großeltern und andere Verwandte jeden Tag mit ihren Steppkes willkommen. Für den Nachwuchs gibt es Gelegenheit zum Malen und Basteln. Die Erwachsenen können in der Zwischenzeit einen Tee oder Kaffee trinken und die Aussicht auf den abendlichen Hafen und die Ostsee genießen.

Der Nikolaus wird am 6. Dezember um 16.30 Uhr erwartet. Dann versammeln sich die Kinder mit ihren Lampions am oberen Ende der Fußgängerbrücke.

Von Maik Trettin

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