Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rügen Fontanes Wortwitz hängt auf Rügen in der Luft
Vorpommern Rügen Fontanes Wortwitz hängt auf Rügen in der Luft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:09 26.07.2019
Hotel zum Fahrnberg in Sassnitz um 1882. Das Haupthaus ist rechts, die beiden Dependancen von 1880 und 1882 links zu sehen. Quelle: Sammlung Frank Biederstaedt
Anzeige
Sassnitz

Das Sassnitzer Krankenhaus ist schon lange verschwunden. 1996 wurde das Haus am Rande der Stubnitz und in der Nähe des Tierparks abgerissen. Doch seine Geschichte ist nicht vergessen – dank vieler „Hausgeister“, die die Historie der jungen Stadt bewahren und ans Licht holen. „Hausgeist“ ist der Titel eines Projekts, das Sassnitzer Bürger gemeinsam mit dem Stadtarchiv im vergangenen Jahr aus der Taufe gehoben haben (die OZ berichtete). Auf Tafeln und Schildern in der ganzen Stadt werden Geschichten erzählt, über Gebäude, über die Menschen, die dort lebten, über wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen. Drei solcher thematischen Rundgänge sind zum Vollmondfest im vergangenen Jahr eröffnet worden. Drei weitere werden in diesem Jahr am Vorabend der vierten Auflage des Festes der Öffentlichkeit präsentiert.

An 50 Stationen wird über Sassnitz’ Historie erzählt

In Alt Sassnitz waren 2018 die ersten Schilder der „Hausgeister“ aufgestellt worden. Von den hiesigen Einwohnern stammte auch die Idee, die sich mit der des Leiters des Stadtarchivs, Frank Biederstaedt, deckte. „Und auf den ersten Blick könnte man auch meinen, dass sich die historische Bausubstanz der Stadt in diesem Bereich ballt.“ Erst als die Mitglieder der Arbeitsgruppe auch die anderen Stadtviertel unter die Lupe nahmen wurde deutlich, wie viele Schätze sich andernorts in Sassnitz noch verbergen. „Schließlich sind wir bei unseren Rundgängen auf insgesamt 50 Stationen gekommen, an denen Tafeln zur Geschichte aufgestellt wurden oder werden. Das ist sehr viel für eine relativ kleine Stadt wie Sassnitz“, sagt Biederstaedt.

Der Strand in Sassnitz beim Herrenbade in Sassnitz in einer Aufnahme von Sophus Williams im Jahre 1886. Die Badegäste stiegen vom Findling Klein Helgoland ins Wasser. Quelle: Sammlung Frank Biederstaedt

Besucher von Alt Sassnitz sind mehrheitlich von der Pracht der dortigen Villen begeistert. Doch die eigentlichen Kleinodien sind oft viel unscheinbarer wie etwa das Haus an der Karlstraße 8. „Es ist das letzte Beispiel dafür, wie Sassnitz aussah, als es noch ein reines Fischerdorf war, also aus der Zeit, bevor die Touristen den kleinen Ort für sich entdeckten.“ Eine Stube, ein Schlafzimmer, eine Küche – so schlicht ging es seinerzeit bei den Fischern in der Liete zu. Toiletten oder Bäder wurden erst im Laufe der Jahrzehnte an- beziehungsweise eingebaut.

Wie viele Veränderungen die Zeit mit sich brachte, lässt sich an der früheren Villa „Iduna“ in der Rosenstraße 4 erkennen. „Das ist eigentlich ein relativ unscheinbares Haus, nicht die typische Villa“, sagt der Stadtarchivar. Und trotzdem findet er es grandios. An kaum einem anderen Gebäude ließe sich die Baugeschichte so gut ablesen. Ursprünglich war es ein Fischerkaten. Er wurde mal aufgestockt, bekam Anbauten, wurde an anderer Stelle teilweise abgerissen und immer wieder umgebaut.

Nach Kriegsende zum Krankenhaus umgebaut

Sein Gesicht hat auch jenes Haus verändert, an das heute nur noch eine Tafel erinnert: Das Hotel „Fahrnberg“ wurde 1869 als erstes Sassnitzer Hotel eröffnet. Die Nationalsozialisten ließen es gründlich erweitern und zur NSDAP-Schulungsburg umbauen. Zum Ende des Krieges diente es als Reserve-Lazarett und wurde nach dem Sieg über die Faschisten auf Betreiben der sowjetischen Kommandantur umgehend zum Krankenhaus ausgebaut. Das blieb es bis 1995.

Viele, zum Teil kuriose Geschichten sind mit der Historie des Hotels verbunden. Dessen Bau wurde notwendig, weil die zunehmende Zahl der Touristen keinen Platz mehr in den Fischerhäusern und Gasthöfen fand. Es mangelte sozusagen an Urlaubsplätzen und offenbar auch an der Bereitschaft der Einheimischen, etwas dagegen zu tun. Denn es war der Bergener Handwerker Paulsdorff, der das Hotel errichtete. Das Grundstück hatte ihm der Preußische Forst-Fiskus zur Verfügung gestellt. Die Waldfläche lag genau genommen weder in den damaligen Gemeindegrenzen von Sassnitz noch von Crampas, weiß Biederstaedt. In frühen Prospekten wurde die Lage mit den Worten „bei Sassnitz“ beschrieben. Das Haus war vom Tage seiner Eröffnung an ausgebucht. Johannes Brahms hat dort 1876 gegessen und musiziert. Theodor Fontane war hier 1884 Feriengast und versuchte, dem Haus in seinem Roman „Effi Briest“ ein literarisches Denkmal zu setzen. Allerdings erinnerte er sich beim Schreiben nicht mehr richtig an den Namen, wie aus späteren Briefwechseln deutlich wird. „Fahrenheit“ nennt er das Hotel in seinem Werk, in dem er die Protagonisten sogar noch darüber witzeln lässt, dass die Übernachtungspreise „hoffentlich nach Reaumur“, einer kleineren Maßeinheit für die Temperatur, seien. „Ein Wortwitz, der jetzt traurig in der Luft hängt“, wie Fontane später zerknirscht erkannte.

Maik Trettin

Ein 63 Jahre alter Mann ist bei einem Bootsunglück vor der Insel Rügen gestorben. Weil sich ihr Boot mit Wasser füllte und unterging, sprangen er und sein Schwiegersohn ins Wasser, um sich an Land zu retten. Auf halber Strecke verließen dem 63-Jährigen die Kräfte.

26.07.2019

Aufregung um Algen vor Rügen: Ein Foto von einer Schlierenbildung auf dem Wasser sorgt für Spekulationen, ob es sich dabei um gefährliche Algen handeln könnte. Die Leute auf der Insel bleiben gelassen

26.07.2019

In zwei Fällen sind am Donnerstag auf der Insel Rügen Trickbetrüger gescheitert, ältere Bürger um ihr Hab und Gut zu bringen.

25.07.2019