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Rügen Mieterverein bleibt mit Beratungsstelle in Sassnitz
Vorpommern Rügen Mieterverein bleibt mit Beratungsstelle in Sassnitz
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06:27 10.08.2019
Siegfried Kraffzik (84, li.) hat viele Jahre als ehrenamtlicher Mitarbeiter des Mieterbundes Mieter in Sassnitz beraten. Jetzt übergibt er den Staffelstab an Georg Kitzmann (66, re.) Quelle: Maik Trettin
Sassnitz

Staffelstabübergabe beim Deutschen Mieterbund: In der Beratungsstelle im Grundtvighaus an der Sassnitzer Seestraße kümmert sich ab sofort Georg Kitzmann um die Sorgen und Nöte der Rügener Mieter. Der 66-Jährige arbeitet derzeit schon ehrenamtlich in dem Mehrgenerationenhaus, in dem die Mieterberatung seit 1992 zu Hause ist. Am Dienstag, dem 13. August, wird er den Hilfesuchenden zum ersten Mal mit Rat und Tat zur Seite stehen. „Und dann wie gehabt jeden zweiten und vierten Dienstag im Monat“, kündigt er an.

Damit ist das Überleben der Beratungsstelle auf Jasmund gesichert. Jahrelang hatte Siegfried Kraffzik hier gewirkt – zu Beginn im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, dann ehrenamtlich. „Aber es muss auch mal Schluss sein“, sagt der Sassnitzer und verweist auf sein Alter: 84 ist er mittlerweile und möchte sich nun wirklich zur Ruhe setzen.

Beratungsbedarf nicht mehr so groß wie früher

Etwas ruhiger ist es in den zurückliegenden Jahren auch in der Beratungsstelle geworden. „Der Beratungsbedarf ist ist doch etwas zurückgegangen, wenn man das mit unseren Anfangsjahren vergleicht.“ Damals, in den frühen 90ern, ging es zum Teil abenteuerlich zu auf dem Wohnungsmarkt der Insel. „Da galt in Ost und West noch ein unterschiedliches Mietrecht“, sagt Siegfried Kraffzik. Viele Einwohner zahlten noch die günstigen Mieten, die aus den DDR-Verträgen stammten. Das Geld reichte den Vermietern nicht zum Bewirtschaften, weshalb eine Grundmietenverordnung speziell für die neuen Bundesländer erlassen wurde. Im Osten der erweiterten BRD konnten die Vermieter je nach Ausstattung bis zu 30 Pfennig mehr kassieren, während die Steigerungen im Westen durch das Mietrecht stärker beschränkt waren. „Heute gibt es diese Unterschiede im Recht nicht mehr“, so Kraffzik. Und auch die Probleme der Mieter im Osten ähneln inzwischen denen der Einwohner in den westlichen Bundesländern. Immer öfter kommen Mieter, weil sie ihre Betriebskostenabrechnungen anzweifeln. Und auch bei der Wohnungsübergabe, also wenn ein Mieter auszieht und der Vermieter die Wohnung abnimmt, kommt es immer wieder zu Streitigkeiten zwischen beiden Seiten. Die Rechtsprechung in den vergangenen Jahren habe sich zugunsten der Mieter verändert, freut sich der 84-Jährige. „Aber man muss immer in jedem Einzelfall gucken, was im Vertrag festgehalten ist.“ Noch immer finden sich in manchen Regelungen, die rechtlich nicht haltbar sind.

Nur ein Fall landete vor Gericht

Apropos Recht: Fast alle Streitigkeiten zwischen Mieter und Vermieter konnten mithilfe des Mietervereins ohne Richter geklärt werden. Siegfried Kraffzik erinnert sich nur an einen Fall, der vor Gericht verhandelt wurde. Damals hatte ein Hausbesitzer in der Ringstraße wegen Eigenbedarfs allen Wohnungsmietern gekündigt. Das Verfahren endete schließlich mit einem Vergleich.

Wenig Ärger gebe es in der Regel mit den großen Vermietern in Sassnitz, schätzt Siegfried Kraffzik ein. Naturgemäß gebe es aber dennoch Differenzen. „Glaubte man den Hausbesitzern, hätten wir in Sassnitz ausschließlich gute Wohnlagen“, sagt Kraffzik lachend. „Selbst am Wedding oder am Rügener Ring, wo es keine Einkaufsmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe gibt.“ Ein weiterer Streitpunkt ist die Feuchtigkeit in einigen Wohnungen. Während die Zahl anderer Mängel dank Sanierung und Instandsetzung in den vergangenen Jahren stetig sank, klagen Mieter immer wieder darüber, dass nach einer energetischen Sanierung der Außenwände deren Innenseiten zu schimmeln beginnen.

Vom Studiotechniker zum Kämpfer gegen Miet-Haie

Rund 60 Mitglieder zählt der Mieterverein Stralsund-Rügen in Sassnitz. Nicht alle sind hier auch zu Hause, manche wohnen an der Bäderküste, wo die Wohnungssituation deutlich angespannter ist als auf Jasmund. In der Hafenstadt leben vorwiegend ältere Menschen, sagt Kraffzik. Als Beispiel nennt er den Gerhart-Hauptmann-Ring: „Dort liegt der Altersdurchschnitt der Mieter bei über 60 Jahren.“

Dass er einmal so lange Zeit Mieter rechtlich beraten würde, hätte sich Siegfried Kraffzik nie träumen lassen. Der Studiotechniker arbeitete beim Betriebsfunk des VEB Fischfang. Dort wurden unter anderem Videos zur Unterhaltung der Seeleute bespielt, die auf den Schiffen unterwegs waren. Weit weg von zu Hause gab es nur selten Fernsehempfang – schon gar nicht die beiden heimischen Programme. Also wurden Videobeiträge erstellt und auf See abgespielt. Dazu gehörten auch Grüße von den Familien, die in dem Studio aufgenommen wurden. Mit dem Niedergang der Fischerei in Sassnitz kam für Siegfried Kraffzik wie für viele andere Mitarbeiter des Fischfangs das Aus. Er wurde arbeitslos, bekam eine ABM-Stelle beim Mieterverein und wurde im Mietrecht geschult. Als er 1963 in Rente ging, machte er ehrenamtlich weiter. Eine gute Kollegin in den Jahren sei ihm Isolde Pietsch gewesen.

Beratung für Mitglieder kostenlos

Siegfried Kraffziks Nachfolger ist auch ein Rentner. Und auch Gero Kitzmann hatte beruflich bislang nicht mit dem Mietrecht zu tun – wohl aber privat. Für mehrere Mieter hatte er sich unter anderem um die Betriebskostenabrechnungen gekümmert. In Vorbereitung auf sein neues Ehrenamt wurde er mit den Grundsätzen des Mietrechts vertraut gemacht. Seine erste Beratung bietet er am Dienstag in der Zeit von 14 bis 16 Uhr an. An ihn kann sich nicht nur derjenige wenden, der Mitglied im Verein ist. Auch alle Nicht-Mitglieder sind willkommen. Sie zahlen allerdings eine Beratungsgebühr von acht Euro in die Vereinskasse. Anmeldungen sind unter der Sassnitzer Rufnummer 038392/27728 möglich und erwünscht.

Von Maik Trettin

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