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Rügen Neddesitzer Wehr wird aufgelöst
Vorpommern Rügen Neddesitzer Wehr wird aufgelöst
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00:04 12.02.2015
Die Kameraden der Neddesitzer Feuerwehr bei einer Übung mit anderen Rügener Wehren in Lohme. Künftig sollen sie die Reihen der Sagarder Wehr verstärken, den Standort Neddesitz will die Gemeinde aufgeben. Quelle: Feuerwehr Neddesitz
Neddesitz

Geredet wurde darüber seit Jahren immer mal wieder. Doch dann ging plötzlich alles ganz schnell: Innerhalb weniger Minuten hatte der Sagarder Gemeinderat die Auflösung der Freiwilligen Feuerwehr in Neddesitz beschlossen. Die soll zum 1. Januar des kommenden Jahres in der Freiwilligen Feuerwehr Sagard aufgehen. Zumindest denkt sich das die Mehrheit der Sagarder Gemeindevertreter so. Dass gegenwärtig nicht einer der Neddesitzer Feuerwehrleute nach Sagard wechseln will, konnten die Gemeindeväter nicht wissen: Weder mit ihnen noch mit den Sagarder Kameraden hatte man im Vorfeld darüber gesprochen.

Zehn Frauen und Männer sitzen im Versammlungsraum des Neddesitzer Gerätehauses. An den Wänden hängen Urkunden, Auszeichnungen, alte Fotos. 1957 wurde die jetzige Wehr gegründet; zuvor soll es in dem Dorf schon einmal eine Brandschutztruppe gegeben haben. Diese Feuerwehr wurde um 1936 das erste Mal erwähnt. „Früher war der Tisch hier im Raum vollbesetzt“, sagt Gerald Seyme. Seit 25 Jahren ist er Feuerwehrmann in Neddesitz, seit 16 Jahren steht er an der Spitze der Truppe, die im Laufe der Zeit immer kleiner wurde. „Der Nachwuchs zieht eben weg“, sagt er schulterzuckend. Rund 50 Einwohner hat das Dorf noch, jeder fünfte ist bei der Feuerwehr. Viele sind sogar miteinander verwandt. Gerald Seymes älterer Bruder Frank ist seit 40 Jahren dabei, seine Schwester Silke Kolbe ebenso. Vater Gerhard hatte vor Gerald Seyme jahrelang die Aufgabe des Wehrführers inne. „FFw“ heiße in Neddesitz „Familien-Feuerwehr“, spöttelt man andernorts gern mal über die kleine Truppe, die das aber nicht anficht. Man halte zusammen und mache die gleiche Ausbildung wie anderswo auch. Jeden zweiten Dienstag treffen sich die Neddesitzer Kameraden zur Brandschutzweiterbildung. Bei Einsätzen im Ort und der näheren Umgebung sind sie naturgemäß die ersten Helfer vor Ort, ansonsten werden sie je nach Lage zur Unterstützung der Sagarder Wehr herangezogen.

„Wir sind die einzige Rügener Gemeinde, die zwei Feuerwehren unterhält“, verteidigt Bürgermeister Sandro Wenzel die beschlossene Fusion. Die Feuerwehrkasse habe nach einer Begutachtung zahlreiche Auflagen für den Weiterbetrieb des Feuerwehrhauses in dem Dorf gemacht. „Das kostet einen Haufen Geld“, ergänzte Gemeindevertreter Siegfried Bruhn in der öffentlichen Sitzung. Außerdem werde mit zehn aktiven Mitgliedern die Mindestzahl von 15 für eine kleine Feuerwehr unterschritten. Bruhn verwies er auf den Kreis, der der Kommune schon vor Jahren die Schließung der Feuerwehr Neddesitz ins Haushaltskonsolidierungskonzept geschrieben hatte. Allerdings fallen die Kosten für die Neddesitzer Wehr mit durchschnittlich 7000 Euro pro Jahr eher moderat aus. Für die deutlich größere und stärkere Wehr in Sagard sind es im Schnitt 68000 Euro pro Jahr. „Man sollte wenigstens einen Mannschaftstransportwagen in Neddesitz belassen, damit die Kameraden von dort zum Einsatz fahren können“, warb der Gemeindevertreter und Sagarder Feuerwehrmann Frank Mallon für einen Kompromiss, der im Gemeinderat aber abgelehnt wurde.

Wenig Geld, wenig Leute, schärfere Auflagen — all diese Argumente sind für Gerald Seyme und seine Mitstreiter in Sagard in gewisser Weise nachvollziehbar. Dass das, wofür sie sich jahrzehntelang eingesetzt haben, von heute auf morgen vom Tisch gefegt wird, stößt ihnen bitter auf. „Überall wird in den Reden immer das ehrenamtliche Engagement eingefordert und gepriesen. Aber hier erfährt es offenbar keine Würdigung“, sagt Gerald Seyme. „Ganz im Gegenteil.“ Das Schlimmste sei, dass die Gemeinde es noch nicht einmal für nötig hielt, mit den beiden Feuerwehren zu sprechen. „Bei uns hat sich bis heute niemand gemeldet.“ Gespräche über den Ablauf der Fusion, die bis zum Jahresende über die Bühne gehen soll, wird es erst im Nachgang geben. Bürgermeister Sandro Wenzel hat angekündigt, beide Wehrführer zum nächsten Hauptausschuss einzuladen.

Großeinsatz am Bach
1957 wurde die Freiwillige Feuerwehr Neddesitz gegründet und das alte Gerätehaus stückweise hergerichtet. Ihren ersten Großeinsatz hatten die Neddesitzer Kameraden am 19. Dezember 1965, als nach einem Dammbruch ein Bach die Straße nach Sagard überflutete. 1970 wurde das neue Gerätehaus bezogen. Im selben Jahr übergab der bisherige Kommandostellenleiter Walter Käning die Aufgabe des Wehrleiters an Gerhard Seyme, den Vater des heutigen Wehrführers in Neddesitz.



Maik Trettin

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