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Rügen Luxus-Yachten und Rennboote auf dem Kreidesee
Vorpommern Rügen Luxus-Yachten und Rennboote auf dem Kreidesee
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18:49 22.07.2019
Uwe Schaal, Vorsitzender des Modellsportclubs Rügen, bei der Freundschaftsregatta am Kreidebruch in Lancken bei Sassnitz. Quelle: Maik Trettin
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Sassnitz

„Nee, Muddi!“ Sven Kammerhofer steht auf dem Steg des Kreidesees in Sassnitz-Lancken und kann sich nur schwer beherrschen. Am liebsten würde der Wolgaster seiner Mutter Simone die Fernsteuerung aus der Hand nehmen, mit der sie das Schiffsmodell über das Wasser steuert. Das Boot hat sich festgefahren, der junge Wolgaster muss mit dem Schlauchboot raus und es wieder ins offene Wasser setzen. Mit ruhiger Hand dirigiert die Kapitänin ihr Miniaturschiff weiter durch den auf dem Wasser abgesteckten Parcours bis ins Dock. Sie ist eine der wenigen Frauen, die bei der Freundschaftsregatta des Modellsportclubs Rügen am „Steuer“ eines Schiffes stehen. „Kann nicht immer alles glatt gehen“, sagt sie lachend, bevor sie in der Kombüse ihres Wohnwagens verschwindet. Sie muss jetzt den Riesen-Topf mit Soljanka auf den Herd stellen. Für die Schiffsmodellbauer gehört Simone Kammerhofers legendäre Suppe genauso zu den Treffen wie die Wettfahrten und die Fachsimpeleien.

Anspruchsvoller Parcours

44 maßstabsgetreue Schiffsnachbauten sind am Wochenende über den Kreidesee getuckert. Ihre Kapitäne mussten die Boote von Land aus über einen mit kleinen Bojen markierten Kurs steuern – in einer vorgegebenen Zeit. Das mag für den Laien nach Spielerei klingen. Doch ein kleines Bötchen über ein relativ großes, offenes Gewässer zu lenken, erfordert Fingerspitzengefühl und Konzentration. „Es gibt einen Grundkurs, der von unserem Dachverband Nauticus vorgegeben ist“, sagt der Rügener Vereinsvorsitzende Uwe Schaal. Die Strecke, die die Bootsführer in Sassnitz zu absolvieren haben, ist um einiges anspruchsvoller. Mal geht es von links nach rechts vorwärts zwischen den im Abstand von einem Meter gesetzten Bojen hindurch, dann von rechts nach links oder auch mal rückwärts. Wieviel Platz zwischen den Markierungen ist, kann der Steuermann an Land nur schlecht abschätzen: Von seiner Position aus liegen viele der Schwimmkörper in einer Linie hintereinander. Berührt das Boot eine der Bojen, werden Punkte abgezogen. Das gilt auch für den Fall, dass der Schiffskörper am Ende des Parcours beim „Einparken“ im Dock gegen die Seitenwände stößt.

Arco Klünder aus Wittstock flucht leise, als er sich auf seinen ersten Lauf vorbereitet. Bevor er seinen Nachbau des Polizeiboots „Helgoland“ zu Wasser lässt, wollte er noch einen winzigen Mastausleger ankleben. Aber der Sekundenkleber erfüllt seinen Zweck nur an den Fingern. Die Kunststoffteile kippen immer wieder ab. „Egal“, sagt er irgendwann und legt die Tube beiseite. „Sieht man auf die Entfernung sowieso nicht.“ Und auf die Fahreigenschaften hat dieses Detail auch keine Auswirkungen. Die hat der Modellbausportler im Vorfeld so gestaltet, dass er das Schiff optimal steuern kann. „Ich baue meine Boote immer ein wenig buglastig“, sagt Arco Klünder. „Dann weiß ich genau, wie sie reagieren.“ Die Durchfahrten zwischen den Bojen erkennt er auch dann, wenn die Schwimmer aus seiner Perspektive alle hintereinander liegen. „Da muss man auf die Bugwelle achten, die auf die Bojen trifft.“

Jeder Modellschiff-Kapitän hat seine ganz eigenen Erfahrungen und Tricks, mit denen er den Parcours meistert. Als Marlies Trautmann aus Samtens ihre Yacht „Barracuda“ ins Dock gesteuert hat, gibt es von allen Applaus. Null Fehler und damit 100 von 100 möglichen Punkten – besser geht es nicht. „Hat alles gestimmt“, kommentiert sie bescheiden den Erfolg. „Und ich war nicht so aufgeregt.“

Nicht ganz so zufrieden mit seinem Lauf war Finn Duszynski. Seinem Modellschiff „Littorina“ hat er den wenig schmeichelhaften Spitznamen „die Zicke“ verpasst. „Die Welle ist undicht und deshalb spinnt das Schiff manchmal“, erklärt er. Sein Opa hat es für ihn im Internet ersteigert – und ihn auch gleich mit dem Schiffsmodellsport-Virus infiziert. Der Zwölfjährige ist zwar mittlerweile in Berlin zu Hause, seine Flotte von vier Modell-Schiffen hat ihren Heimathafen aber nach wie vor auf Rügen. Das ist nicht ungewöhnlich. „Viele, die wegziehen, bleiben dem Verein treu“, sagt der Sassnitzer Vorsitzende. Frank Lietzow zum Beispiel ist seit Jahren in Niedersachsen zu Hause und hat dort etwa 25 Modellschiffe und andere Fahrzeuge. Immer wieder zieht es ihn aber an den Lanckener Kreidebruch, wo sein Vater einst die Modellbaubegeisterung in ihm weckte.

Modellbau-Virus hat die ganze Familie infiziert

Bei den Kammerhofers hat das Virus die ganze Familie befallen: Olaf Kammerhofer und seine Frau Simone fahren mit ihren Schiffen ebenso gern bei Regatten mit wie die Söhne Sven und Maik. Die Herren sind allerdings meist etwas flotter unterwegs. Zwischen neun und zwölf Sekunden benötigen ihre Rennboote, um auf dem Wasser 180 Meter zurückzulegen. „Das sind 80 bis 90 km/h“, rechnet Olaf Kammerhofer um. Ihre Rennboote sind übrigens bis auf die Motoren, die mit einem Gemisch aus Methanol und Rizinus betankt werden, reine Eigenbauten. Fertige Bausätze gibt es für diese Flitzer nicht. Zu den Probefahrten kommen die Wolgaster, die Mitglieder im Rügener Verein sind, regelmäßig nach Sassnitz. Die heimische Peene sei zu windanfällig.

Die Schiffsmodellsportler sind ohnehin viel unterwegs. „Wir sehen uns alle regelmäßig“, sagt Carsten Fischmann vom MBC Penzlin. Nach der Freundschaftsregatta in Sassnitz steht in zwei Wochen ein Wettkampf in Salzwedel an, bevor es im August und September nach Eberswalde beziehungsweise Penzlin geht.

Die Ergebnisse

In der Schiffsmodellklasse bis 90 Zentimeter siegte bei den Männern Mirko Platz aus Salzwedel, bei den Frauen Simone Kammerhofer vom Rügener Verein. Bei den Schiffen mit einer Länge von mehr als 90 Zentimeter setzte sich Matthias Knoop von der Schiffsmodellbaugemeinschaft „Beluga“ durch, bei den Frauen war es Marlis Trautmann vom Schiffsmodellbauclub Rügen. Bei den Junioren stand in der Klasse bis 90 Zentimeter Oliver Platz (Salzwedel) auf dem Siegertreppchen, bei den größeren Schiffen siegte der Rüganer Tjorven Trautmann.

Auf dem Kreidesee in Lancken bei Sassnitz trafen sich am Wochenende Schiffsmodellsportler zur Freundschaftsregatta.

Maik Trettin

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