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Rügen Vogelkonzert: Mancher Urlaubsgast ist genervt
Vorpommern Rügen Vogelkonzert: Mancher Urlaubsgast ist genervt
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17:00 02.07.2019
Mit 58 Nestern ist das Ferienhaus der Familie Pröschild als schwalbenfreundliches Haus ausgezeichnet. Auch wenn dies bei der Vermietung stets angekündigt wird, kommt dann nicht jeder Gast damit klar.
Mit 58 Nestern ist das Ferienhaus der Familie Pröschild als schwalbenfreundliches Haus ausgezeichnet. Auch wenn dies bei der Vermietung stets angekündigt wird, kommt dann nicht jeder Gast damit klar. Quelle: Wenke Büssow-Krämer
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Vaschvitz

Fünf Sterne – vergeben vom Deutschen Tourismusverband – prangen an der Fassade. Gleich daneben fällt der Blick jedoch auf eine Besonderheit in der Ferienhaussiedlung Vaschvitz. Denn das Ferienhaus der Familie Pröschild aus Bremen ist außerdem als schwalbenfreundliches Haus vom Nabu ausgezeichnet worden. Und darauf ist das Vermieterpaar stolz.

Doch Pröschilds müssen hin und wieder auch Kritik oder eine schlechte Bewertung einstecken. „Viele Großstädter, die Natur suchen, scheinen damit dann aber überfordert zu sein“, so Dörthe Pröschild. So wird aus dem morgendlichen Vogelkonzert für manchen Gast eine Ruhestörung.

„Als wir gebaut haben, haben wir uns gesagt, wir sind hier in einem Vogelschutzgebiet, also wollen wir auch etwas dafür tun“, erklärt Dörthe Pröschild die durchaus bewusste Entscheidung. Während die Ferienhäuser in der Nachbarschaft mit Konstruktionen zur Schwalbenabwehr unter den Dächern versehen sind, hat Familie Pröschild sogar eine Lehmpfütze auf dem Grundstück platziert, um den Tieren den Nestbau zu erleichtern. Und diese Maßnahme zeigt Erfolg. An dem 2015 fertiggestellten Ferienhaus findet man derzeit 58 Nester, sodass man hier schon von einer Mehlschwalbenkolonie reden kann. „Wir haben dafür gesorgt, dass die Population hier gestiegen ist.“

Bei der Vermietung, auf der Internetseite und den Angeboten auf den einschlägigen Ferienhausportalen weist die Familie auch immer auf diese Besonderheit hin. Viele Gäste kommen daher auch bewusst in dieses Haus und genießen Klang und Beobachtungen von der Terrasse aus. „Das morgendliche Vogelkonzert war ein Traum“, ist dann beispielsweise im Gästebuch zu lesen. Es gibt aber auch Kritik. „Meist geht es dabei um die Hinterlassenschaften der Vögel“, sagt die Bremerin. Dabei beseitigen die Objektpfleger bei jedem Mieterwechsel den Dreck auf Terrassen- und Gehwegplatten. Die Front zur Eingangstür ist außerdem mit einem Kotbrett geschützt, das Unrat auffängt. Auch der Dreck an der Fassade, bei dem es sich mehr um Lehm als um Kot handelt, wird regelmäßig entfernt und Ehemann Michael hat in diesem Jahr frische Farbe aufgebracht –nur weiße Fassaden sind in der Siedlung erlaubt.

Auch ist die Befürchtung, man könne sich nicht auf der Terrasse aufhalten, da man von Vogeldreck getroffen wird, unbegründet. „Wenn die Schwalben etwas fallen lassen, dann direkt an der Fassade, wenn sie sich am Nest aufhalten um die Jungen zu füttern. Im Flug eher nicht“, erklärt die 50-Jährige.

Die Reaktionen der Besitzer und Gäste der benachbarten Ferienhäuser ähneln sich. „Viele finden es schön, wollen es aber selbst nicht haben“, so Pröschild. Manchmal kommt dann sogar ein Dank, dass die Schwalben dafür sorgen, dass die Nachbarschaft von Mücken verschont bleibt, die als Hauptnahrung der Vögel dienen.

Nach Meldungen des Nabu ist die Populationen von Mehl- und Rauchschwalben seit Jahren rückläufig. Ulf Bähker von der Naturschutzstation in Schwerin ist daher begeistert vom Engagement der Hausbesitzer. „58 Nester zeigen, dass es in der Umgebung blüht und es Insekten gibt. Das klingt nach intakten Lebensräumen“, freut sich Bähker. Ihm ist aber auch bewusst, dass sich nicht jeder darüber freut. „Die Wahrnehmung der Leute hat sich geändert. Früher hieß es, Schwalben bringen Glück, heute sieht man nur den Kot.“ Er weist aber auch darauf hin, dass Lob oft ungehört bleibt, während Kritik laut geäußert wird.

Der Nabu Mecklenburg-Vorpommern hat im Jahr 2007 die Aktion „Schwalbenfreundliches Haus“ ins Leben gerufen. Heute gibt es in MV bereits über 1000 Häuser – vom Privathaushalt bis zum Vier-Sterne-Hotel – die sich mit dieser Plakette schmücken dürfen. Der Nabu hat die Aktion inzwischen bundesweit ausgedehnt.

Wenke Büssow-Krämer

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